Was geschah am 31. Dezember?

27. Tevet 5782

Geboren:

1937 wird Avram Hershko in Karcag (Ungarn) geboren. Sein Vater wurde von der Sowjetarmee verschleppt. Die Familie wusste jahrelang nichts über sein Schicksal. Avram wurde gemeinsam mit seiner Mutter und dem älteren Bruder in das Ghetto vom ungarischen Szolnok deportiert. Von dort wurden die meisten Inhaftierten gegen Ende des Krieges nach Auschwitz überstellt und dort ermordet. Avram und seiner Mutter sowie dem Bruder gelang es, nach Mauthausen zu gelangen, wo sie im gefürchteten Steinbruch an der Todestreppe arbeiten mussten. Avram und seine Mutter überlebten die Shoa und trafen daheim wieder mit dem Vater zusammen, der ebenfalls überlebt hatte. 1950 emigrierte die Familie nach Jerusalem. 1965 erwarb er sein M.D. und 1969 sein Ph.D. an der Hebräischen Universität am Hadassa Medical Center in Jerusalem. Hershko ist ausserordentlicher Professor am Technion in Haifa und der Grossman Medizinschule der New York Universität. 1994 erhielt er den Israel Preis, 2004 dann gemeinsam mit Aaron Ciechanover und Irwin Rose den Nobelpreis für Chemie. Ihre gemeinsame Forschungsarbeit bezog sich auf den Proteinabbau von Zellen, der u.a. im Kampf gegen Krebserkrankungen, aber auch Muskel- und neurologische Erkrankungen sowie Immunrepressionen eingesetzt werden kann. Seit dem Jahr 2000 ist er Mitglied der Israelischen Akademie der Wissenschaften.

1937 wurde Paul Spiegel in Warendorf geboren. Seine Familie zog zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus von Versmold in das benachbarte Warendorf und von da aus nach Flandern, wo Paul von einer katholischen Bauersfamilie mit Hilfe des Pfarrers versteckt wurden. Seine Schwester wurde in einem KZ ermordet, nachdem sie bei einer Razzia in Brüssel entdeckt worden war. Sein Vater überlebte die KZ Buchenwald, Auschwitz und Dachau. Im Gegensatz zu vielen anderen Shoaüberlebenden zog die Familie wieder an den Heimatort zurück. Sein Vater baute erneut die Synagogengemeinde auf. Diese hatte bereits ab dem 14. Jahrhundert eine grosse Bedeutung für die jüdischen Gemeinden im Münsterland. Die Profiteure der November Pogrome von 1938 waren die Gemeinde und die örtliche Volksbank, die Grundstücke und Liegenschaften der Juden weit unter Preis ankauften. Die im Ort verbliebenen Juden wurden zunächst in einem «Judenhaus» zusammengepfercht und dann ins Ghetto von Riga verbracht. Keiner der deportierten Juden überlebte. Wieder daheim beendete Spiegel seine Schulausbildung am örtlichen Laurentianum Gymnasium. Nach zahlreichen journalistischen Tätigkeiten bei verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften gründete er mit Hans «Hänschen» Rosenthal [Das war Spitze!!] eine Künstler- und Modeagentur. Am 9. Januar 2000 wurde er Nachfolger von Ignatz Bubis als Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland. Spiegel verstarb am 30. April 2006 an den Folgen eines Herzinfarktes und damit verbundenen Lungenentzündung in Düsseldorf.

Gestorben: 

1888 verstarb Samson Raphael Hirsch, geboren am 20. Juni 1808 in Hamburg, in Frankfurt a.M.. Seine Familie lebte bereits in achter Generation als Kaufmannsfamilie in der Hansestadt. Sein Vater hatte den Familiennamen von «Frankfurter» auf «Hirsch» abgeändert. Seine Basisstudien absolvierte er unter anderem bei Chacham Bernays, dem Grossvater von Martha Bernays, der späteren Ehefrau von Sigmund Freud. Ab 1829 studierte er an der Universität Bonn klassische Sprachen, Geschichte und Philosophie. Dort traf er auf Abraham Geiger, der später geistiger Führer des Reformjudentums wurde. Die beiden befreundeten sich zunächst, wurden aber später zu erbitterten Feinden. Geiger plädierte für eine zeitgemäss Anpassung historischer Ritualgesetze, während Hirsch für eine strikte Beibehaltung war. Innerhalb der Reformbewegung selbst nahm Geiger eine gemässigte Position ein. Nach ihm benannt ist das 1999 gegründete Abraham-Geiger-Kolleg in Potsdam, dem ersten nach der Shoa neu gegründeten Rabbinerseminar in Deutschland. Hirsch erhielt 1830 von Chacham Bernay seine Ordination zum Rabbiner. 1851 wurde er an die orthodoxe Religionsgemeinschaft in Frankfurt a.M. berufen und blieb dort bis zu seinem Tod. Obwohl er sich als orthodoxer Rabbiner verstand, gründete er 1853 die später als «Samson-Raphael-Hirsch-Schule» benannte Realschule der Reformgesellschaft. Sein Credo war, dass der ideale Jude «ein aufgeklärter Jude ist, der die Gebote beachtet.». In seinen Schulen wurden daher neben den klassischen jüdischen Fächern auch Deutsch, Mathematik und Geografie unterrichtet. Bis heute sind seine Übersetzungen und Kommentare der Thora und der Psalmen Klassiker der jüdisch-theologischen Literatur.



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