26. Adar I 5782
Krieg in der Ukraine:
Nativ (Pfad) ist eine unmittelbar dem Büro des PM unterstellte Behörde, die 1952 vom damaligen PM Ben Gurion, s’’L, gegründet wurde, um Juden, vor allem in Osteuropa, in allen möglichen Bereichen behilflich zu sein. Vor allem bei der Vorbereitung zur Auswanderung aus der Sowjetunion nach Israel. Sie wurde Teil des israelischen Geheimdienstes in Osteuropa. Ab 1961 erhielt sie Unterstützung des CIA, denen sie als Gegenleistung Informationen aus dem Ostblock zukommen liess. Nativ hatte nichts mit dem Mossad zu tun und arbeitete völlig unabhängig.
Nach der Auflösung der Sowjetunion verlor Nativ einen Grossteil seiner Bedeutung. Juden wurden nur noch zweimal in grossem Ausmass evakuiert, als im September 1992 Moslemrebellen Suchumi (Abchasien) und in Duschanbe (Tadschikistan) angriffen. 2000 wurde Nativ dem Mossad angegliedert, gehört aber nach wie vor zum Büro des PM.
Seit Beginn des Krieges in der Ukraine hat sich die Situation dramatisch verändert. Täglich rufen etwa 400 Personen an, um sich über eine mögliche Ausreise nach Israel zu informieren. Bisher wurden schon 160 Ausreisedokumente ausgestellt. Noch gibt es keine konkreten Zahlen, wie viele Flüchtlinge nach Israel kommen werden und wie lange sie bleiben werden.
Das Ministerium für Einwanderung hat das Procedere bei der Einreise vereinfacht, Anträge können online eingereicht werden, die Zahl der Mitarbeiter am Flughafen Ben Gurion wurde verstärkt, um die Papiere unbürokratisch vor Ort zu kontrollieren. Büros der Jewish Agency an den Grenzen zwischen der Ukraine und Polen, Rumänien, Moldavien und Ungarn wurden bereits eingerichtet.
120.000 Menschen sind bereits auf der Flucht, die UNO befürchtet, dass es insgesamt vier Millionen werden könnten.
Der israelische Botschafter in Warschau wird am heutigen Sonntag wieder nach Polen zurückkehren, um Israelis, die aus der Ukraine ausreisen wollen, zu unterstützen. Der Botschafter war aufgrund der lange anhaltenden Uneinigkeiten betreffend des Restitutionsgesetzes aus Warschau abgezogen worden.
Geboren:
1859 wurde in Wien Bertha Pappenheim geboren. Berühmtheit erlangte sie als «Anna O.» die Josef Breuer und Sigmund Freud als Patientin für die «Studien über Hysterie» zur Verfügung stand. (s. 15. Januar)
Bertha wurde als klassische höhere Tochter ihrer Zeit erzogen, sie besuchte, obwohl die Eltern streng orthodox waren, eine katholische Mädchenschule. Das Kalenderjahr der Familie war gegliedert durch die jüdischen Feiertage und die regelmässige Sommerfrische in Bad Ischl.
Die Leopoldstadt, der 2. Wiener Gemeindebezirk in der die Familie lebte, war 1850 nach Wien eingemeindet worden. 1624 hatte Kaiser Ferdinand II die jüdischen Bürger aus der Stadt Wien verbannt und ihnen Gebiete des heutigen 2. Bezirks als Wohngebiet zugewiesen. Der Spitzname «Mazze-Insel» gilt noch bis heute. Teile des 2. Bezirks sind auch heute noch von orthodoxen Juden mit ihren eigenen, kleinen Geschäften und Bethäusern geprägt.
Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Juden der Leopoldstadt arm und stellten den überwiegenden Bevölkerungsteil des Bezirks da. Von 1870 bis 1888 lebte Bertha an der Liechtensteinstr. 2 im 9. Bezirk, dem Alsergrund.
Im Alter von 15 Jahren musste sie die Schule verlassen und musste sich fortan, gemeinsam mit der Mutter, der Haushaltsführung und der Herstellung von Handarbeiten widmen. Für sie eine Qual, sie wollte viel lieber, wie ihr jüngerer Bruder das Gymnasium besuchen.
Im Sommer 1880 entwickelte sie parallel zu einer Erkrankung ihres Vaters Halluzinationen und Angstzustände. Diese Erkrankung führte zur Ausprägung von zahlreichen Symptomen, die zunächst von Dr. Breuer behandelt wurde.
Mit 29 Jahren übersiedelte sie mit ihrer Mutter nach Frankfurt, wo das jüdische Umfeld nicht so orthodox, sondern teils auch sehr liberal geprägt war und sich weltoffener zeigte als in Wien. Kunst und Wissenschaft standen hier gleichberechtigt den sozialen Tätigkeiten gegenüber.
Im Oktober 1902 erhielt sie den Auftrag, nach Galizien zu reisen, um sich dort mit der Problematik des regen Mädchenhandels auseinanderzusetzen, der sich ab 1860 international ausgebreitet hatte. Oft waren die Opfer jüdische Frauen, aus schwierigem sozialem Umfeld und zumeist ohne gültige Papiere, die in die Neue Welt, in die USA; Argentinien und Uruguay verschleppt wurde. Ihnen wurde ein besseres Leben in Aussicht gestellt. Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen veröffentlichte sie regelmässig, wobei auch immer wieder darauf hinwies, dass die Frauenhändler oft gewissenlose Juden, Mitglieder der 1906 gegründeten kriminellen Organisation Zvi Migdal waren.
Kategorien:Aus aller Welt, Timeline
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