Wochenabschnitt: Teruma, Shmot 25:1 – 27:19, 2. Buch

ב“ה

7./8. Adar  5781                                    19./20. Februar 2021  

Schabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)  16:49

Schabbatausgang in Jerusalem:                              18:07

Der Name des Wochenabschnittes ist תְּרוּמָה was übersetzt «Spende» bedeutet. Und deshalb lautet der zweite Satz: «Von jedem Menschen, dem von Herzen danach ist, sollst du [Moses] für mich eine Spende entgegennehmen.» Es ist nicht wenigwas Gott sich als Spende vorstellt. Edelmetalle sollen es sein, gefärbtes und fein gewobenes Leinen, rotgefärbtes Widderleder, Felle, Akazienholz. Dazu Öl für die Lampen, wohlriechendes Salböl und Räucherwerk. Für das Gewand der Priester Onyx- und andere Steine für den Brustschild.

Wir erinnern uns, dass Gott den Kindern Israel unmittelbar vor der Flucht aus Ägypten befohlen hatte, sich von den ägyptischen Nachbarn Schmuck, Gold und Silber aushändigen zu lassen. Ich habe mich gefragt, als ich diese Stelle vor vielen Jahren zum ersten Mal las, was hinter dieser Aufforderung steht. Wer belastet sich mit Dingen, die man auf einer Wanderung durch die Wüste mit Sicherheit nicht braucht? Aber Gott tut nichts ohne Absicht. Seine Pläne sind langfristig angelegt und nicht von heute auf morgen umsetzbar.

Es ist nicht Unbilliges an seinen Wünschen, denn all das hatte Gott für den Menschen geschaffen, damit der es nutzen kann. Und jetzt, nach vielen Jahrhunderten, wollte er sehen, was sie aus seinen Geschenken gemacht hatten. 

Ich habe in einem Buch die folgende Geschichte von Rabbi Akiva gefunden:

Ein Römer fragte Rabbi Akiva, was besser sei, das, was Gott geschaffen habe, oder das, was Menschen daraus machen. Rabbi Akiva antwortete nach kurzem Nachdenken: »Die Dinge, welche die Menschen schaffen!« – »Wie kann das sein?«, fragte der Römer. Daraufhin brachte ihm Rabbi Akiva Weizen-Ähren und einen Laib Brot, Flachs und ein Stück fein gewebtes Leinen. Und er fragte den Mann: »Siehst du nun, was ich meine?»

Gott möchte, dass wir mit seinen Geschenken sinnvoll umgehen und sie nicht vergeuden.

Im ersten Buch, Genesis wird die gesamte Schöpfungsgeschichte in nur 31 Versen (Gen 1:1-31) beschrieben. Das gesamte, wunderbare Werk Gottes, das er nur für die Menschen geschaffen hat, zusammengeschrieben in wenigen, nahezu dürren Worten. 

Und jetzt lernen wir, wie Gott sich sein Haus inmitten der Menschen vorstellt. Akribisch wird jeder einzelne Schritt beschrieben. Am Ende der Liste steht wieder ein «Wenn-dann-Satz».

וְעָשׂוּ לִי, מִקְדָּשׁ; וְשָׁכַנְתִּי, בְּתוֹכָםפ

«Wenn sie [die Kinder Israel] mir einen Tempel bauen, dann werde ich unter ihnen wohnen.» Gott fordert die Menschen auf, aktiv zu werden. In der Schöpfungsgeschichte hatte er den aktiven Part, jetzt erwartet er, dass die Kinder Israel aus den Materialien, die er ihnen zur Verfügung gestellt hat, etwas für ihn schaffen. Er verlangt Genauigkeit, so wie er in seiner Schöpfung genau war und am Ende jedes Tages zufrieden mit dem Resultat war: «Gott sah, dass es gut war.»

Eine Beschreibung für den Zusammenbau von IKEA Möbeln ist nicht so vollständig! (Deshalb scheitern auch viele unbegabte Käufer daran.)

Besonders spannend ist die Anleitung für die zwei Cherubim, die auf dem Deckel der Bundeslade sitzen sollen. Noch ist sie leer. Gott fordert Moses auf, den Vertrag, den er mit den Kindern Israel schliessen wird, also die Gesetzestafeln, dort hineinzulegen. Die beiden Cherubim haben wir schon als Wächter vor den Toren vom Gan Eden kennengelernt, wo sie Adam und Eva daran hindern sollten, nach ihrer Vertreibung das Paradies nochmals zu betreten. Im Buch des Propheten Hesekiel 10:1-22 finden wir eine genaue Beschreibung dieser Helfer Gottes. Sie sind nicht erklärbar, weder in ihrer Erscheinung, noch in ihren Bewegungsmöglichkeiten. Sie sind so unergründlich, wie es Gott selber ist. 

Warum sind diese Vorgaben so detailliert? Ist nicht die Erschaffung der Welt bedeutender? Und warum wird sie in nur wenigen kurzen Versen beschrieben? Im Gegensatz dazu wird die Vorstellung, die Gott vom Stiftszelt hat, bis ins allerkleinste Detail beschrieben. Weil alles, was Gott den Menschen geschenkt hat, dort verarbeitet werden wird, spiegelt es vielleicht die Schöpfungsgeschichte wider. Ebenso, wie der Shabbat uns auf ewig an die Vollendung der Schöpfung und die Heiligung des siebenten Tages erinnert. 

Die Frage, wo Gott wohnen wird, bleibt derzeit noch offen. Wird er im Stiftszelt wohnen, gleichermassen symbolisch für das spirituelle Zentrum aller Kinder Israels? Oder wird er vielmehr in jedem von ihnen «wohnen». Das Wort בְּתוֹכָם kann beides bedeuten. «Unter ihnen» oder aber «in ihnen». 

Sind wir bereit, nicht nur weltliche Güter und Eigentümer zu geben, um Gott dieses Haus zu bauen? Sondern sind wir auch bereit, unser Leben danach einzurichten, dass wir mit ihm als Teil unseres Selbst leben können?

Shabbat Shalom



Kategorien:Israel, Religion

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