Was geschah am 8. Februar? 

7. Adar I 5782

Geschichte:

1882 wird in Palästina die von Baron Edmond de Rothschild geförderte Siedlung Zichron Yaacov gegründet. Den Namen erhielt der Ort in Erinnerung an den Vater des Barons, Jakob de Rothschild. Schon kurz nach der Gründung begann man mit dem Anpflanzen von Weinstöcken, vor allem mit Rebstöcken aus Frankreich. Die noch heute existierende Weinkellerei «Carmel» erinnert an die Pionierzeit des Weinanbaues. Die speziell für die Herstellung von Weinflaschen erbaute Flaschenfabrik im nahe gelegenen Kibbuz Nachsholim musste bald nach der Eröffnung wieder geschlossen werden, weil sich der zur Verfügung stehenden Sand dieser Uferregion des Mittelmeeres nicht für die Produktion von Flaschen eignete. Eine der Sehenswürdigkeiten des Ortes ist der von Rothschild geplante Park «Ramat HaNadiv», in dem sich auch die Grabanlage für den Baron, seine Ehefrau und seinen Sohn befindet. Dieser Park ist ein wunderschönes Naherholungsgebiet für die gesamte Region. 

Die ehrgeizigen Pläne der Ortsverwaltung könnten allerdings in den kommenden Jahren für zahlreiche Probleme sorgen. Um die Anerkennung als Stadt zu erhalten, muss eine Siedlung mindestens 50.000 Einwohner haben. Aktuell liegt sie zwischen 25.000 und 30.000. Um dieses Ziel zu erreichen, werden derzeit zahlreiche Bauprojekte angestossen, die den Charakter des Ortes völlig zerstören könnten. 

Geboren:

1878 wurde Martin Mordechai Buber in Wien geboren. Weil seine Eltern sich früh trennten, wuchs er in Lemberg, Ukraine, bei seinen Grosseltern auf. Dort lernte er, sich weniger an einen strengen Gesetzesglauben zu klammern, sondern vielmehr an eine Allgegenwart Gottes zu glauben. Der Einfluss seines Grossvaters, der einer der wichtigsten Forscher der chassidischen Tradition des osteuropäischen Judentums war, beeinflusste auch die Wahl seiner Studienfächer. Nach der Matura studierte er ab 1896 an mehreren angesehen Universitäten Nationalökonomie, Philosophie, Germanistik, Kunstgeschichte, Psychiatrie und Psychologie. 1903 promovierte er mit der Dissertation «Zur Geschichte des Individualproblems».

Nachdem er 1900 Theodor Herzl kennengelernt hatte, schloss er sich dessen zionistischer Bewegung an. Ab 1901 zeichnete er verantwortlich für die Zeitung «Die Welt», die als offizielles Sprachrohr der Zionisten galt. 1902 gründete er den «Jüdischen Verlag», der bis 1938 existierte. 1916 folgte die zweite Zeitungsgründung «Der Jude», eine Monatszeitung, die allerdings nicht sehr lange auf dem Markt war. 

Nach seinem Umzug von Berlin nach Heppenheim a.d. Bergstrasse veröffentlichte er 1923 sein Hauptwerk «Ich und Du»[1]. Der darin erarbeitete Ansatz basiert auf jüdisch-mystischer und christlich-mystischer Theologie. Als Kernsatz gilt «Der Mensch wird am Du zum Ich», was bereits erklärt, dass er den Menschen als Ganzes in seinen Beziehungen zu seiner Lebenswelt sieht. Zur Natur, zu anderen Menschen, zu geistigen Phänomenen. In diesen Beziehungen steht der Mensch, so Bubers’ Ansatz, weder allein, noch kollektiv mit anderen, sondern immer im Austausch mit einem anderen «Du». Dadurch ergibt sich zwischen den Instanzen des «Ich» und dem «Du» als dritter Instanz noch das «Zwischen». Damit begründete er das dialogische Prinzip, in dem der Mensch erst dann zu sich findet, wenn er sich auf ein «Du» hinwendet. Um aber in diese Beziehung treten zu können, und von ihr nicht überrollt zu werden, ist die «Urdistanz» notwendig, die es jedem Menschen ermöglicht, sich von Menschen, Ereignissen und Dingen zu distanzieren.

Entsprechend seinem allgegenwärtigen Gottesbild sieht Buber als ultimative Ich-Du Beziehung Gott, den er als «ewiges Du» beschreibt.

Sein zweites grosses Werk, die Übersetzung der Thora ins Deutsche, begann er 1925 gemeinsam mit Franz Rosenzweig. 

