Was geschah am 9. Juni?

10. Siwan 5782

Geschichte: 

2015 promovierte Ingeborg Rappaport, geboren 1912 in Kamerun, gestorben 2017 in Berlin. Nachdem ihr das Rigorosum im Jahr 1938 als «jüdischer Mischling» verwehrt wurde, bestand sie darauf ihre Prüfung zum Thema Diphtherie Forschung in vollem Umfang, d.h. auf dem Wissensstand von 2015 abzulegen. Das Angebot der Prüfungskommission, ihr den Dr. honoris causa ohne Ablegen einer Prüfung zu verleihen, lehnte sie ab. Somit war sie im Alter von 102 Jahren die älteste Person, die jemals das Promotionsverfahren abgeschlossen hatte. 

Als Gesamtnote wurde ihr ein «Magna cum Laude» zuerkannt. 

Nach dem Besuch des privaten Heilwig Lyzeums in Hamburg studierte sie Medizin und schloss das Studium 1937 ab, um anschliessend als Assistenzärztin am Israelitischen Krankenhaus Hamburg zu arbeiten. Ihre schriftlichen Prüfungsarbeiten musste sie auf speziellem Papier, welches mit einem gelben Rand versehen war, schreiben. 

1938 emigrierte sie in die USA, wo ihr Staatsexamen nicht anerkannt wurde. Durch den Erhalt eines Stipendiums gelang es ihr, die Anstellungsbedingungen nachträglich zu erfüllen. Während ihrer Ausbildungszeit arbeitete sie in Brooklyn und Aikron, Ohio wo sie schliesslich auch den «Medical Doctor» erwarb und spezialisierte sich auf das Fachgebiet Pädiatrie. 

Nachdem ihr Mann aus politischen Gründen nach einem Kongressbesuch in der Schweiz nicht in die USA zurückkehrte, kehrte auch sie mit den Kindern nach Europa zurück. Auf Grund ihrer politischen Einstellung als Antizionistin lehnte sie eine Einladung an das Weizman Institut ab. Die Universität Wien lehnte eine Anstellung ihres Mannes, Mitja, nach Intervention durch den CIA ab. 

1952 zog die Familie in die DDR, deren gesellschaftliche und politische Haltung sie zeitlebens verteidigte. Mitja wurde zu einem der bekanntesten Biochemiker des Landes. Ingeborg arbeitete als Fachärztin für Kinderheilkunde am Hufeland-Krankenhaus und habilitierte sich 1959.

Bis zu ihrer Emeritierung im Jahr 1973 arbeitete sie an der Kinderklinik der Charité, 1964 als Professorin und ab 1969 als Inhaberin des ersten europäischen Lehrstuhls für Neonatologie. 

Politik:

1986 nach der Wahl des österreichischen Bundespräsidenten Kurt Waldheim verlässt der Botschafter Israels Österreich und bleibt bis zum Ende des Amtszeit Waldheims im Jahr 1992 in Israel. 

Nach seiner Matura meldete er sich 1936 freiwillig zum Bundesheer und wurde als Reserveoffizier der Kavallerie ausgebildet. 1938 wurde er von der deutschen Wehrmacht einberufen und trat der SA Reiterstandarte bei. Diese Mitgliedschaft bestritt er, ebenso wie die beim Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes, nach dem Bekanntwerden 1986. 

Zwischen 1942 und 1945 nahm er aktiv an verschiedenen Feldzügen teils gegen Frankreich und teils auf dem Balkan teil.

Waldheim verschwieg seine Teilnahme und auch sein Wissen um Nazi Kriegsverbrechen in seinen Biografien und lehne auch jegliche Teilnahme an diesen ab. Die Informationen rund um die Kandidatur belegten immer mehr Ungereimtheiten, Auslassungen und Verfälschungen in der Biografie des Präsidentschaftskandidaten, der aber an seiner Version festhielt. 

Wenn er kleine Informationen zugab, so immer mit dem Hinweis, er habe «nur mitgemacht, um seine Familie zu schützen». Waldheim benannte die Aufklärungsarbeit um seine Zeit während der Zeit der Nationalsozialisten als «breit angelegte Verleumdungskampagne». Ähnlich wie Eichmann in Jerusalem stellte auch er fest, «er habe nichts anderes getan, als Befehlen zu gehorchen und damit dasselbe wie Tausende andere Österreicher».

Während der Amtszeit Waldheims blieb Österreich international weitgehend isoliert. Der damalige Bundeskanzler Kurt Sinowatz, ein Gegner Waldheims, trat am Tag nach der Wahl Waldheims zurück und sprach sich dafür aus, dass Franz Vranitzky sein Nachfolger im Amt wurde.

Nach dem ersten Wahlgang, aus dem Waldheim nicht als Sieger hervorging, sagte er im ORF Mittagsmagazin «Wir nehmen zur Kenntnis, dass nicht er (Waldheim) in der SA war, sondern nur sein Pferd».



Kategorien:Aus aller Welt, Israel, Timeline

Hinterlasse einen Kommentar