Was geschah am 16. bis 18. September?

22. Elul 5782

Wahlkampf 2022:

Seit Donnerstagabend sind die aktuellen Wahllisten geschlossen. 40 Parteien stehen den Wählern zur Auswahl, um am 1. November in der 5. Wahl in 3 ½ Jahren die 120 Sitze in der Knesset neu zu vergeben. 

Es wird damit gerechnet, dass der Likud unter der Führung von MK Benjamin Netanyahu wiederum die stärkste Gruppe unter den Parteien stellen wird. Zweitstärkste Fraktion dürfte die Partei des amtierenden PM Yair Lapid, Yesh Atid, werden. Als dritte Partei wird unter VM Benny Gantz die neue Mitte-Rechts-Partei «Nationale Einheit» gesetzt. 

Ob es unmittelbar nach der Wahl einem der beiden Blöcke gelingen wird, die notwendige Regierungsmehrheit von 61 Plätzen in der Knesset hinter sich zu bringen, scheint ungewiss.

Diplomatie:

Der neue Botschafter Chiles, Gil Artzyeli, sollte am vorgestrigen Freitag sein Akkreditierungsschreiben dem chilenischen Präsidenten Gabriel Boric übergeben. Der sagte den Termin aber kurzfristig ab, mit der Begründung, dass ein Militäreinsatz der IDF in der Nähe von Jenin einen jungen Palästinenser das Leben gekostet habe. 

Auch wenn angekündigt wurde, die Übergabe im Oktober nachzuholen, wurde das Verhältnis zwischen Israel und Chile damit belastet. Der chilenische Botschafter in Israel wurde umgehend ins Aussenministerium einberufen.

Mittlerweile wurde der neue Termin auf den 30. September fixiert.

Archäologie I:

Ein Landwirt aus Bureji, einem Ort im Gaza Streifen, der einen Olivenbaum pflanzen wollte und zu diesem Zweck ein recht grosses und tiefes Loch in seinem Garten grub, stiess mit der Schaufel auf einen harten, ebenmässigen Untergrund. 

Der Bauer und sein Sohn brauchten drei Monate, bis sie ein beachtlich schönes und gut erhaltenes Mosaik auf der byzantinischen Zeit freigelegt hatten. Erst dann gingen sie mit ihrem Fund an die Öffentlichkeit. 

Der Fund löste nicht nur Begeisterung bei der Hamas aus, die ihn in den kommenden Tagen der Öffentlichkeit medial vorstellen wird. Er löste auch die Frage aus, ob archäologische Funde im Gaza Streifen ausreichend betreut und geschützt werden. Die meisten werden Opfer von Bauarbeiten oder unsachgemässer Behandlung.

Dieses Mosaik zeigt 17 Tier- und Vogelbilder, die Farben sind ausserordentlich gut erhalten und es gehört zu den besterhaltenen Mosaiken im Gaza Streifen überhaupt, so die Einschätzung von René Elter von der französischen Bibel- und Archäologieschule in Jerusalem. Er schätzt das Mosaik auf eine Zeit zwischen dem 5. und 7. Jahrhundert CE ein. Er selbst hat die Fundstelle noch nicht besucht.

Archäologie II:

Um 1.300 BCE wurde unweit des beliebten Palmach Strandes südlich von Tel Aviv eine Grabanlage angelegt. In der vergangenen Woche hat ein Felssturz den Blick in eine unversehrte Kammer geöffnet. 

Was die Archäologen dann sahen, grenzte an ein archäologisches Wunder. In etwa 2 ½ m Tiefe standen sie in einer Kammer, die sich kurz darauf auch als Grabkammer erwies. Die darin aufgefundenen Amphoren sind komplett erhalten, in einigen der grossen Gefässe befinden sich ebenfalls komplett erhaltene kleinere Krüge. 

Erste Untersuchungen scheinen zu belegen, dass es sich um eine zur Zeit von Pharao Ramses II erbaute Anlage handelt, der um 1.300 BCE lebte.

Neben Amphoren wurden in der Anlage Schalen, Teller, und Öllampen gefunden. In den Lampen stecken noch die verkohlten Dochte. 

Seit 1992 wird bereits im Gebiet des Palmach Strandes gegraben, dort existiert ein Archäologiepfad und eine Festung, die vor etwa 3.500 Jahren den Küstenabschnitt schützte. 

Hier gibt es ein hochinteressantes Video aus der Anlage.

Strassenverkehr:

Man muss von grossem Glück sprechen, dass nichts passiert ist! Zu einer der verkehrsintensivsten Zeiten, am späten Samstagnachmittag brach auf dem Ayalon, der Hauptverkehrsader von Tel Aviv, ein riesiges «sinkhole» auf. Tief genug, um einen PKW kopfüber aufzunehmen und über drei Spuren hinweg gehend. 

Die drei Ausfahrtspuren Richtung HaShalom Kreuzung im Süden Tel Avivs wurden von der Polizei gesperrt. Der gesamte Verkehr musste sich über die noch offenen zwei Spuren Richtung Süden schlängeln. 

Die Stadt hat alle zur Verfügung stehenden Teams aufgeboten, um den Schaden bis Sonntag zu beheben, wenn der Berufsverkehr zwischen 6 und 9 Uhr am stärksten sein wird.

Bis dahin war der gesamte südlich verlaufende Ayalon zwischen Ramat HaSharon und HaShalom auf einer Strecke von etwa 15 km für sämtlichen Verkehr gesperrt.

Man geht davon aus, dass Bauarbeiten am zweithöchsten Gebäude der Stadt für das Entstehen des Sinkholes verantwortlich sind.

Zwei Spuren konnten am Sonntagvormittag wieder geöffnet werden, die Ausfahrt bleibt bis inklusiven Dienstag gesperrt.

Wahlkampf 2022:

Erstmals hat sich ein israelischer Präsident schon vor der Wahl so aktiv zur bevorstehenden Regierungsbildung geäussert. Bei einem Treffen mit Knessestabgeordneten sagte er: «Ich habe vor, nach den Wahlen die Ärmel hochzukrempeln und daran zu arbeiten, um jeden Preis eine möglichst breite Einheitsregierung zu bilden, um das System zu stabilisieren, denn die Bürger Israels haben diese Wahlroutine satt.»

Er sei sicher, dass die Israelis eine stabile Regierung herbeisehnen, die sich um beides, die Sicherheit und die Wirtschaft kümmert.

Aufgabe des Präsidenten ist es, nach der Wahl und der Bekanntgabe des vorläufigen Endergebnisses Gespräche mit Vertretern aller Parteien zu führen. Bei diesen Gesprächen geht es darum, herauszufinden, welcher Kandidat die wahrscheinlich grösste Möglichkeit hat, eine Koalition zu formen. 

Der Präsident wird dann denjenigen auffordern, die Koalitionsgespräche zu beginnen. Es ist üblich, aber nicht verpflichtend, dass er den Vorschlägen der Parteivorsitzenden folgt. 



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