Wochenabschnitt: Zaw, Lev. 6:1 – 8:36

ב“ה

15./16. Adar II 5782                                                     18./19. März 2022  

Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)                              17:09

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                          18:26

Shabbateingang in Zürich:                                                                 18:17

Shabbatausgang in Zürich:                                                                19:22

Shabbateingang in Wien:                                                                   17:46

Shabbatausgang in Wien:                                                                  18:52 

Auch in dieser Woche lernen wir wiederum Regeln und Vorschriften, die mit den Opfern im Tempel einhergehen. 

Im ersten Kapitel hören wir gleich zweimal in Lev 6:8 und 6:14 vom „beruhigenden Duft“ der zu Gott aufsteigen soll. Beim ersten Opfer, dem Speiseopfer wird nur Teil des Opfers gänzlich verbannt, während der Rest von Aaron und seinen Söhnen als ungesäuertes Brot ausserhalb des Tempels verspeist werden soll. Beim anschliessend geschilderten Opfer bei der Priesterweihe wird es gänzlich verbrannt. 

Für uns im 3. Jahrtausend lebenden Menschen ist es jedes Jahr aufs Neue eine Herausforderung, diese ersten Kapitel des dritten Buches Mose zu lesen und nicht daran zu verzweifeln. Diese ganzen Vorschriften, die besonders mit den rituellen Tieropfern, aber auch die, die mit pflanzlichen Opfern zu tun haben, scheinen uns so archaisch, so aus der heutigen Welt gefallen zu sein.  

Seit der Zerstörung des zweiten Tempels im Jahr 70 CE haben Gebete und Gottesdienste, sowie das gemeinsame Lernen die Tempelopfer ersetzt. 

Für wen sind Gebote, die im Zusammenhang mit den tatsächlichen Tempelopfern zu tun haben heute noch relevant?

Drängt sich nicht jedesmal, wenn wir über die Tieropfer lesen, der Gedanke auf, dass in Jerusalem, in den engen Gässchen der kleinen Stadt um den Tempelberg herum furchtbar gestunken haben muss? Die Priester mussten dies aushalten. Tagtäglich, denn es gab immer einen Grund, Sühne zu leisten.


Wie wohl muss es auch ihren Nasen gewesen sein, wenn dann zu besonderen Anlässen, beruhigende Düfte und wohlduftende Kräuter aufsteigen durften.

Das zweite grosse Thema dieses Wochenabschnittes ist das Blut. In Lev 7:26 – 27 lesen wir „Du sollst kein Blut essen, egal, wo du wohnst, weder das Blut von Vögeln noch vom Vieh. Wer aber Blut geniesst, der soll von seinen Stammesgenossen ausgemerzt werden.“

Warum dieses strikte Verbot, das es jüdischen Hausfrauen (und natürlich auch emanzipierten Hausmännern) so schwer macht, Fleisch entsprechend der Halacha zuzubereiten. Ich gebe es zu, wenn ich mein Fleisch in der koscheren Metzgerei gekauft habe, dann ist es für mich essbereit. 

Natürlich wasche ich es nochmals ab und trockne es, bevor es in der Pfanne oder auf dem Grill landet. Wird es gekocht für eine gute Rindfleisch oder Hühnersuppe, dann wird es nur noch gewaschen. Aus Israel kenne ich es aber, dass in haredischen Kreisen jedes Fleisch noch mindestens zweimal gesalzen und dann gewaschen wird, um wirklich jeden, aber auch jeden Blutstropfen aus dem noch rohen Fleisch zu entfernen. So, wie auch jedes rohe Ei noch einmal durchleuchtet wird, ob sich nicht etwa ein Tropfen Blut in das Eiweiss geschmuggelt hat. Ja und was, wenn ja? Streng genommen muss man das Ei dann entsorgen. Ich erinnere mich an die Verknappung mit der Eierversorgung an Pessach im Jahr 2020. Die Eier waren streng rationiert, pro Woche und Haushalt gab es nur mehr 12 Stück! Eine Horrorvision, wenn man zwei davon hätte wegwerfen müssen. Ich überlasse jetzt den Lesern die Phantasie, was die kreative Hausfrau gemacht hat!

Doch was ist nun das Besondere am Blut? Wir Juden kenne drei Formen der Seele, «Neschama»«Nefesh» und «Ruach».[1] Nefesh הַנָּפֶשׁ ist die Kraft, die unser Leben ausmacht und die uns in der Sekunde unseres Todes wieder verlässt. Die jüdische Tradition sieht den Sitz der Nefesh im Blut des Menschen.

Also müssen wir darauf bedacht sein, unsere Seele, unsere Nefesh von der Geburt bis zu unserem Tode zu pflegen.

Shabbat Shalom!


[1] Weitere Ausführungen hierzu im Wochenabschnitt des Jahres 2021



Kategorien:Israel, Religion

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