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6./7. Elul 5782 2./3. Sept. 2022
Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden) 18:22
Shabbatausgang in Jerusalem: 19:38
Shabbateingang in Zürich: 19:46
Shabbatausgang in Zürich: 20:50
Shabbateingang in Wien: 19:16
Shabbatausgang in Wien: 20:20
Im 19. Psalm heisst es פִּקּוּדֵי יְהוָה יְשָׁרִים, מְשַׂמְּחֵי-לֵב Die Gesetze Gottes sind gerecht und erwärmen das Herz.
Gott fordert das Volk Israel auf, in jedem Ort Richter und Polizisten zu benennen, die Recht sprechen und Urteile fällen sollen. Das Original der Torah spricht von שֹפְטִים וְשֹׁטְרִים shoftim ve shotrim. Bereits in Ex 5:6 haben wir den Begriff kennengelernt, als der Pharao seine Exekutivbeamten, die Polizei losschickte, um seine Anweisungen beim Volk Israel durchzusetzen.
Solche Autoritäten sind notwendig, wenn eine Gesellschaft funktionieren soll und nicht jeder jederzeit den Trieben nachgeben darf. Doch sie müssen über ganz bestimmte Charaktereigenschaften verfügen. Unbestechlich müssen sie sein, nicht korrumpierbar, fair, empathisch und sicher in der Kenntnis der Gesetze. Das gilt gleichermassen für Richter und Polizisten, wenn auch vielleicht in jeweils anderer Ausprägung. Damit sie ihre Ämter ungestört ausüben können, stattet der Staat sie zusätzlich mit besonderen Schutzmechanismen aus. Unbeeinflussbar müssen sie sein, ohne jegliche Bevormundung durch den Staat, unparteiisch und unabhängig.
Richter sind Menschen, ebenso wie Polizisten. Ihnen werden in der Rechtsprechung immer wieder Fehler unterlaufen.
Unser Wochenabschnitt konkretisiert die Anforderungen noch. In Deut 16:19 lesen wir «Du sollst das Recht nicht beugen. Du sollst kein Ansehen der Person kennen. Du sollst keine Bestechung annehmen; denn Bestechung macht Weise blind und verdreht die Fälle derer, die im Recht sind.»
Jetzt wird es für manchen Polizisten schwierig. Liegt es an ihm zu entscheiden, wie er den Teenager, den er gerade dabei erwischt hat, wie er den Diebstahl einer vom Geldwert her kleinen Sache begangen hat, behandeln soll. Angenommen, er ist bisher nie aufgefallen. Schickt er ihn mit einer Verwarnung heim? Bittet er die Eltern auf die Wache? Oder führt er ihn sofort dem Jugendrichter vor? Natürlich hat er einen gewissen Spielraum, aber wo endet dieser? Dann, wenn es sich um den Sohn des Nachbarn handelt? Oder um den besten Freund seiner Kinder? Oder wenn er der Sohn vom Lehrer seines lernschwachen Sohnes ist? Ist er um seine eigene Reputation besorgt? Ich höre den armen Staatsbeamten schon aufseufzen! Dabei wäre alles ganz einfach, es gelten die Buchstaben des Gesetzes, ohne Ansehen und Stellung der Person.
Der Richter hat anschliessend mehr Möglichkeiten, den Fall abzuwägen und ein Urteil zu sprechen. Auch hier gibt es klare Gesetze. Damit sich Politik und Gerichte nicht in die Quere kommen, haben sie sich gegenseitig klar Zulassungskriterien gegeben. Wer darf Politiker werden? Wer darf Richter werden? Darf ein selbst angeklagter Politiker weiterhin sein Amt ausüben, oder muss er es zumindest bis zur Urteilsfindung ruhen lassen? Darf er andere dazu auffordern, entsprechende Gesetzesänderungen zur Abstimmung zu bringen, um sich selbst aus der Schlinge zu ziehen? Der Staat, der solches zulässt, verliert den Anspruch darauf, als demokratisch gelten zu dürfen. Betroffene Politiker müssen sich das immer wieder vor Augen führen….
Richter und Polizisten sind als Menschen nicht unfehlbar. Sie wissen, dass Rechtsprechung und Gerechtigkeit nicht immer das Gleiche sind. Absolute Gerechtigkeit beruht auf absoluter Gleichheit der Menschen. Es gibt keine Gesellschaft, in der das zu 100 % gelingen wird. Es liegt aber in unser aller Interesse, dass Recht und Gerechtigkeit sich an den gültigen Gesetzen orientieren.
Dass unsere Richter und wir alle nicht durch Bestechung blind werden. Das ist es, auf das wir alle hoffen dürfen.
Shabbat Shalom
Kategorien:Religion
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