Neben der Errichtung des jüdischen Staates Israel in Palästina waren ihm die Beziehung zwischen Juden und Christen, sowie die von Juden und Deutschen ein grosses Anliegen.

Buber war Lehrer an der Universität Frankfurt und hatte den Lehrstuhl für Soziologie und Sozialphilosophie an der Hebräischen Universität in Jerusalem inne. 

Buber verstarb am 13. Juni 1965 in Jerusalem.

Gestorben: 

1882 verstarb Berthold Auerbach (Moses Baruch Auerbacher), geboren am 28. Febr. 1812 in Nordstetten a. Neckar, in Cannes. Nach dem Besuch der ersten jüdische Grundschule des Königtums Württemberg sollte er nach den Plänen seiner Eltern Rabbiner werden. Ab 1825 besuchte er deshalb die Talmudschule, die er allerdings zwei Jahre später abbrechen musste, weil seine Familie das Schulgeld nicht mehr aufbringen konnte. Nach einem kurzen Aufenthalt in Karlsruhe wechselte er 1830 auf das Gymnasium in Stuttgart.

Nach bestandener Aufnahmeprüfung erhielt er ein kleines Stipendium, und konnte deshalb die Matura ablegen. Unmittelbar anschliessend immatrikulierte er sich an der Universität Tübingen im Fachbereich Rechtswissenschaft, um bereits im folgenden Semester in den philosophischen Bereich zu wechseln. 1833 schrieb er sich an der Universität München ein. Aufgrund Zugehörigkeit zu radikal-liberalen Burschenschaften wurde er wegen «staatsfeindlicher Umtriebe» verhaftet, und zunächst unter Polizeibeobachtung gestellt. Die Universität München exmatrikulierte ihn postwendend, er durfte seine Studien aber in Heidelberg abschliessen. 

Ab 1838 war er Mitglied der Freimaurer Loge «Zur aufgehenden Morgenröte» in Frankfurt.

Die Verurteilung und anschliessende Festungshaft beendeten jeden Traum, Rabbiner zu werden, sodass er sich der Schriftstellerei zuwandte. 1841 erschien seine Übersetzung des kompletten Werkes des jüdisch-holländischen Philosophen Baruch de Spinoza aus dem Lateinischen.

Zwischen 1858 und 1869 erschien der «Deutsche Volkskalender», in dem namhafte Autoren regelmässig Beiträge publizieren. Unter ihnen war auch Gottfried Keller, mit dem er seit seiner Zeit in Dresden wenige Jahre zuvor befreundet war. So schickte ihm Keller eine Novelle, die Auerbach mit dem Titel «Das Fähnlein der sieben Aufrechten» versah. Weiteren Bekanntheitsgrad erhielt Auerbach durch Rezensionen von Kellers bekannter und beliebter Novellensammlung «Die Leute von Seldwyla». 

Zum Auskurieren einer schweren Lungenentzündung begab er sich nach Cannes. Der Kuraufenthalt konnte ihn leider nicht mehr heilen.

Was geschah in Israel?

2022 am gestrigen Tag ernannte der israelischen Justizminister gemeinsam mit PM Naftali Bennett, in Absprache mit der Regierung die neue Generalstaatsanwältin, Gali Baharav-Miara. Sie tritt damit die Nachfolge von GenStA Avichai Mandelblit an, der am 31. Januar 2022 nach der regulären Amtszeit von sechs Jahren das Büro verliess. GenStAin Baharav-Miara war bis zu ihrer Ernennung eine eher unbekannte Rechtsanwältin an einem Bezirksgericht in Tel Aviv.

Von den drei zur Anhörung angetretenen Kandidaten verfügt sie über die grösste Erfahrung im Gericht. Der PM sagte vor der Ernennung «Wir brauchen eine gute, starke und seriöse Gerichtsbarkeit, der die Öffentlichkeit vertraut. Darüber hinaus besteht die grundlegende Rolle des Generalstaatsanwalts darin, die Regierung bei der Umsetzung ihrer Politik im Rahmen der gesetzlichen Grenzen zu unterstützen. Die Regierung ist hier, um zu regieren, zu funktionieren, zum Wohle der Bürger des Staates zu arbeiten und das Land voranzubringen». 

Die 62-Jährige ist verheiratet und hat drei Kinder.


[1] Mein besonderer Dank gilt Prof. Manfred Steinlechner für seine hochinteressanten und ausführlichen Vorlesungen zu Martin Bubers’ «Ich und Du»



Kategorien:Aus aller Welt, Israel, Timeline

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