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16./17. Tammus 5782 15./16. Juli 2022
Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden) 19:06
Shabbatausgang in Jerusalem: 20:27
Shabbateingang in Zürich: 21:01
Shabbatausgang in Zürich: 22:16
Shabbateingang in Wien: 20:33
Shabbatausgang in Wien: 21:50

Dummer Esel? Diese diffamierende Zuschreibung müssen wir dringend überdenken. Wir erfahren in diesem Wochenabschnitt, dass die Eselstute von Bileam, dem bekanntesten Seher seiner Zeit, hellsichtiger ist. Vielleicht hat einer meiner Leser noch in der Schule eine Eselskappe verpasst bekommen. Damals die wohl die grösste Demütigung, die pädagogisch ungebildete Lehrer einem Kind antun konnten.
Balak, der König von Moab, bekommt es mit der Angst zu tun. An den Landesgrenzen zieht die unüberschaubare Schar der Israeliten auf. Auf ihrem Weg von Ägypten herauf hatten sie schon manche Schlacht geschlagen und alle für sich entschieden. Als König hat Balak die Pflicht, seinen Staat und sein Volk zu schützen und vor Ungemach zu bewahren. Damals gab es noch keinen Eid, wie ihn heute die Staatschefs ablegen müssen. Doch trotzdem waren auch die damaligen Clanchefs, Könige und Kaiser dem Wohlergehen der Bürger verpflichtet.
Balak sah sich überfordert und rief Bileam zu Hilfe, selbstverständlich bot er ihm eine gute Entlohnung, denn Bileam musste von weit her kommen. Balak hatte einen klaren Auftrag an Bileam. Der solle die Israeliten verfluchen. Auf die Kraft dieses Fluches baute der verzweifelte König. Er allein wäre stark genug, ihn in einem möglichen Kampf siegreich sein zu lassen. (Num 22:6).
Bileam aber entpuppt sich als Mann, der auf Gott vertraut, mehr noch, als Prophet. Balak hat, so wird sich bald zeigen auf das falsche Pferd, oder besser noch, auf den falschen Esel gesetzt!
Bileam lädt die Boten Balaks ein, bei ihm zu bleiben, er hofft auf eine Anweisung Gottes, wie er sich verhalten soll. Gott fordert ihn auf, nicht zu Balak zu reisen, die Israeliten nicht zu verfluchen, denn sie seien geheiligt. (Num 22:12). Balak startet einen zweiten Versuch, er stellt ihm einen höheren Lohn in Aussicht. Wieder fordert Bileam die Boten auf, zu bleiben und auf Gottes Anweisung zu warten. Diesmal rät ihm Gott, mit den Männern zu gehen, aber nur das zu tun, war er ihm unterwegs befiehlt zu tun. (Num 22:20)
Die kommenden Verse sind unverständlich. Obwohl Bileam doch genau das tut, was Gott ihm befohlen hat, wird er zornig. Er postierte einen Engel – für Bileam unsichtbar – auf dem Weg, um ihn am Weiterreiten zu hindern. Die Eselin erkennt das Hindernis und weicht ihm instinktiv aus. Mit dem Hieb seiner Gerte zwingt Bileam sie wieder auf den Weg zurück. Dreimal wiederholt sich die Begegnung, dann bricht die Eselin in die Knie. Gott spricht durch das Maul des geschundenen Tieres und möchte den Grund für diese Misshandlung erfahren, da es sich keiner Schuld oder Illoyalität bewusst ist.
Bileam erkennt nun, dass Gott ihm den Engel gesandt hat, um ihn am Weitergehen zu hindern und dass er den Weg ins Verderben, dem er blind gefolgt ist, nicht erkannte. Gott befiehlt ihm nochmals weiterzugehen, aber nur seine Worte weiterzugeben. Dadurch gestärkt trat Bileam auf Balak zu.
Am kommenden Tag geschieht das grosse Wunder, aus dem Fluch, den er über das Volk Israel spricht, wird ein Segensspruch. Balak will noch nicht einsehen, dass sein Plan gescheitert ist. Am kommenden Tag ist es wieder ein Segensspruch, den Gott ihn sprechen lässt. Und noch ein drittes Mal versucht Balak, Bileam dazu zu bringen, das Volk Israel zu verfluchen. Doch was geschieht? Der Fluch wird wiederum zum Segen, Bileam drückt seine Ehrfurcht vor Gott und dem Mischkan aus. Wer kennt nicht das wunderschöne Lied, das mit der ersten Zeile des Segensspruches beginnt?
מַה טּוֹבוּ אֹהָלֶיךָ יַעֲקֹב מִשְׁכְּנֹתֶיךָ יִשְׂרָאֵל „Wie schön sind deine Zelte, Jakob, und deine Wohnungen, Israel![1]
Bileam hat alle Fehler wieder gut gemacht, stolz kann er Balak gegenübertreten und ihm sein trauriges Schicksal vorhersagen.
Was lernen wir aus dieser eindringlichen Geschichte?
Bileam sieht sich selbst als Mann, der an Gott glaubt und gerne dessen wünsche und Befehle erfüllen wird. Aber es mangelt ihm an Demut, an der Erkenntnis, dass er eben doch nicht alles a priori so perfekt versteht. Es war der Instinkt des Tieres, das die möglichen Fehltritte vorher
ahnte und mit sicherem Gespür versuchte, den hochintellektuellen Bileam «nicht abstürzen» zu lassen.
Wir sprechen oft von unserem «Bauchgefühl» und werden oft dafür verlacht, wenn wir uns darauf verlassen.
Verlassen wir uns doch immer wieder auf unser Gefühl, auf den sechsten Sinn, auch auf das Kind in uns. Manchmal ist eben doch weniger Kopfarbeit und mehr Gefühl gefragt. Lassen wir das doch zu!
Shabbat Shalom
[1] Gesungen von Kantor Danny Maseng anlässlich der Verleihung des Abraham Geiger Preises an SKH Prinz Hassan bin Talal von Jordanien in Potsdam im März 2008.
Kategorien:Israel
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