Ekew, Deut 7:12 – 11:25

ב“ה

22./23. Aw 5782                                                        19./20. August 2022  

Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)                             18:39

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                         19:55

Shabbateingang in Zürich:                                                                 20:13

Shabbatausgang in Zürich:                                                                21:19

Shabbateingang in Wien:                                                                   19:43

Shabbatausgang in Wien:                                                                  20:50

Wieder einmal beginnt unser Wochenabschnitt mit einer „Wenn……dann“ Bestimmung, wenn wir, die Menschen die Rechtsvorschriften Gottes achten und einhalten, dann wird Gott den Bund einhalten, den er mit unseren Vätern geschlossen hat. Moses wiederholt an dieser Stelle nochmals alles, was Gott und versprochen hat und von dem wir überzeugt sein dürfen, dass er sich buchstabengetreu daran halten wird. Wenn wir, oder weil wir auch unseren Teil der Vereinbarung einhalten. 

Aber Gott lässt uns auch noch einmal wissen, dass der Erhalt des Landes, der neuen Heimat nicht einfach selbstverständlich ist. Das Volk Israel ist stur, wir lesen es hier nicht zum ersten Mal und es gilt auch bis heute, bis in unsere Tage. Er betont nochmals, dass wir keinen Rechtsanspruch auf das Land haben. Zu oft haben wir uns aufgelehnt gegen ihn. Immer wieder stand das Volk Israel kurz davor, ausgelöscht zu werden, und immer wieder war es Moses, der mit seinem unerschütterlichen Glauben und seiner Zuversicht Gott anflehte, uns nochmals eine Chance zu geben. Und doch, Gott verlangt nur so wenig von uns im Gegensatz zu dem vielen, was er uns versprochen hat. Wir sollen nur seine Rechtsvorschriften, seine Gebote einhalten. 

Was können wir aus diesem Wochenabschnitt für unser Leben ableiten? Im Abschnitt Deut 10:18 und 19 lesen wir „Er liebt die Fremden und gibt ihnen Nahrung und Kleidung, auch ihr sollt die Fremden lieben, denn ihr seid Fremde in Ägypten gewesen.“

Nach den grossen Flüchtlingswellen aus den Kriegsgebieten des Nahes Ostens, die vor Jahren Europa erreichten und teils für nahezu unlösbare Probleme stellten, sehen wir uns in diesem Jahr erneut mit Menschen konfrontiert, die ihre Heimat verloren haben. 

Seit einigen Monaten tauchen in den Städten Europas vermehrt Autos auf, die die blau-gelbe Flagge der Ukraine am Nummernschild haben. Manch einer legt die Stirn in missmutig Falten, denn es handelt sich in den wenigsten Fällen alte Rostlauben, sondern eher neue hochwertige SUVs. „Natürlich“ kann man da vielerorts hören „das sind wieder Wirtschaftsflüchtlinge, die ihre Gelder schon lange im Westen angelegt und sich nun selbst hierher in Sicherheit gebracht haben.“ Und dann wird hinter der vorgehaltenen Hand geschimpft, dass diese „Schmarotzer“ selbstverständlich auf unsere Kosten leben werden. Dass sie arbeitsscheu sind und sich nicht integrieren lassen. 

Stop! Wer so denkt, der leidet unter einer stark eingeschränkten Wahrnehmung. Die meisten Menschen, die kommen, die mit letzter Kraft hoffen, bei uns Sicherheit zu finden, haben ein Martyrium hinter sich. Sie mussten versuchen, sich im Bombenhagel an einen sicheren Ort zu finden, von wo aus sie ihre Flucht organisieren konnten. 

Russland erwägt nun, einen solchen Ort in Moskau, der oft die erste Anlaufstelle für jüdische Flüchtlinge aus der Ukraine war, dauerhaft zu schliessen. Die Jewish Agency war der Ansprechpartner und Helfer, wenn es um Organisatorisches ging. Von dort aus wurde die Ausreise geplant und durchgeführt. Menschen, die oft ohne Ausweispapiere ankamen, erhielten hier Ersatzdokumente. Für nicht-jüdische Flüchtlinge ist das Prozedere noch um ein Vielfaches komplizierter. Sie sind auf die Hilfe von Privatpersonen angewiesen. Auf die Initiative von selbstlosen Mitmenschen, die nicht die Nase rümpfen, sondern die die Hand austrecken.

„Denkt dran, dass ihr Fremde in Ägypten wart.“ Jeder Flüchtling, der bei uns ankommt, muss sich von Grund auf umorganisieren, muss sich völlig neu orientieren, er muss die Sprache lernen, die Möglichkeiten herausfinden, wie er sich eingliedern kann und wie er vor allem auch seine Kinder eingliedern kann in die für ihr fremde Welt.

Gottes Rechtsprechung zu achten und zu halten, bedeutet auch, den Menschen zu helfen, die heute das sind, was wir einmal waren: Fremde.

Shabbat Shalom



Kategorien:Israel, Religion

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