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24./25. Siwan 5781 4./5. Juni 2021
Schabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden) 19:01
Schabbatausgang in Jerusalem: 20:24
שְׁלַח-לְךָ (sh’lach lecha)! Mit dieser Aufforderung beginnt unser Wochenabschnitt «Sende [Männer] aus!» Die Wurzel שלח führt uns zu den Worten: wegschicken, senden, Abordnung, Delegation, Bote, Auslieferung. An Purim schicken wir Freunden und Nachbarn משלוח מנות (mischloach manot) in Erinnerung an die Rettung der Juden durch Königin Ester. Die jüdischen Jugendbünde in Europa haben sehr oft einen israelischen שליח (schaliach) der als Verbindung zwischen Europa und Israel gilt. Boten sind oft massgeblich für die weitere Entwicklung des Geschehens, so auch hier.
Das Volk Israel war am südlichen Punkt des heutigen Israel angekommen, die Gebirge des südlichen Negev lagen hinter Ihnen und ihr Ziel schien bereits kurz vor ihnen zu liegen.
Moses schickte also die Männer los, um das verheissene Land Kanaan auszukundschaften.
Er wollte, so wie jeder gute Anführer, eine Idee davon bekommen, was sie dort erwartete. Interessant ist, dass wir in Num 13:23 lesen וַיָּבֹאוּ עַד-נַחַל אֶשְׁכֹּל «sie kamen zum Fluss Eshkol.» Eshkol bedeutet «Grapefruit» Heute verwendet man für «Weintrauben» das Wort ענבים. Die reifen Weintrauben, die sie abschnitten und mitnahmen, sind heute das offizielle Symbol des israelischen Tourismus. Die Verbindung mag darin bestehen, dass Grapefruit «büschelweise» zusammenwachsen und noch vereinzelt, wie Orangen.
Zehn der Boten kehrten zurück und bestätigten, dass sie tatsächlich ein Land «voll Milch und Honig» gesehen hatten. Aber die Menschen dort seien angsteinflössende Riesen.
Es entspann sich eine Diskussion, ob man diese Menschen besiegen können. Caleb aus dem Stamm Jehuda war der Ansicht, dass dies problemlos möglich sei. Seine Kollegen waren anderer Ansicht. Sie fürchteten das Unmögliche.
Wem soll man trauen, wenn es darum geht, abzuwägen, welchen Weg man geht, der Mehrheit, die vor einer möglichen Gefahr warnt, oder der Minderheit, die vielleicht die ersehnte Information kommuniziert, aber eben die Minderheit ist?
Dazu kommt, dass fast jeder der über etwas berichtet, die Ebene der Objektivität verlässt und eine subjektive Schilderung schlittert. Das kennen wir aus Zeitungsberichten. Wenn ein Polizeireporter über eine Demonstration berichtet, so wird sie reich an Fakten sein, aber im besten Fall kaum Emotionen oder gar eine eigene Bewertung widerspiegeln. Ein Teilnehmer, der im Nachhinein berichtet, wird sich weniger auf Fakten, als auf seine Emotionen abstützen. Ist das der Fall, kann man manchmal glauben «in einem anderen Film« gewesen zu sein.
Und schon brach eine grosse Unruhe aus. Die Kinder Israels jammerten wieder einmal über ihr Schicksal und lehnten sich erneut gegen Moses und Aron auf. Noch immer hatten sie nicht verinnerlicht, dass Gott sie führen würde, und dass er jedes Versprechen, das er bisher gegeben hatte, auch gehalten hatte. Sie verfielen in derartige Verzweiflung, dass sie sogar unter einer neuen Führung nach Ägypten in die Sklaverei zurückkehren wollten. Man kann durchaus sagen, es war der Versuch einer Meuterei.
Doch die beiden letzten Boten, die zurückgekehrt waren, bestätigten die Schönheit des Landes und versuchen, das ängstlich gewordene Volk zu besänftigen. Sie waren sicher, dass Gott ihnen genau dieses Land zugesprochen hatte. Und sie waren sich seiner Hilfe absolut sicher.
Die Menschen aber waren so aufgebracht, dass sie ihnen nicht zuhörten und Moses und Aron sogar steinigen wollten.
Damit war der Moment für Gott gekommen, sich einzumischen. Er ist erschüttert über die Verzagtheit der Menschen, die er aus der Sklaverei geführt hat und die er immer wieder mit Wundern versucht hat zu überzeugen. Ausradieren will er sie. Moses, der selber in so grosse Bedrängnis geraten ist, verwendet sich für sie und fleht Gott an, sie zu schonen.
Aber ungestraft kann er diese Auflehnung nicht hinnehmen. Das, was jetzt folgt, ist vielleicht der traurigste Teil der gesamten Torah. Keiner der Kinder Israel, die aus Ägypten geflohen sind, wird das von Gott versprochene Land sehen. Nur Caleb und Joshua, die eine andere Botschaft zurückgebracht hatten, als die anderen Boten, dürfen das Land betreten, das ihren Kindern gehören sollte.
Es ist ein harter Spruch, den Gott über sein Volk spricht. Jeder, der älter als zwanzig Jahre ist, muss sterben. Vierzig Tage haben die Boten zum Auskundschaften gebraucht, vierzig Jahre sollen die Kinder Israels nun in der Wüste herumirren.
Das Volk Israel glaubte ein weiteres Mal nicht an Gottes Worte, schlugen seine Warnung aus und sie gerieten in einen Kampf mit den Amalekitern und Canaanitern und wurden von ihnen vernichtend geschlagen.
Der tragische Wochenabschnitt endet mit dem Gebot, «צִיצִת» Tzizit an der Kleidung zu befestigen. Die Tzizit, sollen den vergesslichen Menschen (hier nur den Männern!) jedesmal, wenn sie sie sehen, die Gebote Gottes in den Sinn bringen. Einer der Fäden soll mit der Farbe der Purpurschnecke eingefärbt sein. Die Tzizit sind so etwas wie eine «Eselsbrücke». Nachdem die Kinder Israel immer wieder vergessen haben, dass sie versprochen haben, die göttlichen Gesetze einzuhalten, dient vor allem der purpurblaue Faden als stete Erinnerung.
Es ist der versöhnliche Moment, in dem Gott seinem Volk wieder die Hand reicht. Fast, als täte ihm sein hartes Urteil schon wieder ein bisschen leid.
Shabbat Shalom
Kategorien:Israel
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