Gaza 2022 – Tag 1 und 2

9. Aw 5782

Israel hat gestern am frühen Abend mit der Operation «Tagesanbruch» begonnen. Ziel der militärischen Operation ist es, die Stellungen des Palästinensischen Islamischen Jihad im Gazastreifen zu zerstören und damit möglichen Terroranschlägen zuvorzukommen. 

Befürchtet hatte die Regierung schon seit einigen Tagen, dass es zu vermehrten Angriffen kommen werde. Die Strassen rund um Gaza waren abgesperrt, die Menschen, die in unmittelbarer Nähe der Grenze leben, waren wieder einmal von der Umwelt abgeschnitten. Oder sie musste weite Umwege in Kauf nehmen, wenn sie ihr normales Leben aufrechterhalten wollten. 

Die letzte bewaffnete Auseinandersetzung fand im Jahr 2021 statt. Die Hamas verbuchte die Operation «Guardian oft he Walls» als Sieg für sich. Die Operation dauerte von 10. bis zum 21. Mai und endete mit einer Waffenruhe.

Vorhergegangen waren Ausschreitungen im arabischen Ortsteil von Jerusalem Scheich Dscharrah und auf dem Tempelberg, die unter anderem vom rechts-extremen Politiker Itamar Ben Gvir geschürt worden waren. Die Unruhen breiteten sich rasch zwischen jüdischen und arabischen Gruppen in einigen israelischen Städten aus. Da zeitgleich auch Koalitionsverhandlungen in Israel stattfanden, die erstmals eine arabische Partei, Ra’an, aktiv mit in die Gespräche einbezog. Diese Annäherung zwischen arabischen und jüdischen Parteien löste Unbehagen bei der Hamas aus. Sie sah sich in ihrer absoluten Hardliner Politik gegenüber Israel geschwächt. In Israel sollten Polizeikräfte die innere Ruhe wieder herstellen. Hamas verlangte in einem Ultimatum, dass der Polizeieinsatz sofort beendet werden solle. Unmittelbar nach Ablauf des Ultimatums, das erfolglos verstrich, begann der Beschuss aus dem Gazastreifen. 

© AP Photo/Fatima Shbair

Insgesamt wurden während dieses Krieges mehr als 1.800 Raketen aus dem Gazastreifen abgefeuert. Am Ende gab es 276 Tote und mehr als 2.400 Verletzte auf palästinensischer Seite, sowie 12 Tote und etwa 350 Verletzte auf israelischer Seite.

Am Freitag, 6. August, hatte die IDF in Jenin Najah Habaibeh, einen der führenden Terroristen des Palästinensischen Islamischen Jihads (PIJ) gemeinsam mit 19 weiteren Jihadisten festgenommen. Der PIJ wird von den USA, den EU und anderen Staaten als Terrororganisation klassifiziert, der vom Iran unterstützt wird. Nur die UNO konnte sich bisher nicht zu einer solchen Aussage entscheiden.

Es war dies die zweite Aktion gegen Terroristen des PIJ in Samaria. Am vergangenen Montag, den 1.8. war Bassam al-Saadi, ebenfalls in Jenin festgenommen worden. Er gilt als Mastermind beim Aufbau des radikalen PIJ in Judäa und Samaria. Nach seiner Festnahme kündigte die Organisation in Gaza an, Vergeltungsmassnahmen gegen Israel durchführen zu wollen. Diese Aufforderung hatte zu einer erhöhten Alarmbereitschaft der IDF rund um den Gazastreifen geführt, die Drohnen und Flugzeuge einsetzten, um eine vermehrte Aktivität in Terrorzellen frühzeitig zu entdecken und entsprechend reagieren zu können.  

Im Laufe des Freitagnachmittags konnte die IDF zwei weitere Anführer des PIJ neutralisieren: Tyser al-Jabari, den Chef des Nordkommandos und den Chef der Flugabwehr Abdullah Kadoum. Jabari war auch zuständig für die Koordination zwischen der Hamas und dem PIJ.

Strandbesucher suchen Schutz in Bat Yam

Gestern kurz vor 16 Uhr Ortszeit flogen die ersten Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel. Diese wurden vom Iron Dome abgefangen, bzw. landeten noch auf dem Gebiet von Gaza in unbewohntem Gebiet. 

