20. Tammus 5782
Geschichte:
1950 wird der Zentralrat der Juden in Deutschland gegründet. Er stellt die Dachorganisation für die 105 jüdischen Gemeinden in Deutschland dar, denen derzeit etwa 105.000 Mitglieder angehören.
Der Zentralrat gilt als Nachfolger des bereits zwei Monate nach der Befreiung Deutschlands gegründeten Zentralkomitees der befreiten Juden in der amerikanischen Zone. Auch in den anderen Besatzungszonen gab es ähnliche, wenn auch nicht so straff organisierte Organisationen.
Immerhin wurden bereits im Jahr 1945 die ersten 51 jüdischen Gemeinden gegründet, eine Zahl, die rasch anwuchs.
Zunächst bestand die Hauptaufgabe darin, auf eine Gesetzgebung einzuwirken, die die Wiedergutmachung regeln sollte. Erst später kam dazu der Kampf gegen den früh wieder aufflackernden Antisemitismus und die Unterstützung bei der Bemühung um eine Annäherung zwischen der Bundesrepublik und Israel.
1963 wurde aus dem Verein eine Körperschaft öffentlichen Rechts, was sich besonders auf die steuerrechtliche Situation auswirkte.
Einen starken Zuwachs erhielten die Gemeinde nach dem Fall der Mauer im Jahr 1990. Die Zuwanderung durch Juden aus Russland stellte eine besondere Herausforderung dar, da viele der Zuwanderer mit dem Judentum in keinster Weise vertraut waren. Die Zahl der Gemeindemitglieder wuchs spontan auf das Dreifache an, in vielen Gemeinden stellen die zugewanderten Juden heute den Grossteil der Mitglieder.
Gestorben:
1992 verstarb in Berlin Dr. Heinz Galinski, geboren am 28. November 1912 in Marienburg, Westpreussen.
Nach der Matura begann er in Elbin eine Lehre als Textilkaufmann und nahm seine erste Anstellung in Rathenow, unweit von Berlin an. Damit trat er in die Fussstapfen seines Vaters, der ebenfalls Textilkaufmann war.
Ab 1938 bewohnte er eine Wohnung in der Schönhauser Allee am Prenzlauer Berg, bis er 1943 mit seiner Frau und seiner Mutter, die ebenfalls dort lebte, nach Auschwitz deportiert wurde. Bereits ab 1940 hatte er Zwangsarbeit für die Nationalsozialisten leisten müssen, während seiner Zeit in Auschwitz arbeitete er für die I.G. Farben.
Seine Frau und seine Mutter wurden in Auschwitz ermordet, er selbst wurde nach der Räumung von Birkenau in Bergen-Belsen im April 1945 durch die US-Truppen befreit. Galinski blieb in Deutschland und war zwischen 1954 und 1963 der erste Vorsitzende des Zentralrats. Gleichzeitig war er von 1949 bis zu seinem Tod der erste Vorsitzende der neugegründeten Gemeinde in Berlin.
1975 entkam er unverletzt einem Paketbombenanschlag mittels eines direkt an ihn gerichteten Paketes. Als seine Sekretärin das Paket öffnete, fiel ihr ein weiteres mit Watte umhülltes Päckchen auf. Sie übergab es der Polizei, die es mittels einer gezielten Sprengung zerstörte. Die Täter konnten nie festgestellt werden.
Im Jahr 1998 wurden auf sein Grab zwei Sprengstoffanschläge verübt, wobei sein Grabmal nahezu vollständig zerstört wurde.
Einwanderung:
Die meisten Einwanderer möchten sich irgendwo zwischen Haifa und Ashdod ansiedeln, möglichste nahe der Küste, in Orte mit einer perfekt ausgebauten Infrastruktur. Mit Wohnungspreisen, die nahezu unerschwinglich sind und Lebenshaltungskosten, die höher sind als in den meisten anderen OECD Ländern.
Dabei gibt es Gebiete in Israel, die mindestens ebenso reizvoll sind. Und die den Vorteil haben, dass sowohl die Wohnungs- als auch die Lebenshaltungskosten um ein Vielfaches günstiger sind. Es handelt sich hierbei um den relativ dünn besiedelten Negev und Galiläa.
Nun hat die Regierung beschlossen, Einwanderer, vor allem aus dem Gesundheits- und Technikbereich, die sich dort ansiedeln, besonders zu unterstützen.
Mediziner erhalten US$ 14.500 alle anderen US$ 5.800 pro Familie, aufgeteilt auf zwei Zahlungen – bei der Einreise und nach 13 Monaten. Die Berufsfelder sind breit gefächert: Ärzte, Dentisten, Apotheker, medizinische und pharmazeutische Assistenten, Optiker, Ernährungsberater, Physiotherapeuten, Krankenpflegefachleute, Forensiker, Labortechniker……
Man rechnet mit einem Mangel an diesen Fachkräften ab dem Jahr 2026. Daher scheint es den Ministerien wichtig, bereits jetzt entsprechende Vorsorge zu treffen.
Diplomatie:
Der 62 Jahre alte ehemalige Regierungssprecher Steffen Seibert hat seine neue Funktion als Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Israel angetreten. Er folgt damit der bisherigen Botschafterin Susanne Wasum-Rainer, die als Co-Präsidentin zum deutsch-italienischen Dialogzentrum «Villa Vigoni» am Comer See gewechselt hat.
In seinem Begrüssungsvideo, welches er in seinem Twitter account veröffentlichte, sprach er Englisch und Hebräisch.
Deutschland und Israel verbinde nach den «monströsen Verbrechen der Shoa» heute eine besondere Freundschaft. «Wir haben die Lektionen aus unserer Geschichte gelernt. Eine der wichtigsten Lektionen ist, zum Staat Israel zu stehen und dessen Sicherheit verpflichtet zu sein.»
Dass er sich auch in Hebräisch äusserte, hat in der deutschen Botschaft in Tel Aviv Tradition. Seine Vorgängerin war in Hebräisch fliessend.
Kategorien:Aus aller Welt, Israel, Timeline
Hinterlasse einen Kommentar