13. Nissan 5782
Kultur:
1783 wird zwei Jahren nach dem Tod von Gotthold Ephraim Lessing «Nathan der Weise» in Berlin uraufgeführt.
Die Handlung spielt in Jerusalem während des dritten Kreuzzuges (1189 bis 1192). Nathan, die Hauptperson des Stückes, steht für Humanität, Toleranz und Religionsfreiheit. Lessing, der als einer der bedeutendsten Schriftsteller der Aufklärung gilt, versöhnt in diesem Stück die drei Weltreligionen, symbolisiert durch drei gleiche Ringe miteinander.
Die Handlung an sich ist nicht sehr tiefgreifend. Vertreter der drei Religionen lehnen den Kontakt miteinander aus nichtigen Gründen ab. Dennoch soll Nathan die Frage beantworten, welche der drei Religionen die wahre sei. Ausgerechnet der Sultan stellt ihm die Frage. Gefällt ihm die Antwort nicht, so kann das Natan das Leben kosten. So greift Nathan auf eine alte Geschichte, die Ringparabel zurück.
Ein Vater, der drei gleichermassen geliebte Söhne hatte, besass nur einen Ring. Dieser sollte, so wollte es dir Familientradition, an den liebsten Sohn vererbt werden. Der Vater wusste sich keinen Rat als den, zwei idente Duplikate anfertigen zu lassen. Sodass nun jeder der Söhne einen gleichen Ring besass. Das war gut, solange der Vater lebte. Nach dessen Tod allerdings stritten die drei, welches der echte Ring sei und brachten diese Frage vor das Gericht. Der Richter allerdings weigerte sich, einen für ihn unmöglichen Entscheid zu treffen. Er forderte die Söhne auf, in jedem Ring den Wahren zu sehen, denn jeder von ihnen stehe für die gleiche Liebe des Vaters für seine Söhne. Und, so sein abschliessender Spruch, das sei auch so bei den drei grossen Religionen.
Lessing hat die Parabel wunderbar eingewoben in die Familiengeschichte seines Stückes. Am Ende stellt sich heraus, dass der christliche Ordensritter und die Pflegetochter Nathans, wie verschiedene Dokumente bezeugen, Neffe und Nichte des moslemischen Sultans Saladin sind.
Alle drei Weltreligionen sind in einer Familie vertreten und somit untrennbar miteinander verbunden. Jede Religion hat ihre Existenzberechtigung und keine ist den anderen überlegen.
Gestorben:
1917 verstarb in Warschau Ludwik Lejzer Zamenhof , auch Eliezer Levi Samenhof, geboren 15. Dezember 1859 in Bialystok. In Esperanto, der Sprache, für deren Entstehung er verantwortlich ist, nannte er sich Ludoviko Lazaro Zamenhof.
Bialystok lag damals im sogenannten Kongresspolen, welches vom russischen Reich annektiert war. Der Name leitet sich vom Wiener Kongress her, als dessen Folge 1815 die konstitutionelle Monarchie in Polen, allerdings unter dem Protektorat Russlands wieder hergestellt wurde.
Dies ist bedeutsam für die nationale Identität Zamenhofs, der sich zwar als «Sohn Polens» aber nicht als Pole fühlte. Er verstand sich als «russländischer Hebräer», der seine jüdische Nationalität nicht verbarg. Mit dem Vater sprach er Russisch, mit der Mutter Jiddisch. Er war so begeistert von der jiddischen Sprache, dass er sogar ein eigenes Grammatikbuch für diese Sprache verfasste.
Nach der Grundschule in Bialystok besuchte er das Gymnasium in Warschau. Anschliessend studierte er Medizin, zunächst in Moskau und später, als die antisemitischen Vorfälle in Moskau zu sehr ausuferten, in Warschau. Zum Facharzt der Augenheilkunde allerdings promovierte er später in Wien.
Obwohl er in seiner Jugend glühender Zionist war, erkannte er um 1885, dass die Errichtung einer jüdischen Heimstätte in Palästina, wie sie Theodor Herzl vorschwebte, zumindest zu diesem Zeitpunkt illusorisch sei. Die hebräische Sprache, so war seine Überzeugung, sei eine tote, nur für Gebete geeignete Sprache. Und überhaupt, Palästina sei zu klein, alle Juden aufzunehmen. Sein Traum war eine Welt, in der es keine sprachlichen, kulturellen und religiösen Barrieren gäbe.
Zamenhof war ein Sprachgenie. Neben Russisch, Jiddisch, Polnisch, Deutsch und Französisch dürfte er noch umfassende Kenntnisse in Griechisch, Latein und Englisch gehabt haben. In späteren Jahren hat er die Thora vom Hebräischen in die neue Sprache Esperanto übersetzt.
Ab 1878 beschäftigte er sich intensiv mit einer leicht zu erlernenden Sprache, die er zunächst Lingwe Uniwersale nannte. Um 1885 war der erste gesamte Entwurf dieser Sprache fertig, die er zunächst unter dem Decknamen «Dr. Esperanto» veröffentlichte.
Drei Ziele sollte die neue Sprache erfüllen:
Sie muss sehr leicht zu erlernen sein, nur eine der von jedem Schüler verhassten Deklinationen und keine Konjugationen haben, die Schreibweise ist phonetisch, nur wenige grammatikalischen Vorschriften. Alle hatten auf insgesamt nur 40 Seiten im A5 Format Platz!
Glück im Unglück:
2022 Zwei Mädchen im Alter von 6 und 13 Jahren entfernten sich bei einer Wanderung in der Negev Wüste von ihren Eltern und erkundeten eigenständig die Umgebung. Dabei verliessen sie den markierten Wanderweg. Ihr Vater entdeckte, dass sie möglicherweise in ein Minenfeld geraten waren, und forderte sie dringend auf, sich nicht von der Stelle zu bewegen.
Nach zwei Stunden ohne Wasser wurden sie von Rettungskräften vorsichtig aus dem gefährlichen Gebiet evakuiert. Das Angebot, ihnen mit einer Drohne Wasser bringen zu lassen, lehnten die Eltern aus Angst, sie könnten eine falsche Bewegung machen, ab.
Ob der verpflichtend vorgeschriebene Warnzaun entfernt worden war, oder ob er «nur» niedergetrampelt war, muss noch geklärt werden.
Die Sicherheitskräfte fordern alle Wanderer nochmals auf, sich nicht von den markierten Wegen zu entfernen und ihnen bei längeren Wanderungen die Route und die geplante Ankunftszeit am Zielort bekannt zu geben.
Kategorien:Aus aller Welt, Israel, Timeline
Hinterlasse einen Kommentar