Was geschah am 18. Juli?

19. Tammus 5782

Geschichte:

597 BCE eroberte der babylonische König Nebukadnezar II. Jerusalem. Mit der Zerstörung des Salomonischen Tempels im Jahr 586 BCE begann die erste Exilzeit des jüdischen Volkes in Babylon. Diese dauerte bis zum Jahr 539 BCE, das Jahr, in welchem Babylon durch den Perserkönig Kyros II erobert wurde.

Bereits im Jahr 598 BCE hatte Nebukadnezar die Gebiete von Syrien und Palästina erobert, im Jahr 597 erfolgte die Einnahme von Jerusalem. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Stadt aber nicht zerstört. Nebukadnezar setzte den amtierenden König Jojachin ab und ersetzte ihn durch Zedekia, den er einen Treueeid schwören liess. Als Zedakia im Jahr 586 versuchte, gegen die Babylonier zu putschen, wurde die Stadt nach einer zweiten Eroberung völlig zerstört.

Die Juden führten im babylonischen Exil ein relativ freies und angenehmes Leben. Sie konnten Handel betreiben, ihre Studien fortsetzen, Häuser bauen und sogar Sklaven halten. Darüber hinaus hatten sie ihre eigene Verwaltung.

Um ihre Religion weiter ausüben zu können, entstanden die ersten Synagogen. 

Gebildeten Juden gelang es am Hofe des Königs Karriere zu machen und sich völlig zu assimilieren. Nur so ist es zu verstehen, dass längst nicht alle Juden nach dem Ende des Exils wieder in die Heimat zurückkehrten. So entstand im 6. Jahrhundert CE in Babylon der «Talmud Babli».

Der berühmte «Chor der Gefangenen» in der Oper Nabucco von Giuseppe Verdi ist zwar eines seiner wunderbarsten Musikstücke, muss aber als romantisierte Form der Geschichte verstanden werden.

Terror:

1994 fand ein Bombenanschlag auf das zentrale jüdische Gemeindehaus in Buenos Aires statt. 85 Menschen fielen dem Anschlag zum Opfer, weitere 300 wurden verletzt.

Am frühen Morgen explodierte eine etwa 400 kg schwere Bombe in einem Kleinlaster, der von den Terroristen vor das Haus gebracht worden war.

Es gab mehrere vermutete Drahtzieher des Anschlages. Einerseits geriet die Hisbollah ins Blickfeld. So sollte der Anschlag als Rache für die Tötung von Abbas ak-Musawis dienen, dem Vorgänger von Hassan Nasrallah. 

Auch der Iran kam als möglicher Urheber in Betracht, nachdem Argentinien einseitig die Unterstützung des iranischen Atomprogrammes im Jahr 1993 aufgekündigt hatte. Bis dahin hatte das Land seit den 80er-Jahren bis 1993 regelmässig angereichertes Uran in den Iran geliefert.

Das Verfahren gegen Polizisten von Buenos Aires wegen der Beteiligung am Anschlag endete im Jahr 2004 mit einem generellen Freispruch.

Im Jahr 2015 wurde die ehemalige argentinische Präsidentin Christina Kirchner wegen Vereitelung der Strafverfolgung der Hauptverdächtigen angeklagt. Nachdem sie auch nach ihrer Amtszeit einen Sitz im Parlament gewonnen hatte, genoss sie jedoch parlamentarische Immunität. 

Auf Grund von zahlreichen Ungereimtheiten in der Verfolgung und Rechtsprechung wurden die Hintergründe des Terroranschlages nie zur Gänze geklärt. Der Hauptverdächtige und mutmassliche Anführer der Terroristen, der 21 Jahre alter Libanese Ibrahim Hussein Berro konnte nur nach einer umfassenden DNA-Analyse im Jahr 2005 identifiziert werden. 

Der israelische Wilhelm Tell oder Kaiser Nero II.?

Der ehemalige Transportminister MK Israel Katz erhielt anlässlich einer Veranstaltung seiner Partei, dem Likud eine ganz besondere Devotionale um den Hals gehängt. Die Veranstaltung fand in einem Privathaus in Jerusalem statt. Überbringerin war die Likud-Aktivistin Heidi Mozes.

Mozes bewirbt sich in den kommenden Vorwahlen um einen der führenden Listeplätze im Likud. Nach diesem Auftritt wird ihr ganz sicher einer der für MK Netanyahu reservierten Startplätze (für eine Frau, für ein bewährtes Mitglied, für ein Mitglied mit hohem Bekanntheitsgrad…) eingeräumt werden. 

MK Israel Katz wusste, das muss man ihm zugutehalten, gar nicht, was ihm geschah! Er war noch am Essen, als ihm plötzlich eine Kette um den Hals gehängt wurde, die er, ohne sie anzuschauen, sofort wieder abnahm und einer neben sich sitzenden Frau weitergab. Mozes begleitete ihren Überfall mit den Worten «Das ist eine Loyalitätserklärung an unsere Partei. Wir sind stolz darauf, in dieser Partei zu sein, die hervorragende Vertreter und einen zukünftigen wunderbaren PM Benjamin Netanyahu hat».

Was zeigte die Plakette des Anstosses? Das Portrait von MK Netanyahu vor einer israelischen Flagge. So liessen sich die römischen Kaiser und Despoten auf ihren Münzen abbilden.

Während Politiker von links die Münze berechtigterweise kritisierten, liess Mozes, Tochter vom ehemaligen MK Menachem Eliezer Mozes, United Torah Judaism, verlauten «Wenn die Königin von England eine Münze [mit ihrem Gesicht darauf] haben kann, warum sollte Netanjahu das nicht tun?» Mozes lehnte die Idee ab, dass das Medaillon eine Form der Götzenanbetung sei: «Wir sind keine Sekte, wir sind eine Partei.»

Im Jahr 2016 hatte es schon einmal einen ähnlichen Personenkult gegeben, als eine goldene Statue von MK Netanyahu auf dem Rabin Square aufgestellt, und von andersdenkenden Israelis abgerissen wurde.

Die Medaillons sind im Internet für 79–99 NIS (22,8–28,5 $) auf der „Only Bibi.com“-Website erhältlich, die Netanjahus Rückkehr ins Amt des Premierministers unterstützt.

Es ist zu erwarten, dass MK Netanyahu, falls die Israelis ihn wirklich nochmals wählen, auf einen Thron steigen, sich mit dem Lorbeerkranz römischer Götter schmücken und den Untergang der Demokratie besingen wird. Ganz so wie einst Kaiser Nero, der Untergang Roms singend bergrüsste.



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