Was geschah am 10. Juli?

11. Tamus 5782

Wahlen 2022:

Wie sagte Winston Churchill einmal zum Thema Wahlen? «Sie sind die schlechteste Art, um die öffentliche Meinung zu erkunden.» Offensichtlich stand er mit ihnen ebenso auf dem Kriegsfuss, wie mit der Demokratie. Aber na ja, in einer Demokratie gibt es Wahlen und es gibt Wahlumfragen. Von rechts, von links und als neutral gewertet. Und keine von ihnen stimmt. In der Regel weichen sie noch am Wahltag selbst dramatisch vom erreichten Ergebnis ab. 

Jetzt werden sie uns jeden Tag überfluten. Es gibt schon die erste, die sich als allwissend sieht. Dreizehn Parteien, die in der derzeitigen Knesset vertreten sind, werden eingeschätzt. Meretz wird es demnach nicht schaffen, Yamina, gerade in die Hände von Innenministerin Shaked übergeben, wird es mit Ach und Krach schaffen. Likud wird der grosse Sieger, Lapid weit abgeschlagen, aber stabiler Zweiter und dann kommt lange nichts….

Es gibt die Umfragen von Instituten, Zeitungen und TV-Sendern, schnell, unbürokratisch und vor allem kostenlos. Und es gibt die von den Parteien selbst, ausgeklügelte Systeme, die nur jene befragen, die wahrscheinlich für sie stimmen werden. ES ist leider eine Tatsache, dass rechtsextreme Parteien ihre Wähler manipulieren. Wir haben das selbst erlebt. 

Israel ist das Land der Wahlblöcke. Deshalb bemüht sich jede Umfrage sofort vom Ergebnis der einzelnen Partei auf das Ergebnis des jeweiligen Blocks abzuschwenken. Und dann die «was wäre, wenn» Spiele zu starten. Derzeit steht Yamina im Zentrum dieses Spiels. Je nachdem, ob Netanyahu Shaked umgarnen kann oder nicht, bekäme sein Block zwischen 58.7 und 62.9 Sitze. Im ersten Fall zu wenig und im zweiten Fall ausreichend, um eine Regierung zu bilden. Ob allerdings der Yamina Wähler bei dem Spiel mitmacht, steht auf einem ganz anderen Blatt. Vielleicht strafen diese sie auch ab und dann zieht sie erst gar nicht in die Knesset ein.

Netanyahu muss sich darüber im Klaren sein, es stehen noch viel zu viele Unbekannte auf dem Wahlspielfeld!

2022 Verteidigungsminister Benny Gantz und Justiz Minister Sa’ar haben beschlossen, bei den kommenden Wahlen gemeinsam aufzutreten. Benny Gantz würde die Parteispitze übernehmen und Gideon Sa’ar als Zweiter auf der Liste antreten. 

Offen ist noch, ob auch Religionsminister Matan Kahana, derzeit Yamina, der neuen Plattform beitreten wird. Damit würde sich die Chance von Yamina deutlich verringern, den Einzug in die Knesset zu schaffen. 

Ebenfalls noch unklar ist, ob der ehemalige IDF Chef, Gadi Eizenkot, dazu stossen wird. In dem Fall würde er nach Benny Gantz auf den zweiten Platz gereiht werden und Gideon Sa’ar auf den dritten Platz verweisen. 

Sport:

2019/2022 Vor drei Jahren war es ihm von seiner Regierung verboten worden, gegen den Israeli Sagi Muki anzutreten. Er floh daraufhin aus dem Iran, kämpft jetzt für Azerbaijan und stand ihm nun erstmals in einem Kampf gegenüber. Die Rede ist vom Judoka Saeid Mollaei. 

Die beiden Männer, die in den letzten Jahren zu Freunden wurden, trafen in Budapest aufeinander. In der dritten Runde des Grand Slam siegte Muki, indem er ihn ausser Gefecht setzte. Selten hat man wohl nach einem Kampf eine so herzliche Umarmung der beiden Sportler gesehen! Muki schrieb auf seinem Instagram account «Das ist ein Sieg des Sports über die Politik. Die Kombination aus Sport und Freundschaft hat für uns alle Trennungen überbrückt.»

Naturschutz:

2022 Die steigende Bevölkerungszahl und die Verstädterung führen in Israel dazu, dass in jedem Jahr grosse Flächen an naturbelassenen Gebieten verloren gehen. 

Neben den neu bebauten Gebieten fallen andere Waldbränden zum Opfer, die von Jahr zu Jahr vermehrt auftreten. Dazu kommen Luftverunreinigungen, die das sensible Oekosystem und die Biodiversität nachhaltig stören. Andererseits werden die Naturschutzgebiete wo immer möglich, stark vergrössert. 

Das Steinhardt Museum der Natur in Tel Aviv  veröffentlicht regelmässig zusammen mit dem Ministerium für Umweltschutz, dem Jewish National Fund und der Natur und Park Behörde  die aktuellen Veränderungen. Zwischen 2017 und 2020 wurden etwa 30 km neu als Bauland klassifiziert. Ein Gebiet ungefähr in der Grösse von Zichron Ya’acov oder Caesarea.

Auffallend ist auch, dass sich das Klima in Israel dramatisch verändert. Die durchschnittlichen Temperaturen steigen deutlich höher als im globalen Vergleich, es wird trockener. Dieser Trend kann auch am Verhalten der Zugvögel abgelesen werden, die ihre Migrationszeiten verändert haben und ihre Zwischenstopps in Israel deutlich verkürzt haben. 

Diplomatie:

1974/ 2022 Präsident Nixon war er erste US-Präsident, der nach Israel reiste. In der kommenden Woche steht der Besuch von US-Präsident Biden bevor. Im Laufe seiner Amtszeit reist jeder Präsident ein- oder maximal zweimal nach Israel. Biden war schon einige Male hier, zuletzt als Vizepräsident. 

Seine Entourage inklusive von «The Beast» und zehn weiteren gepanzerten Limousinen sind schon gelandet. Zwei Helikopter und sechs Black Hawks stehen schon auf einem speziell gesicherten Feld am Flughafen. Die Sicherheitskräfte beider Länder bereiten sich auf einen minutiös geplanten Ablauf vor. Auch in Judäa und Samaria wird alles vorbereitet, damit es zu keinen Zwischenfällen während des Besuches bei PA Präs. Abbas kommt. 

Der normale Israeli wird froh sein, wenn der Besuch wieder vorbei ist, in Jerusalem wird es in den Tagen kein Durchkommen geben, einige Tagen werden ganz, andere nur für Stunden gesperrt. 

Auf dem Programm stehen Treffen mit PM Lapid, seinem meistgeschätzten Staatschef, aber auch mit MK Netanyahu, dem Oppositionschef. Zu ihm hatte Biden, ebenso wie sein ehemaliger Chef, Präs. Obama, nie einen guten Kontakt gefunden. Aber, er will sich nicht nachsagen lassen, den israelischen Wahlkampf zu beeinflussen. Er wird eine Iron Dome Batterie besuchen, in Yad VaShem einen Kranz niederlegen und ein Zoom meeting mit PM Lapid, dem indischen PM Modi und dem VAE Präsidenten bin Zayed abhalten. 

Als erster US-Präs. Wird er in Ost Jerusalem ein Krankenhaus besuchen und dann nach Ramallah reisen. Von dort aus geht es nach Jeddah um an der GCC+3 Konferenz teilzunehmen. 

Ein volles Programm. Schon jüngere Politiker hätten damit Probleme gehabt. Nicht so der willensstarke Präs. Biden!



Kategorien:Aus aller Welt, Israel, Timeline

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