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24./25. Adar I 5782 25./26. Februar 2022
Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden) 16:54
Shabbatausgang in Jerusalem: 18:11
Shabbateingang in Zürich: 17:47
Shabbatausgang in Zürich: 18:52
Shabbateingang in Wien: 17:14
Shabbatausgang in Wien: 18:20

Dieser Wochenabschnitt beginnt damit, dass Moses sein Volk um sich schart. Er erinnert noch einmal daran, dass der siebte Tag jeder Woche, der Shabbat, der wöchentliche Ruhetag ist, an dem man sich jeglicher Arbeit enthalten muss. Und er fügt noch eine neue Vorschrift hinzu, die bis heute stark auf unser Leben einwirkt. „Ihr werdet kein Feuer entzünden“ לֹא-תְבַעֲרוּ אֵשׁ (Ex 35:3) Die grammatikalische Form des Futurs ist hier der Befehlsform gleichzusetzen.
Kein Feuer machen, was bedeutet dies? Der Funke, der das Feuer erst auslöst, gilt im übertragenen Sinne auch als der „Funke, der Neues schafft“. Damit steht jeder kreativen Tätigkeit am Shabbat und an den meisten unserer Feiertage dieses Verbot gegenüber. Lesen dürfen wir, aber nicht schreiben. Natürlich dürfen wir unser Essen heiss, oder zumindest doch eben lauwarm geniessen, aber nicht aufheizen oder gar frisch zubereiten. Wir dürfen den Gottesdienst selbstverständlich mit mehr oder weniger wohltönenden Melodien bereichern, aber wir müssen auf die Begleitung mit einem Instrument verzichten. Wir alle kennen diese Vorschriften zur Genüge. Um sie zu umgehen, haben Menschen immer wieder Methoden und Hilfsmittel ausgetüftelt, wie man sie umgehen kann.
Denken wir nur an die allgegenwärtigen Shabbatuhren, die Teewasser aufheizen, Klimaanlagen einschalten und die Beleuchtung in der Wohnung regeln. Oder natürlich auch die Shabbatlifte, die uns problemlos von Etage zu Etage befördern. Ohne sie wäre ein Aufenthalt in einem mehrstöckigen Hotel gar nicht möglich und die Tourismusindustrie hätte ein Problem.
Auffallend ist, dass dieses spezielle Shabbatgesetz offensichtlich nicht für den Mischkan oder später für den Tempel gilt.
Bei allen Bemühungen, sich strikt an die Shabbatgesetze zu halten, muss man sich aber trotzdem eine Frage stellen. Bei allen Versuchen, den auslösenden Funken zu automatisieren, ist es tatsächlich so, dass daran kein Mensch beteiligt ist? Sitzt nicht bei jedem Stromversorger zumindest ein diensthabender Mitarbeiter, der dafür sorgt, dass unsere Shabbatuhren und – lifte keinen Unterbruch erleiden? Wir sollten einmal darüber nachdenken.
In Ex 37:7-9 lesen wir, ebenso wie schon vorher in Ex 25:17-20, von einem künstlerischen Highlight in der Thora. Aus der Deckplatte der Bundeslade, in welcher die zwei Gesetzestafeln aufbewahrt werden sollen, arbeitete der Künstler mit Namen Bezalel zwei Cherubim heraus.
Erstmals trafen wir die Cherubim als Wächter über das Paradies (Gen 3:24). Sie stehen dort, seit Adam und Eva daraus vertrieben wurden. Heute lernen wir ein neues Paar kennen. Sie hielten ihre Flügel schützend über die Bundeslade, die Köpfe einander zugewandt. Zwischen ihnen, geschützt durch die ausgebreiteten Flügel soll der rabbinischen Tradition entsprechend, die Schechina, also die Präsenz Gottes gewohnt haben.
Wir wissen nicht viel von ihnen, nur, dass sie Köpfe mit Gesichtern haben und Flügel. Ob sie über einen Körper, Arme oder Beine verfügten, wird uns nicht offenbart. Vielleicht sind sie aber auch das personifizierte Abbild eines Gefühls.
Denn an einer anderen Stelle treffen wir sie auf der Baustelle zum ersten Tempel Salomons. Im 2. Buch der Chroniken, 3:10-13 finden wir eine ähnliche Beschreibung, jedoch mit einem massgeblichen Unterschied. Hier sind ihre Gesichter voneinander abgewandt. Sollten die Cherubim etwa Spiegelbilder unserer Gefühle sein?
In dieser Woche sehen wir, sie schauen sich an. Nach der grossen Unsicherheit, ja mehr noch, nachdem die Kinder Israel sich von Gott gelöst und das „Goldene Kalb“ gebaut hatten, konnte Moses sie wieder um sich scharen und vereinen. וַיַּקְהֵל מֹשֶׁה , «Moses versammelte sie», so beginnt dieser Wochenabschnitt. Die Kinder Israel sind zufrieden mit ihrem derzeitigen Leben, voll Vertrauen in die Zukunft.
Das zweite Bild stammt aus einer Zeit, in der wiederum grosse Unsicherheit über die Zukunft des Volkes Israel herrschte. Der Tempel wurde 951 BCE geweiht und 586 BCE durch die Babylonier zerstört. Es folgten einige Jahrzehnte des Exils in Babylon. 515 BCE wurde der zweite Tempel eingeweiht, aber, die Bundeslade und damit auch die Cherubim blieben verschollen. Cherubim sind zeit- und raumlos. Sie mögen diese Katastrophe bereits vorhergesehen haben.
An dieser Stelle ist Selbstreflexion nötig. Wir sollten hinterfragen, wo unser Anteil an der Zerstörung des ersten und des zweiten Tempels lag.
Shabbat Shalom
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