Ab 22 Uhr intensivierte sich der Beschuss aus Gaza, die Bunker in den Orten rund um Gaza waren bereits im Laufe des Tages geöffnet worden. Es gab Verletzte unter der Zivilbevölkerung, die sich auf dem Weg in die Bunker befanden. Zwei Soldaten und ein Zivilist wurden von Schrapnellen getroffen und erlitten mittelschwere Verletzungen. 

Am Samstagvormittag wurde erstmals der Alarm in Modiin, einer Stadt nahe von Jerusalem ausgelöst, am späteren Nachmittag erstmals in Tel Aviv und Jaffo. Ein Haus in Sderot wurde direkt getroffen. Zu Schaden kam dort niemand, die Familie mit zwei Kindern im Alter von drei und acht Jahren befanden sich in Sicherheit im Bunker. Ein Parkhaus in Ashkelon erlitt einen Volltreffer, es kam dabei nur zu Sachschaden. 

Von der IDF wurden 40 Angriffe ausgeführt. Panzer, bewaffnete Drohnen, Helikopter und Artillerieeinheiten kamen dabei zum Einsatz. Ziel der Angriffe waren ausschliesslich Gebäude, die nachweislich von der PIJ benutzt werden, Militärbasen, Waffenproduktionsstätten, Lagerhäuser für Waffen und Raketenabschussbasen. Entsprechend Berichten aus Gaza kamen bei den Angriffen einige Zivilisten und Kämpfer, darunter ein fünf Jahre altes Mädchen, ums Leben. Bei einem Angriff auf eine Abschussbasis in Khan Younis wurden zwei Kämpfer getötet und zwei weitere verletzt. 

Eine Zone von 80 km rund um Gaza wurde zur gefährdeten Zone erklärt, für die ab sofort besondere Sicherheitsbestimmungen gelten. Dazu gehört ein Versammlungsverbot von mehr als 10 Personen im Freien und mehr als 50 Personen innerhalb geschlossener Räume. Pläne zur gezielten Evakuierung der Bevölkerung liegen bereit.

VM Benny Gantz gab am Freitag den Befehl, 25.000 Reservisten in Marschbereitschaft zu versetzen.

Während bereits die Raketen flogen, schickte Israel noch eine Lieferung von Treibstoff in den Gazastreifen, um ein völliges Herunterfahren des Kraftwerkes in Gaza zu verhindern. Ohne dieses Kraftwerk wäre Gaza in der Energieversorgung völlig von Israel abhängig.

VM Benny Gantz betonte am Freitagvormittag «Wir suchen keinen anhaltenden Konflikt, aber wir werden nicht zögern, unsere Bevölkerung zu verteidigen. Israel und die IDF werden die Operationen fortsetzen. Wir wissen um die Verantwortung, die auf unseren Schultern liegt. Die Gemeinden und Bürger im Süden Israels zu verteidigen und die gesamte Bevölkerung von Israel zu verteidigen.»

Bis zum späten Samstagnachmittag sind mehr als 350 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel geschossen worden. 

PM Yair Lapid hat den Führer der Opposition, MK Netanyahu, eingeladen, an der Sitzung des Sicherheitskabinetts teilzunehmen, welches für den morgigen Sonntag geplant ist. Seit er im vergangenen Jahr die Wahl verloren hatte, war er seiner Pflicht, daran teilzunehmen, nicht mehr nachgekommen. 

Aus Ägypten, das schon in den letzten Operationen zwischen Israel und Gaza immer wieder als Mediator gedient hatte, kam die Aufforderung, sofort für eine Waffenruhe an den Verhandlungstisch zu kommen. Dieser Aufforderung kamen beide Seiten nicht nach. 

Ob und wann sich die Hamas in die laufenden Kämpfe einschalten wird, ist noch völlig unklar. Generalmajor Ghasan Alyan, Leiter der Einheit für die Koordinierung der Regierungsaktivitäten in den Gebieten (COGAT),veröffentlichte am Freitag eine Botschaft auf Arabisch an die Menschen in Gaza über die aktuelle Eskalation.

„Bewohner des Gazastreifens: In den vergangenen vier Tagen versuchte die palästinensische islamische Dschihad-Terrororganisation, einen Terroranschlag gegen den Staat Israel durchzuführen, wobei sie die Auswirkungen auf die Sicherheit für die Bewohner des Gazastreifens völlig ausser Acht liess. Die IDF zielt auf diejenigen ab, die eine Bedrohung für Stabilität und Sicherheit darstellten. Wir werden keinen Schaden für die Sicherheit israelischer Zivilisten zulassen“, fügte er hinzu.



Kategorien:Israel, Politik

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