27. Aw 5782
Geboren:
1922 wurde in Finsterwalde Inge Deutschkron geboren. Erst 1933 erfuhr sie von ihrer Mutter Ella, dass sie Jüdin war. Ihr Vater, ein Sozialdemokrat, wurde im April 1933 wegen seiner Zugehörigkeit zur SPD aus dem Schuldienst entlassen und unterrichtete fortan an der zionistischen Theodor-Herzl-Schule, bis diese 1939 geschlossen wurde. Über eine Cousine erhielt er schliesslich ein Visum für Grossbritannien.
Mutter und Tochter sollten in Deutschland darauf warten, dass er die Kosten für die Visa und die Reisen zusammenbringen würde, um sie nachzuholen. Mit Ausbruch des II. Weltkrieges war dies jedoch nicht mehr möglich.
Zwischen 1941 und 143 arbeitete Inge Deutschkron in der Blindenwerkstatt von Otto Weidt. Weidt, der selbst als Erwachsener erblindet war, eröffnet den «wehrwichtigen Betrieb» verkaufte seine Produkte ausschliesslich an die Wehrmacht. Gute Beziehungen, Bestechungen und die Hilfe der Widerstandskämpferin Hedwig Porschütz halfen ihm, seine überwiegend jüdischen Mitarbeiter vor der Deportation zu schützen. 1993 wurde auf Anregung von Inge Deutschkorneine Gedenktafel an seinem Haus angebracht. Sowohl Weidt, als auch Porschütz wurden in Yad VaShem als «Gerechte unter den Völkern» ausgezeichnet.
Zwischen 1943 und dem Kriegsende wurden Mutter und Tochter Deutschkron von Freunden, zumeist aus Widerstandsgruppen in Berlin versteckt. 1946 übersiedelte Inge Deutschkron nach London zu ihrem Vater und studierte dort Fremdsprachen. Als Journalistin arbeitete sie im In- und Ausland und nach 1963 als Beobachterin für den Ma’ariw am Frankfurter Auschwitz Prozess teil. 1966 erhielt sie die israelische Staatsbürgerschaft.
Als Reaktion auf den immer stärker werdenden Antisemitismus zog sie 1972 nach Tel Aviv, wo sie weiterhin als Journalistin arbeitete. International bekannt wurde sie durch ihre 1978 erschienene Autobiograft «Ich trug den gelben Stern».
Ab 1988 lebte sie sowohl in Tel Aviv als auch in Berlin. Am 30. Januar 2013 hielt sie eine Rede anlässlich des Holocaustgedenktages im Bundestag.
Inge Deutschkron verstarb, knapp 100-jährig am 9. März 2022 in einem Altersheim in Berlin. Nachdem über die adäquate Pflege und Betreuung im Altersheim wiederholt auch öffentlich und in den Medien diskutiert wurde, eine Verlegung in ein Hospiz aber abgelehnt wurde, übernahmen Freunde die Betreuung während des Tages, um ihr die letzten Tage zu erleichtern.
Diktatorenkult:
«Dies ist nur eine kommerzielle Seite, wir lehnen jede Art von politischer Propaganda ab» so steht es auf der Startseite des Weingutes Lunardelli aus dem Friaul. Seit 1995 gibt es dort eine «historische Serie». Auf den Etiketten werden 50 verschiedene Namen abgebildet, darunter Che Guevara, Churchill, Hitler, Marx, Mussolini, Napoleon. Etwa 50 % der Produktion gehen in diese Serie. Neben Rot- und Weissweinen werden auch Bitter und Grappa angeboten. Man muss die Seite selbst anschauen, um sich ein umfassendes Bild zu machen
Jetzt hat Andrea Lunardelli, die ab dem kommenden Jahr das Familienunternehmen leiten wird, angekündigt, dass es ab dem Zeitpunkt keine «historischen» Etiketten mehr geben wird.
Nicht etwa, weil sie zu der Überzeugung gekommen ist, dass eine Einstellung dieses ertragreichen Angebotes schon lange überfällig ist, sondern «..weil wir einfach genug haben. Wir sind die Kontroverseren darüber leid.»
1995 tauchten die ersten Flaschen auf dem Markt auf, 1997 erreicht eine Beschwerde der deutschen Regierung, dass sie vom Markt genommen wurden. Jedoch entschied nur einen Monat später ein Gericht, dass der Verkauf legal war.
Im Jahr 2012 löste ein jüdisches Ehepaar aus den USA eine Untersuchung durch das Simon-Wiesenthal-Zentrum, die Holocaust-Gedenkorganisation und die Antisemitismus-Aufsichtsbehörde aus. Die von diesen Stellen informierten italienischen Staatsanwälte weigerten sich aber nach wie vor, eine Zulassung zum Verkauf zu verhindern.
Während in den meisten europäischen Staaten die Produkte nicht verkauft werden dürfen, nachdem sie als «Erinnerungsstücke» eingestuft werden, die den Nationalsozialismus glorifizieren, dürfen sie in Italien sowohl in Geschäften als auch online vermarktet werden.
Vor allem bei deutschen Urlaubern seien die Flaschen sehr beliebt.
Kategorien:Aus aller Welt, Timeline
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