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29./30. Aw 5782 26./27. August 2022
Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden) 18:31
Shabbatausgang in Jerusalem: 19:47
Shabbateingang in Zürich: 20:00
Shabbatausgang in Zürich: 21:04
Shabbateingang in Wien: 19:30
Shabbatausgang in Wien: 20:35
Wir lesen in diesem Wochenabschnitt von zwei Bergen, die sich bereits im Gebiet jenseits des Jordans befinden. Es sind die Berge Garizim und Ebal.
In Deut 27:12 – 26 werden wir lesen, was hier nur angedeutet wird. Vom Berg Garizim aus soll der Segen über das Volk Israel gesprochen werden, und vom Berg Ebal sollen Flüche für zukünftige Nichtachtungen der göttlichen Gesetze ausgesprochen werden.
Auf dem Berg Garizim wird also das Hier und Jetzt gesegnet. Der Segen wird in dem Moment ausgesprochen werden, in dem das Volk nach der langen Wüstenwanderung das Land erreicht hat, das Gott ihnen als neue Heimat versprochen hatte. Der Einzug wird, das erfahren wir hier, unter dem ausdrücklichen Segen Gottes stehen. Die Situation wird ein wenig an die Erschaffung der Welt erinnern, als Gott an jedem Abend „…sah, dass es gut war“.
Der Berg Ebal aber wird der Ort sein, von dem aus eine ganze Reihe von Flüchen ausgesprochen wird, die unser Verhalten in der Zukunft betreffen. Gleichsam, als würde Gott uns noch einmal vor Augen führen, was geschehen wird, falls wir seine „Wenn…..dann“ Vorgaben nicht einhalten.
Gott gibt dem Volk Israel unmittelbar bevor es den Jordan überschreiten wird Fluch und Segen (Deut 11:26). Er zeigt uns damit, dass die Welt, die uns damals wie heute umgibt, nicht absolut ist. Sie ist Gut und Böse zugleich, Schwarz und Weiss. Gott will, dass wir uns dessen bewusst sind. Er hat uns mit der Freiheit zu entscheiden ausgestattet. War das nicht voreilig?
Hätte er nicht wissen müssen, dass Menschen sehr oft dazu tendieren, den vermeidlich einfachen Weg zu gehen und die Augen vor den negativen Folgen zu verschliessen? Dass wir Kollateralschäden billigend in Kauf nehmen? Wie oft kränken wir wissentlich oder unwissentlich einen anderen Menschen zutiefst, um uns selbst einen Vorteil zu verschaffen. Und nehmen dabei in Kauf, dass er sich nicht wehren wird. Gleichgültig, ob er von uns enttäuscht ist und nicht Gleiches mit Gleichem vergelten will. Oder, weil er zu schwach und wie gelähmt ist, weil die Kränkung ihn handlungsunfähig gemacht hat. Jeder von uns hat seit der Geburt eine dunkle Seite in sich und es ist die Aufgabe von liebevoller Begleitung durch die Eltern, durch die Familie und durch Freunde, diese dunkle Seite im Laufe der schwächen und die guten Eigenschaften in uns zu stärken.
Gott hat uns eine Richtschnur mitgegeben, was wir tun dürfen und was wir besser vermeiden sollen. Natürlich haben wir uns seit der Gesetzgebung von Tausenden von Jahren ständig weiterentwickelt. Erinnern wir uns der dramatischen Brudermorde zu Beginn der Geschichte. Damals waren sie wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, Rechte durchzusetzen. Viel ist geschehen seither, wir haben gelernt, vieles differenzierter zu betrachten und unsere Entscheidungen vorsichtiger zu treffen.
Doch ist das tatsächlich so? Gibt es nicht heute noch Brudermord, Ehrenmord, Mord aus niedrigen Beweggründen aber auch, und das gibt es viel mehr, als man denkt, Rufmord. Lashon ha’ra, die üble Nachrede, die im Judentum nicht zu Unrecht wie physischer Mord gewertet wird.
Zwei Anweisungen, die Shavuot und Sukkot betreffen, hebt Gott besonders hervor. So lesen wir in Deut 16:10 und 11 „Danach sollst du dem Herrn, deinem Gott, das Wochenfest feiern und dabei eine freiwillige Gabe darbringen, die du danach bemisst, wie der Herr, dein Gott, dich gesegnet hat. Du sollst vor dem Herrn, deinem Gott, fröhlich sein, du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, auch die Leviten, die in deinen Stadtbereichen Wohnrecht haben, und die Fremden, Waisen und Witwen, die in deiner Mitte leben. Du sollst fröhlich sein an der Stätte, die der Herr, dein Gott, auswählt, indem er dort seinen Namen wohnen lässt.» und in Deut 16:14 und 15 «Du sollst an deinem Fest fröhlich sein, du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, die Leviten und die Fremden, Waisen und Witwen, die in deinen Stadtbereichen wohnen. Sieben Tage lang sollst du dem Herrn, deinem Gott, das Fest feiern an der Stätte, die der Herr auswählt. Wenn dich der Herr, dein Gott, in allem gesegnet hat, in deiner Ernte und in der Arbeit deiner Hände, dann sollst du wirklich fröhlich sein.»
Gott betont, wie wichtig ihm die positive Beziehung der Menschen zueinander ist.
Wir lernen aus diesem Wochenabschnitt, dass nicht die Missachtung der Rechtsvorschriften den Fluch auslöst, sondern dass dieser erst durch die Folge unseres Missverhaltens entsteht. Ebenso ist nicht das Einhalten der Mitzwot das, was uns zum Segen gereicht, sondern die daraus entstehende Freude, die von Gott als Segen anerkannt wird.
Gott hat uns als gleichberechtigte Partner in die Welt gestellt, so wie wir dieses gemeinsame Leben ausgestalten, das ist es, was über unsere hellen und dunklen Seiten entscheidet. Wir haben es in der Hand, zu entscheiden.
Shabbat Shalom
Kategorien:Israel
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