Was geschah am 17. Februar?

16. Adar I 5782

Politik:

1949 wird Chajim Weizmann (1874 – 1952) als erster israelischer Staatspräsident vereidigt. Nach der Matura studierte er in Darmstadt und später in Berlin  an der Technischen Hochschule Chemie. 1899 wurde er in Freiburg (Schweiz) «summa cum laude» promoviert. Ab 1901 lehrte er an der Universität Genf Biochemie.

Er gründete zionistische Vereine in Bern, Lausanne und Genf und warb vor allem unter russischen Studenten für den zionistischen Gedanken. In der Annahme, den zionistischen Gedanken besser verbreiten zu können, zog er nach Manchester, um dort seinen Studien fortzusetzen.

Seine Entwicklung in der Verfügbarkeit von Aceton war bahnbrechend für die Herstellung eines rauchfreien Schiesspulvers. Dieses Schiesspulver war bedeutend für die Erfolge der Alliierten im Ersten Weltkrieg. Das bei der Herstellung von Aceton anfallende Nebenprodukt Butanol wiederum war beliebt in der Herstellung von Lacken in der Autoindustrie. 

Neben dem Studium interessierte er sich intensiv für die Umsetzung des zionistischen Gedankens und für die Errichtung eines eigenen jüdischen Staates in Palästina. 1921 wurde er Präsident der Zionistischen Weltorganisation (WZO) und 1929 Präsident der Jewish Agency. 

1934 gründete er in Rehovot das heute weltbekannte Weizmann Institut

Am 17. Mai 1948 wurde er nach der Staatsgründung zum Präsidenten des provisorischen Staatsrates. Am 16. Februar 1949 wurde er zum ersten Präsidenten des Staates Israel gewählt und am 17. Februar als solcher vereidigt. 

Weizmann erlag im November 1952 an den Folgen seiner Herzkrankheit.

2022 Besuch von Nancy Pelosi, der Sprecherin des Repräsentantenhauses in Washington in Israel. Die Haltung der beiden Regierungen in Washington und in Jerusalem gehen in einigen Fragen weit auseinander. Gemeinsam ist beiden Staaten aber der Wille, die atomare Aufrüstung des Iran zu verhindern und eine auf Dauer friedliche Lösung mit den Palästinensern zu finden.

Vor der Knesset betonte Pelosi „Die USA bleiben eisern, ich verwende dieses Wort immer wieder, in unserer Unterstützung für Israels Sicherheit und seine regionale Stabilität.“ Pelosi betonte, wie beunruhigend die permanente Bedrohung durch den Iran sei, nicht nur für Israel, sondern für alle Staaten. Israel sei durch seine geografische Nähe zum Iran aber besonders stark bedroht.

Am vergangenen Dienstag, 15.2.22, war eine diplomatische Delegation überraschend nach Wien zu den dort immer noch stattfindenden Gesprächen gereist. Das Erscheinen der Israelis traf nicht bei allen Teilnehmern der Gespräche auf Zustimmung. „Die offene und unerwartete Anwesenheit der Zionisten in Wien ist zweifellos eine Abschreckung für Fortschritte in der gegenwärtigen heiklen Situation“, schrieb die iranische Zeitung Nour News in ihrem hebräischen Twitter-Feed.

Während PM Bennett strikt gegen eine Zwei-Staaten-Lösung zwischen den Palästinensern und Israel ist, sieht der US-Präsident Biden darin die einzige Stabilität und Sicherheit versprechende Lösung.

Im vergangenen Herbst hatte sich Pelosi unerwartet mit Gegenwind aus den eigenen Reihen konfrontiert gesehen, als die Finanzierung des Iron Domes infrage gestellt wurde. Mittlerweile wurde sie durch das Repräsentantenhaus abgesegnet und soll nun, so Pelosi, bald den Senat passieren.

Abschliessend hielt Pelosi fest, dass «die grösste Errungenschaft des 20. Jahrhunderts die Gründung des Staates Israel gewesen sei.»

