22. Tammus 5782
Wahlkampf:
Während Oppositionschef MK Netanyahu schon die ersten Tage des gerade angelaufenen Wahlkampfes dazu nutzt, vollmundige Wahlversprechen abzugeben, die er nicht wird einhalten können, kommen von PM Yair Lapid ganz andere Töne.
Er nannte die Herausforderungen, mit denen sich Israel in den kommenden Jahren konfrontiert sehen wird. Hohe Lebenshaltungskosten, die nationale Sicherheit und extreme Strömungen in der israelischen Gesellschaft sind nur einige davon.
«Eine Wahl ist das letzte, was wir brauchen. Aber wenn sie nun kommt, dann ist die Wahl, die die Israelis treffen müssen, nicht die zwischen MK Netanyahu und mir. Es ist vielmehr die Wahl zwischen der Zukunft und der Vergangenheit. Die Wahl zwischen denen, die nur an ihre eigenen Ziele denken, und denen, die an das Positive für den Staat glauben.»
Durch die Wahlplattform zwischen Verteidigungsminister Benny Gantz und Justizminister Gideon Sa’ar wird die Partei von PM Yair Lapid möglicherweise einige Sitze in der Knesset verlieren. Trotzdem hofft PM Yair Lapid darauf, weiterhin die zweitstärkste Partei zu bleiben.
Tourismus:
Was erwarten Touristen von einem Hotel der gehobenen Klasse? Blitzblanke Zimmer, die keinen Wunsch nach Luxus offenlassen, eine moderne Ausstattung, natürlich von weltbekannten Möbeldesignern. Selbstverständlich keinerlei Gebrauchsspuren! Ein modernes Kommunikationsangebot, kostenloses Internet. Spa und Fitnessraum sollten ebenfalls vorhanden sein. Und morgens ein Frühstück, das für jeden Geschmack alles bietet.
Und wo bleibt die Gastronomie? Die ist ein Faktor, der zu vernachlässigen ist. Das Hotelrestaurant dient allenfalls der Nahrungsaufnahme. Diniert und genossen wird in fancy à la carte Restaurants. Es gibt Ausnahmen, natürlich!
Die Küchenchefs in den Hotelrestaurants führen zumeist ein Leben in der Anonymität. Eine der grossen Ausnahmen ist Shalom Kadosh, 74. Der israelische Starkoch wurde im vergangenen Jahr Opfer eines Raubüberfalls und kämpfte tagelang um sein Leben.
Jahrelang kochte er im Hotel Plaza in Jerusalem, weiss Gott kein Hotel der Superklasse! Er wurde eingeladen, in der Residenz des PM zu kochen. Seine Gäste hiessen Aliza und Menachem Begin, sowie Jimmy und Rosaline Carter. Das Essen muss überzeugend gewesen sein, Frau Begin orderte einen grossen Geburtstagskuchen als Überraschung für ihren Mann. Den trug Kadosh mit Kollegen aus seiner Brigade zu Fuss in die Balfour. Es folgten zahlreiche Staatsbankette, das letzte bekannte war das Gala Diner für 41 Staatsoberhäupter bei der Holocaust Konferenz im Jahr 2020.
Und heute? Heute haben Reality Kochshows im TV eine Zahl von «Spitzenköchen» hervorgebracht, deren Bekanntheitsgrad in keinerlei Verhältnis zu deren angeblicher Handwerkskunst steht. Kaum einer von ihnen hat jemals eine Hotelküche von innen gesehen. Kaum einer beherrscht die Komplexität der Kashrutvorschriften.
Schade um den ehrwürdigen und hochspezialisierten Beruf des Koches! Vielleicht sollten wir doch hin und wieder auf chi-chi und puff-puff der fancy Restaurants verzichten und einem der grundsoliden Hotelrestaurants die Ehre geben!
Diplomatie:
Wenn bisher Araber aus dem Gebiet von Judäa und Samaria in die Ferien fliegen oder einen Geschäftstermin im Ausland wahrnehmen wollten, mussten sie über die Allenby Bridge nach Jordanien reisen und von dort aus fliegen.
In den kommenden Tagen werden Flüge der türkischen Pegasus Airline damit beginnen, vom Ramon Flughafen bei Eilat zu starten und nach Istanbul fliegen. Bisher fliegt diese Linie nur von Ben Gurion aus in die Türkei.
Noch sind einige Fragen zu klären, u.a. wie die Einreise nach Israel vor sich gehen wird und ob Shuttle Busse aus den Gebieten unmittelbar bis zum Flughafen fahren dürfen.
Jüdischer Extremismus:
1990/2022 Bereits in den frühen 90-er Jahren nahm die Bar-Ilan Strasse in Jerusalem einen wichtigen Faktor bei den sogenannten «Haredi-Protesten» ein. Diese Verbindungsstrasse zwischen den nördlichen Stadtvierteln der Hauptstadt sollte am Shabbat und an den jüdischen Feiertagen für jeden Verkehr gesperrt werden.
Nach langen Kämpfen gab die Stadtverwaltung nach und ordnete an, die Strasse während der Gebetszeiten zu schliessen. In den letzten Jahren begann der Kampf erneut, diesmal mit noch umfassenderen Forderungen, die Strasse überhaupt für jeden Durchgangsverkehr zu schliessen.
Nun soll eine neue Streckenführung, die «Grüne Linie» des Light Trains genau über diese Strasse führen. Diesmal findet der Kampf allerdings nicht zwischen den haredischen Bewohnern des Viertels und der säkularen Stadtverwaltung statt. Diesmal wird er zwischen der extremistischen haredischen Gruppe «Edah Haredit» und der breiten haredischen Öffentlichkeit geführt. Diese befürwortet die neue Streckenführung durchaus, um die Infrastruktur ihres Quartiers zu verbessern und den Wert ihrer Grundstücke zu steigern. Die Anhänger der «Eda Haredit» Gruppen hingegen lehnen den Plan ab, weil sie Befürchtungen haben, dadurch könnte der religiöse Charakter ihres Stadtviertels nachhaltig gestört werden.
Immer wieder werden die Bauarbeiten von zumeist jungen Männern in den Abendstunden gestört. Mitglieder der extremen Gruppen vergleichen den Light Train mit dem Zug nach Auschwitz, beschimpfen die Bauarbeiter als Nazis und lassen auch schon mal Steine fliegen. Die so entstandenen Schäden belaufen sich schon auf Millionenhöhe.
Kategorien:Aus aller Welt, Israel, Timeline
Hinterlasse einen Kommentar