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17./18. Adar I 5782 18./19. Februar 2022
Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden) 16:48
Shabbatausgang in Jerusalem: 18:06
Shabbateingang in Zürich: 17:36
Shabbatausgang in Zürich: 18:42
Shabbateingang in Wien: 17:03
Shabbatausgang in Wien: 18:10
In Ex 24:18 haben wie gelesen, dass Moses 40 Tage und 40 Nächte bei Gott auf dem Berg war und von Gott alle grundsätzlichen Vorschriften erhielt. Danach gab er ihm die zwei Bundestafeln, beschrieben mit seiner göttlichen Schrift. Sie sollten in der Bundeslade, die bereits im Mishkan für sie bereitstand, sorgfältig verwahrt werden.
Dann machte sich Moses wieder auf den langen Weg vom Berg hinab. Heute würde man von einem Kommunikationsfehler sprechen. Die Einladung von Gott an Moses hatte für 40 Tage und 40 Nächte gegolten, Hin- und Rückweg nicht einberechnet. Immerhin ist der Moses Berg (Horeb) im Sinai 2285 m hoch. Wir wissen nicht, wo die Kinder Israels ihr „Basislager“ aufgeschlagen hatten. Wir dürfen auch nicht vergessen, Moses hatte keine praktische Bergsteigerkleidung, keine Schuhe mit griffigen Sohlen. Auch wenn er durch die bereits mehrwöchige Wanderung körperlich fit war, so war er doch nicht mehr der Jüngste. Noch dazu musste er auf dem Rückweg zusätzlich zwei schwere Steintafeln schleppen.
Inzwischen hatte sich im Lager grosse Unruhe ausgebreitet. Die Kinder Israel hatten ihn offensichtlich schon 40 Tage nach seinem Aufbruch erwartet. Nun war er noch nicht da. Drei Monaten nach der Flucht aus Ägypten schien er sie das erste Mal verlassen zu haben. Und sie, die sich an die andauernde Betreuung durch ihn gewöhnt hatten, werden auf einmal Mal Angst bekommen zu haben.
Im Talmud, Traktat Shabbat 89 III steht, dass sich Satan die Unsicherheit der Kinder Israels zunutze gemacht hat, indem er ihnen den Tod Moses‘ vorgaukelte.
Oder war da doch noch etwas anderes im Spiel? Die grosse Frage, die sich hier in diesem Wochenabschnitt stellt, ist, wer sind die, die in Ex 32:4 sagen „Das sind deine Götter Israel, die dich aus Ägypten heraufgeführt haben!“?

In Ex 12:37-38 haben wir gehört, dass zusammen mit den Kindern Israel, die allein schon mehr als 600.000 Menschen waren (Kinder, Frauen und ältere Menschen nicht mitgerechnet!) noch „eine grosse Gruppe“ עֵרֶב רַב, erev rav,[1] mit ihnen zog. Wie gross diese Gruppe war, darüber sind sich die Weisen unklar. Können sie es gewesen sein, die einen schlechten Einfluss auf die Kinder Israels hatten und sie aufforderten, das «Goldene Kalb» zu schaffen? Die zutiefst verunsicherten Kinder Israels waren sicher leicht zu manipulierende Opfer. Vielleicht sind sie dann nach der Fertigstellung feixend dagestanden und haben gerufen „Das sind deine Götter Israel, die dich aus Ägypten heraufgeführt haben!“
Ihnen fehlte ja die Erfahrung, die die Kinder Israel mit Gott gemacht hatten, sie waren erst zu ihnen gestossen, als die dramatische Vorgeschichte, die in der Durchquerung des Schilfmeeres ihren Höhepunkt fand, zu Ende war. Sie waren als Wandergefährten wohl von Moses akzeptiert worden. Aber ihnen fehlte das kollektiv prägende Erleben. Sie waren nicht Teil davon und beobachteten alle neue Entwicklungen quasi als unbeteiligte Aussenstehende.
So können sie das, was sie einfach gewonnen haben, indem sie im Schutz der grossen Menschenmenge selbst sicher wandern konnten, auch leicht wieder ablegen. Statt sich auf einen unsichtbaren Gott zu verlassen, der ihnen ein wenig geheimnisvoll und vielleicht auch gefährlich schien, kehrten sie schnell wieder zurück zu den Götzen, die sie in ihrem Vorleben angebetet hatten.
Das Goldene Kalb ist entstanden aus dem Schmuck, den die Frauen, auf den Befehl Gottes hin, bei den Ägypterinnen eingesammelt hatten (Ex 12:35-36). Gehörte es also zu Gottes Plan, dass dieser Ungehorsam, dieser Abfall vom noch jungen Glauben Teil einer vorbestimmten Entwicklung sein soll?
Natürlich hatte Gott diese Entwicklung bereits vorhergesehen. Er warnt Moses: „Dein Volk, das du aus Ägypten herausgeführt hast, läuft ins Verderben.“ Ex 32:7 und bezeichnet es als „schwerfälliges Volk“, als עַם-קְשֵׁה am kashe – ein Vorwurf, den wir uns in den Schriften immer wieder anhören müssen. Gleich dreimal noch in diesem Wochenabschnitt Ex 33:3, 33:5 und 34:9.
Moses muss bei seiner Rückkehr das volle Ausmass des Geschehens erkennen und zerstört voller Wut die göttlichen Gesetzestafeln, aber auch das Goldene Kalb.
Gott gibt den Kindern Israel eine zweite Chance. Moses muss zwei neue Tafeln zurechthauen und noch einmal schreibt Gott seine Worte, die Grundlagen des Bundes mit den Kindern Israel.
Shabbat Shalom
[1] Heute werden von den extrem rechten und extrem religiösen Feinden unserer Regierung diese als üble Beschimpfung als «erev rav» bezeichnet, die keinem der 12 Stämme Israels angehören. Eine infame Beleidigung!
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