Wochenabschnitt: Tezawe, Ex. 27:20 – 30:10

ב“ה

10./11. Adar I  5782                                                       11./12. Febr. 2022  

Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)                             16:42

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                        18:00

Shabbateingang in Zürich:                                                                17:25

Shabbatausgang in Zürich:                                                              18:32

Shabbateingang in Wien:                                                                  16:52

Shabbatausgang in Wien:                                                                 17:59

Der Wochenabschnitt beginnt wiederum mit einer genauen Angabe, wie Gott seine irdische Wohnstätte ausgestattet haben möchte. Ein ewiges Licht soll im Vorraum brennen, gespeist von bestem Öl. Moses und Aaron sollen dafür sorgen, dass es nie verlöscht. 

Im Folgenden geht es darum, die Priester einzusetzen, die uns bereits vor einigen Wochen angekündigt worden sind. In Ex 19:5-6 haben wir gehört, dass diese Priester das Zentrum der Kinder Israels sein werden. «Nun, wenn ihr gut auf mich hört und meinen Bund haltet, dann werdet ihr mein liebstes Volk sein, denn mir gehört die ganze Welt. Ihr sollt ein Königreich der Priester und ein heiliges Volk sein.»

In Ex 28:1 lesen wir וְאַתָּה הַקְרֵב אֵלֶיךָ אֶת-אַהֲרֹן אָחִיךָ וְאֶת-בָּנָיו אִתּוֹ «Bringe dir deinen Bruder Aaron und seine Söhne näher.» In den deutschen Übersetzungen finden wir zumeist sinngemäss «Lass deinen Bruder Aaron und dessen Söhne näher zu dir herantreten.» Sehr oft hilft es, die Wurzel des Verbes anzuschauen, wenn man den Sinn eines Satzes besser verstehen will. Hier ist es קרב (karav), die Wurzel, die auch in den Verben lehitkarev (sich annähern), likrov näher/nahebringen, hikriv (sich opfern) aber auch im Substantiv korban (Opfer) enthalten ist. 

Bringen ist etwas, was von einer Person weg zu einer anderen erfolgt. Das ist hier eindeutig nicht gemeint. Auch sich annähern trifft nicht den Punkt, denn dann müsste ja Moses aktiv werden, was aber nicht der Fall ist. Selbstverständlich ist auch nicht von einem persönlichen Opfer die Rede. Also kann die Bedeutung dieses Satzes nur darin bestehen, dass Moses sich seinen Bruder Aaron und dessen Kinder nahebringen soll. 

Noch näher, als es die beiden Brüder schon sind. Das Verhältnis von Moses und Aaron ist keines der problembeladenen Brüderverhältnisse, wie wir sie von den Vorgenerationen kennen. Moses weiss um seine Schwächen, und er hat Aaron als sein Sprachrohr gerne akzeptiert. 

Und so werden Aaron und seine Söhne als Priester im Mischkan eingesetzt. Aaron ist zwar nicht explizit aber de facto der erste Hohe Priester, wie wir sie später in Jerusalem im ersten und zweiten Tempel kennen. 

Keiner hat von ihnen eine besondere Qualifikation nachweisen müssen, sie mussten nur eine Bedingung erfüllen, sie mussten aus dem Stamm Levy stammen. 

Um sie für ihren Dienst im Mischkan entsprechend zu kleiden, gab es wiederum exakte Vorschriften. Die Priester sollten sich einerseits vom normalen Volk klar durch ihre Kleidung unterscheiden, sie sollten aber andererseits unübersehbar integrierter Teil des Mischkans werden. Diese speziellen Gewänder zeigen, dass die Priester im Amt sind, dass sie Gott dienen. Die Priester sind es nicht, die verehrt werden sollen, schon gar nicht sind es die prächtigen Kleider. Sie sind, wie Samson Raphael Hirsch schreibt „Werkzeuge des Gottesdienstes.“ Ihr Dienst darf nichts von ihnen Individualisiertes haben, sie müssen sich strikt an die Regeln Gottes halten. Die Kinder Israel brauchen die Priester, um ihre Opfergaben vor Gott darzubringen. 

Den Mischkan und den Tempel gibt es schon lange nicht mehr und deshalb auch keine physischen Opfer. 

Seither gibt es Rabbiner, die den Gemeinden vorstehen. Kann man sie mit den Priestern vergleichen? Nein. Natürlich leiten sie oft die Gottesdienste, wobei das aber nicht zwingend notwendig ist. Ihrer Hauptfunktion ist die des Lehrers. Und des Beraters. Die heutigen Synagogen kennen mehrere Bezeichnungen, בית כנסת«Haus der Versammlung», בית תפילה «Haus des Gebetes» oder בית מדרש «Haus der Lehre». 

Rabbiner müssen nicht einem bestimmten Stamm angehöre. Im Gegensatz zu den Priestern im Tempel müssen sie über ein grosses Wissen verfügen. Wie sie ihr Amt ausüben, ist Teil ihrer Persönlichkeit. 

Nur die Cohanim unter den Juden hätten damals als Priester eingesetzt werden können. Frauen war das Amt nicht zugänglich, allein schon, weil es für sie physisch unmöglich gewesen wäre, einen Stier zu schlachten. 

Jedoch können wir alle, Männer und Frauen, Rabbiner werden. Jeder, der sich in der Lage sieht, sein Wissen weiterzugeben, sollte sich nicht scheuen, das auch zu tun. In der Funktion des Rabbiners, oder auch im privaten Kreis.

Shabbat Shalom



Kategorien:Israel, Religion

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