Gestorben:

1856 verstarb Heinrich (Harry) Heine, geboren wahrscheinlich am 13. Dezember 1797 in Düsseldorf, in Paris. Über die Familie seiner Mutter war er mit Karl Marx verwandt, mit dem er sich später auch anfreundete.

Heine wuchs in einem assimilierten jüdischen Elternhaus auf, das stark von der jüdischen Aufklärung geprägt war. 

1803 begann er in der jüdischen Volksschule seine Ausbildung, wechselte jedoch, sobald dies erlaubt war, 1804 auf die städtische Grundschule und besuchte anschliessend das ab 1810 von katholischen Geistlichen geführte Lyzeum. Er verliess das Lyzeum jedoch, ohne dort die Matura abzulegen, um sich einer kaufmännischen Ausbildung zu unterziehen.

Im von Napoleon gegründeten «Rheinbund» galt ab 1804 der französische Code civile, der Juden und Nicht-Juden gesetzliche gleichstellte. Nach dem Sturz Napoleons und dem Ende des Rheinbundes galt jedoch das strikte System, welche Fürst Metternich zu Rekonstruktion der ehemaligen, vor der Zeit Napoleons existierenden Staaten re-installierte. Die von ihm so hoch geschätzte Demokratie, Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit wurde stark eingeschränkt.

In den Jahren 1815/16 arbeitete er bei einem Frankfurter Bankier als Volontär. In Frankfurt erlebte er auch erstmals das Schicksal von Juden, die im Ghetto der Stadt zusammengedrängt lebten.

In Frankfurt fand er gesellschaftliche Anerkennung in der Freimaurerloge «Zur aufgehenden Morgenröthe», ebenso wie ab 1844 in der Pariser Loge «Les Trinosophes».

1816 wechselte er in das Bankhaus seines Onkels Salomon Heine, der ihn bis 1844 finanziell unterstützte. 

Die literarischen Ambitionen seines Neffen waren ihm völlig unverständlich. Heine hatte schon während seiner Schulzeit auf dem Lyzeum begonnen, erste Gedichte zu schreiben. In Hamburg veröffentlichte er ab 1817 regelmässig in einer Hamburger Zeitschrift. Bereits hier zeigte sich sein später ausgeprägter Hang zum «Jungen Wilden» unter den Dichtern. Hamburg blieb ihm fremd, er fühlte sich dort nie wohl. 

So begann er in Bonn mit dem Studium der Rechts- und Verwaltungswissenschaft, um weiterhin Geld von seinem Onkel zu erhalten. Tatsächlich besuchte er aber Vorlesungen im Bereich Literaturwissenschaften und übersetzte Werke des romantischen englische Schriftstellers Lord Byron ins Deutsche. 1820 schrieb er sich an der Universität Göttingen ein, wurde aber exmatrikuliert und aufgefordert die Stadt zu verlassen, nachdem er einen Kommilitonen zum Duell gefordert hatte.

Heine ging 1921 nach Berlin, wo er für zwei Jahre Vorlesungen vom Philosophen Hegel hörte. Dessen Denken prägte auch Heine in seinem Verständnis für Geschichte. Er wurde in literarische Zirkel aufgenommen, wo er auch endlich die von ihm erwünschte Anerkennung seiner Werke empfing.

1824, unmittelbar nach der doch erfolgten Promotion zum Juristen trat er zum evangelisch-lutherischen Glauben über, vorgeblich, um seine Anstellungschancen zu verbessern. Aber auch als «getaufter Jude» fand er keine Anerkennung in den juristischen Kreisen Hamburgs. 

Nachdem er in Deutschland ab 1819 einer strengen Zensur unterworfen war und er wegen seiner jüdischen Herkunft und seiner politischen Ausrichtung heftig angefeindet wurde, begab er sich 1831 in ein selbst gewähltes Exil nach Paris. Dieses wurde erst nach den ausgesprochenen Publikationsverboten (1833 und 1835) für ihn unerträglich. 

