7. Elul 5782
1981 wurden die Golanhöhen von Israel annektiert, nachdem Israel sie 1967 im Sechstagekrieg erobert hatte. Seither erheben beide Staaten Anspruch auf dieses strategisch wichtige Gebiet. Der damalige PM Menachem Begin hatte das entsprechende Gesetz in nur einem Tag mit den notwendigen drei Lesungen durch die Knesset gebracht. Jeder, der schon einmal auf dem Golan war, weiss, warum dieses Gebiet für Israel überlebenswichtig ist. Wer in einem Krieg – Gott behüte, dass es jemals so weit kommen wird – auf dem Golan seine Truppen stationiert, der hat den ungehinderten Blick über den Kinneret bis weit hinein ins Land. Ein strategisch unglaublicher Vorteil. Den Israel seinen Feinden nie zugestehen darf. Das Gebiet ist an einigen Stellen immer noch vermint, Warnschilder machen auf die drohende Gefahr aufmerksam. Wer immer aus Richtung Syrien kommend das Land durchqueren will, muss dieses Minenfeld in Kauf nehmen. Die USA haben 2019 unter Trump den Golan als israelisches Staatsgebiet anerkannt, völkerrechtlich ist das nach wie vor irrelevant.
Die auf dem Golan lebenden Drusen haben sich bisher nie bemüht, die israelische Staatsangehörigkeit anzunehmen. Im Gegensatz zu ihren Mitbürgern im Galil lehnen sie Israel ab.
Seit in Syrien Krieg herrscht, wandelt sich die Situation langsam. Vor fünf Jahren waren es nur 75 Anträge auf die Erteilung der Staatsbürgerschaft, die gestellt wurden. Im vergangenen Jahr waren es 239 und im ersten Halbjahr dieses Jahres bereits 206. Die heutige Generation der Golan-Drusen wuchs auf israelischem Gebiet auf, Syrien ist für sie nur mehr eine lange beendete Familiengeschichte. Von den 21.000 Golan-Drusen sind 4.300 israelische Staatsbürger, teils bereits in der zweiten Generation.
Syrien bietet den Drusen an, kostenlos und ohne Zulassungsverfahren an den syrischen Hochschulen zu studieren, aber die Zahl der Studenten ist von Jahr zu Jahr gesunken.
Einer der wenigen Drusen, die sich zu einem Interview bereit erklären, fasst es zusammen. «Unsere Integration in die israelische Gesellschaft ist einzig eine praktische. Wir anerkennen die Realität, aber nicht den Zionismus».
Selbstbild-Fremdbild Israel-Deutschland:
2019/2022 kurz vor dem Staatsbesuch von Präsident Isaac Herzog und wenig später von PM Yair Lapid wurde eine Untersuchung über das Verhältnis von Israelis und Deutschen zueinander veröffentlicht. Die Zahlen lassen aufhorchen und sind teilweise auch erschreckend. Befragt wurden in beiden Ländern etwa 1.300 Personen über 18 Jahre. Die Untersuchung fand im Jahr 2019 statt
Hier die komplette Befragung. Viel Zahlen, die meisten sehr interessant, aber man braucht Zeit, um sie zu lesen.
Eine Aussage «Es sollte einen starken Führer geben, der sich nicht um Parlament und Wahlen kümmern muss.» stimmt mich mehr als nachdenklich. Nicht nur, aber besonders im Hinblick auf die kommenden Wahlen in Israel. Dieser Aussage stimmten 9 % der Deutschen, aber 43 % der Israelis zu, eher zugestimmt wurde von 19 % der Deutschen und 34 % der Israelis, für eher nicht gaben 25 % der Deutschen und 13 % der Israelis ihre Stimme. Überhaupt nicht zustimmen konnten 42 % der Deutschen und 7 % der Israelis.
Wahlkampf 2022:
Das israelische Gesetz verbietet, dass in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen Wahlwerbung gemacht werden darf. Und das mit gutem Grund. Aber das Gesetz, welches für alle gilt, gilt für einen nicht, für den wahltourenden MK Netanyahu. An der Ramot High School in Bad Yam sprach er vor zwangsbeglückten Schülern der Oberstufe. «Wir boykottieren keine Partei, die einen jüdischen Staat unterstützt. Aber die einzige Partei, die eine Regierung für die kommenden vier Jahre bilden kann, ist der Likud. Darf ich das hier sagen? Na ja, ich habe es gesagt.» Quod licet jovi, not licet bovi, die Frage ist hier nur, wer in dem Fall der Hornochse ist, denn ein Gott ist der selbst ernannte «Ich werde der nächste PM» auf keinen Fall. Dass der Likud allein in der vergangenen Woche eine Strafe in Höhe von mehr als CHF 10.000 zahlen musste, stört ihn nicht. Was den Amerikanern ihr Trump, ist den Israelis ihr Netanyahu. Und der weiss genau, dass gute Propaganda gar nicht teuer genug sein darf.
Die Frau hinter ihnen – 50 Jahre im Dienst der israelischen PM:
Golda Meir war ihre erste Chefin, es folgten Ehud Barak, Menachem Begin, Naftali Bennett, Benjamin Netanjahu, Schimon Peres, Ehud Olmert, Jitzchak Rabin, Jitzchak Schamir und Ariel Scharon. Und nun noch Yair Lapid.
Sie hat alle Auslandsreisen geplant. Oft reiste sie schon lange vor der geplanten Reise allein dorthin, wenn es darum ging vor Ort abzuklären, ob es spezielle Dinge zu beachten gab. Sie konnte es manchmal noch in letzter Minute verhindern, dass es einen peinlichen Auftritt gab. In Columbien wäre unser PM nicht als Staatsoberhaupt betrachtet worden, sondern als Politiker unter ferner liefen. In den Augen der dortigen Diplomatie ist nur ein Präsident ein Staatsoberhaupt. Netanyahu wäre ziemlich untergegangen in der Gruppe der Begleitpersonen. Diesen Affront konnte Edna Halbani gerade noch vermeiden.
Ihr offizieller Titel lautete Senior head of the Department of Visits and International Relations. In ihren Zuständigkeitsbereich fielen auch die zahllosen Treffen mit ausländischen Staatsoberhäuptern in Israel. Vor drei Jahren wollte sie in den Ruhestand gehen, doch Netanyahu liess sie nicht gehen. Dann kam Bennett. Auch der bat sie, noch zu bleiben. Mitten in den Vorbereitungen zum Staatsbesuch von Präsident Joe Biden übergab Bennett das Amt an Lapid. Sie blieb und bereitet weiterhin den Besuch vor. Erfolgreich, wie auch sonst?
Ihre Geschichte ist lesenswert. Gerade recht für einen gemütlichen Samstagabend.
Kategorien:Aus aller Welt, Timeline
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