Was geschah am 29. und 30. Juli?

2. Aw 5782

Geboren:

1889 wurde Else Hirsch in Bützow, Schwerin, geboren. Über ihre Jugend ist nichts bekannt. 1927 kam sie nach Bochum, um dort eine Stelle als Lehrerin an der jüdischen Schule anzunehmen. Gleichzeitig unterrichtete sie Mädchen im jüdischen Frauenverein in der hebräischen Sprache. 

Ab Oktober 1937 unterrichtete sie als Vorbereitung Menschen, die nach Palästina auswandern wollten, in Englisch, nachdem zu der Zeit Palästina unter englischer Herrschaft stand. 

Nach der Reichspogromnacht im November 1938 war die jüdische Volksschule Pflicht für alle Kinder geworden. Else organisiert zehn Kindertransporte in die Niederlande und nach England. Die Schule wurde in Folge des Pogroms geschlossen. Else Hirsch konnte aber durchsetzen, dass sie nochmals eröffnet wurde. Allerdings galt sie dann als Privatschule, die nach einem halben Jahr endgültig geschlossen wurde.

1941 wurde die Schule aufgelöst. Zu der Zeit war sie die einzige noch dort befindliche jüdische Lehrerin. Mit den wenigen noch dort lebenden Kindern wurde sie 1942 in das Ghetto von Riga deportiert und wurde dort Opfer der Shoa. 

Nach Aussagen eines überlebenden Schülers hat sich bis zu ihrem Tod im Ghetto Kinder unterrichtet und für die Verpflegung von bedürftigen Menschen gesorgt.

Else Hirsch zählt zu den bedeutenden Widerstandskämpfern von Bochum.  

Geschichte:

1980 verabschiedet die Knesset das Jerusalemgesetz. Dieses Gesetz besagt, dass «das vereinte Jerusalem in seiner Gesamtheit die Hauptstadt von Israel ist.» 

Dieses Gesetz wurde keinesfalls von allen Parteien unterstützt. Mapam, die damalige Arbeiterpartei und Chadash, die Verbindung sozialistischer Parteien lehnten das Gesetz ab, während die Regierungsparteien der Likud Koalition und die Techjia Partei es unterstützten. Techjia war eine rechtsnationale und nationalreligiöse Partei, die zwischen 1979 und 1992 bestand. 

Seit 1948 hatten zahlreiche kleinere Staaten sowie die Niederlande ihre diplomatischen Vertretungen in Jerusalem. Später wurden aus den Vertretungen oft Botschaften, die sich allerdings im Jahr 1980 zurückzogen, nachdem der UNO-Sicherheitsrat das Gesetz für nichtig erklärt hatte. 

Erst im Jahr 2018, nachdem die USA Jerusalem als Hauptstadt anerkannt hatten, begannen wenige Staaten wieder damit, ihre Botschaften nach Jerusalem zu verlegen. 

Wirtschaftskriminalität:

Ab 1. August ist die Bezahlung von grösseren Beträgen in Bargeld oder per Scheck in Israel verboten. Der Maximalbetrag wird mit NIS 6.000, etwa € 1.500 gedeckelt. Das gab die israelische Steuerbehörde bekannt. 

Der Hintergrund für diese Massnahme ist es, das organisierte Verbrechen im Finanzsektor, Geldwäsche und Steuerhinterziehung zu bekämpfen. Allerdings gilt diese Beschränkung nur im gewerblichen Bereich, Geschäfte zwischen zwei oder mehr Privatpersonen sind mit NIS 15.000 gedeckelt.

Israel sieht darin die Möglichkeit, den Gebrauch von Bargeld noch weiter einzuschränken. Jeder Bankkunde erhält bei der Kontoeröffnung eine «Bankkarte», die als Zahlungsmittel eingesetzt werden kann und mit der man auch Bargeld im limitierten Umfang aus einem Automaten beziehen kann. Grundsätzlich können heute Zahlungen ab NIS 20 (!) mit der Karte bezahlt werden. Oder auch Kreditraten eingeräumt werden, die entgegen dem Gesetz erst einige Monate nach dem Kauf zur Zahlung fällig werden. 

Tatsächlich besitzen derzeit mehr als eine Million Erwachsene in Israel kein Bankkonto, sie werden durch dieses Gesetz in eine Grauzone zur Kriminalität gedrängt. 

Und wie immer gibt es auch Ausnahmen. So dürfen Wohlfahrtsorganisationen, die sich den Händen von ultraorthodoxen Gemeinden befinden, weiterhin ihre Geschäfte unlimitiert in bar abwickeln. Auch der Handel mit Palästinensern aus den Gebeten von Judäa und Samaria, die keine israelischen Bürger sind, ist ausgenommen. 

Archäologie:

13.000 BCE/2022 Am Zionsberg in Jerusalem wurde erstmals seit den 1920-er Jahren wieder einmal ein aufsehenerregendes Artefakt gefunden.

Es handelt sich um eine komplett erhaltene, sogar noch mit Schafthülse versehene Pfeilspitze aus dem Neolithikum. Die Pfeilspitze ist nicht grösser als ein Fingernagel. Hergestellt ist sie aus weissem Feuerstein mit zarten hellrosa Adern. Die Grösse beträgt 1.5 cm.

Minderheiten:

Fährt man von Norden her kommend über die Strasse 6 Richtung Be’er Sheva, so liegt rechts, knapp vor der Abzweigung Richtung Totem Meer, die Beduinenstadt Rahat. Rahat wurde Anfang der der 1970-er Jahre gegründet und erhielt 1994 den Status einer Stadt. In der Stadt leben etwa 77.000 Menschen, die ausschliesslich moslemisch sind. Das entspricht knapp einem Drittel der beduinischen Gesamtbevölkerung in Israel.

In der Nähe der Stadt befindet sich im Industriezentrum etwa die Fabrik von Soda Stream. Die Fabrik hatte vorher ihre Tore in Judäa geschlossen, nachdem sie in die Schusslinie von BDS Aktivisten gekommen war. Bemühungen der Geschäftsleitung, einen Teil der palästinensischen Mitarbeiter weiterhin zu beschäftigen, wurden abgelehnt. Derzeit arbeiten hauptsächlich Beduinen in der Fabrik. Rahat ist auch die Heimat von einigen Projekten, mit denen vor allem Beduinenfrauen wirtschaftlich gestärkt werden sollen. Sie produzieren und verkaufen hauptsächlich ihre wunderbaren farbenprächtigen Stickereien, die zu Tischwäsche und Bekleidung verarbeitet werden. 

Mit einem 10-Jahres-Plan soll nun die Wirtschaft durch eine Verbesserung der touristischen Infrastruktur gestärkt werden. 500 Wohneinheiten für Touristen sollen entstehen und neue Kulturprogramme sollen gefördert werden. 



Kategorien:Aus aller Welt, Israel, Timeline

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