25 Jahre lebte er in Paris und wechselte dabei fast jährlich seine Adresse.

In Paris begann die zweite schöpferische Phase seines Lebens, wobei in seinen Werken immer die Sehnsucht nach der verlorenen Heimat, Deutschland zu spüren ist. Seine Werke erschienen allesamt zunächst in Deutsch und wurden dann später übersetzt.

1844 erscheint eines seiner grossen Werke «Deutschland ein Wintermärchen». In diesem grossartigen Werk kritisiert er mit spitzer Feder die staatlichen, gesellschaftlichen und kirchlichen Zustände in Deutschland. Seine Freundschaft mit Karl Marx findet Niederschlag in den Werken beider Philosophen. Zunehmend setzt er sich mit den schlechten Arbeitsbedingungen der Arbeiterklasse auseinander, die sich vor allem in dem bekannten Gedicht «Das Weberlied» niederschlägt. 

Seine letzten Worte vor seinem Tod waren «N’en doute pas, ma chère, il me pardonnera; c’est son métier!“ – „Zweifle nicht daran, meine Liebe, er [Gott] wird mir verzeihen. Das ist sein Geschäft!“

1970 verstarb Shmuel Joseph Agnon (Czaczkes), geboren am 17. Juli 1888 in Butschatsch, Galizien, in Rechovot. Seine Eltern vermittelten ihm einerseits die klassische jüdische Gelehrtenausbildung in der Talmudschule und andererseits die Vielfalt der deutschen Literatur.

Schon früh, mit 15 Jahren veröffentlichte er erste, auf Deutsch und Hebräisch geschriebene Gedichte.

Nachdem er sich der zionistischen Bewegung angeschlossen hatte, emigrierte er 1908 nach Palästina, wo er sich in Jaffa niederliess. Im gleichen Jahr erschien seine erste Erzählung «Die verlassene Frau».

1913 reiste er nach Deutschland, lebte dort in Bad Homburg, Leipzig und Berlin, bis er 1924 wieder nach Palästina zurückkehrte. Den in Leipzig lebenden Juden setzte er mit seinem Buch «Herrn Lublins Laden», das erst 1974 nach seinem Tod erschien, ein Denkmal. In Buch, das die scheinbar chaotische Unordnung eines typischen Krämerladens widerspiegelt, in der nur der Kaufmann selbst sich auskennt. Aus dieser fragmentierten Ordnung kann keine stringente Handlung entstehen. Nur der Erzähler, der wohl, da das Buch autobiografische Züge zeigt, der Autor selbst ist, hält die Fäden in der Hand. Tragische wie urkomische Momente stehen nebeneinander, die Ernsthaftigkeit der Torahauslegung neben pointierten Kritiken an der Moderne. Und doch schwebt auch Morbides durch die Erzählung, der Erzähler beklagt den Untergang der alten Traditionen. Die überall präsente Gegenwart des Jüdischen muss immer mehr der Assimilation weichen. 

Martin Buber schreibt über ihn in einem Brief 1916: «Agnon hat die Weihe zu den Dingen des jüdischen Lebens. Es gibt andere, die wie er um diese Dinge wissen, aber ihr Wissen ist dürr. Es gibt wieder andere, die wie er um diese Dinge fühlen, aber ihr Gefühl ist verschwommen. Agnon ist einer der Wenigen, die die Weihe zu den Dingen des jüdischen Lebens haben. Die Weihe ist nicht nüchtern und sie ist nicht sentimental, sie ist glühend und fest. So ist Agnon. Er ist berufen, ein Dichter und Chronist des jüdischen Lebens zu werden; des einen, das heute stirbt und sich verwandelt, aber auch des Anderen, Werdenden, Unbekannten.»

1966 erhält er, gemeinsam mit Nelly Sachs, den Literaturnobelpreis «für seine tiefgründige charakteristische Erzählkunst mit Motiven aus der jüdischen Geschichte.»



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