Wochenabschnitt: Shmini, Lev 9:1-11:47

ב“ה

22./23. ADAR II  5782                                                      25./26.März 2022  

Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)                              18:14

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                          19:31

Shabbateingang in Zürich:                                                                 18:27

Shabbatausgang in Zürich:                                                                19:33

Shabbateingang in Wien:                                                                   17:56

Shabbatausgang in Wien:                                                                  19:02

Noch einmal sind wir dabei, wenn Aaron und seine Söhne ein Opfer darbringen. In diesem Fall ist es das Weiheopfer, das der Hohepriester mit seinen Gehilfen nach den allerstrengsten Vorschriften darbringt. 

Moses kündigt an, dass Gott sich „in der Herrlichkeit des Herrn“ zeigen wird“. (Lev 9:6). Nicht Gott als Gestalt wird sich zeigen. Kein Mensch würde dies überleben. Selbst Moses hatte nur einmal, nachdem Gott an ihm vorübergeschritten war, seinen Rücken gesehen. Und selbst in diesem Moment von grösstmöglicher Unverstelltheit hatte Gott ihn aufgefordert, sich in eine Felsspalte zu stellen und hatte Moses Gesicht mit seiner Hand abgedeckt. (Ex 33:19 – 23) «Wenn ich meine Hand wegnehme, dann wirst du meinen Rücken, aber nicht mein Gesicht sehen.» Die Thora verwendet hier statt des eher gebräuchlichen Begriffs «gaf» גבRücken das weniger gebrauchte Wort «achori» אֶת-אֲחֹרָיHinterseite.

Im Deutschen kennen wir in diesem Zusammenhang den Begriff «Rücksicht nehmen». Schauen wir uns diesen Begriff genauer an, so erkennen wir, dass Rücksicht auf einen anderen, auf seine Bedürfnisse nehmen voraussetzt, dass wir uns selbst ein Stück weit zurücknehmen. Gegenseitige Rücksichtnahme ist Zeichen von hoher Sozialkompetenz und deutlicher Empathie. Dieser «andere» auf den wir Rücksicht nehmen, hat im Hebräischen die gleiche Wurzel wie das Wort Verantwortung, achraijut אַחְרָיוּת.

Zurück zum aktuellen Text. 

Das Weiheopfer ist vollbracht, Aaron segnet das Volk und begibt sich mit Moses in das Innere des Versammlungszeltes. Als sie wieder herauskamen, segneten sie nochmals das Volk und die Herrlichkeit Gottes erschien dem gesamten Volk und liess ihre Gesichter strahlen. Genauso, wie das Gesicht Moses jedes Mal von einem Strahlen erleuchtet war, wenn er unmittelbar mit Gott kommuniziert hatte. Hier wird der Begriff «die Ehre Gottes» כְבוֹד-יְהוָה, kavod adonai gewählt. (Lev 9:23) Heute verwendet die moderne rabbinische Literatur zumeist das Wort «schechina», was so viel heisst, wie «Präsenz Gottes».

Bis hierher ist es ein positiver, nahezu beglückender Text. Doch plötzlich im zweiten Kapitel wird alles ganz anders. 

Die beiden Söhne Aarons, Nadab und Abihu begehen einen fatalen Fehler. Mag es sein, dass sie nicht wussten, was sie damit auslösten, mag sein, dass sie noch ganz im Überschwang des gerade Erlebten waren. Sie brachten ein Opfer dar, dass Gott nicht verlangt hatte und das in seinen Augen einem Götzendienst gleichkam. Sie verbrannten vor den Augen der Gemeinde am göttlichen Feuer. 

Gott scheint ihnen aber nicht gram zu sein, sondern er gibt einen Rat, der nur auf den ersten Blick nichts mit dem schrecklichen Irrtum der jungen Männer zu tun hat. In Lev 10:9 lesen wir «Trinkt keinen Wein und kein stärkeres Getränk, wenn ihr in das Versammlungszelt geht. Sonst müsst ihr sterben.» Zwischen gut und falsch zwischen rein und unrein kann man nur mit einem nüchternen Kopf unterscheiden. Auch heute ist das ein mehr als wohlgemeinter Rat, teils sogar eine Vorschrift. Für viele Berufe, Berufschauffeure, Piloten, Ärzte gilt null Promille, bevor sie mit der Arbeit beginnen. 

Dieser Rat gilt für alle, die temporär die Verantwortung für andere Menschen innehaben. Und das ist im Prinzip jeder von uns. Mal mehr, mal weniger.

Shabbat Shalom!



Kategorien:Israel, Religion

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