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20./21. Elul 5782 16./17. September 2022
Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden) 18:04
Shabbatausgang in Jerusalem: 19:19
Shabbateingang in Zürich: 19:18
Shabbatausgang in Zürich: 20:20
Shabbateingang in Wien: 18:47
Shabbatausgang in Wien: 19:50

Der heutige Wochenabschnitt beschreibt den Neubeginn, den das Volk Israel erleben darf, als es seine neue Heimat in Besitz nimmt. Jeder von uns schon einmal umgezogen, sei es „nur“ von einer Wohnung in eine neue oder auch in eine andere Stadt oder gar ein neues Land.
Viele von uns haben auch den grossen Schritt gewagt und sind nach Israel gezogen, haben den Weg „hinauf“ gewagt, die Aliya. Jeder Umzug war ein wohlüberlegter Schritt, gleichgültig, aus welchen Gründen er stattfand. Heimatlos, so hoffe ich jedenfalls, waren die wenigsten von uns jemals.
Gott fordert die Neuankömmlinge auf, sich ihrer Herkunft zu erinnern. In Deut 26:5 steht: „Mein Vater war ein heimatloser Aramäer.“ Auch am Seder Pessach lesen wir dieses Zitat, dem Abend, an dem wir uns des Auszuges aus der Sklaverei in Ägypten erinnern. Mit dieser Aufforderung, sich nochmals zu erinnern, schliesst sich der Kreis. Avram, später Abraham, verliess seine Heimat und zog vorübergehend nach Ägypten. Viele Generationen später verliessen wir Ägypten, und zogen in das Land, das Gott uns versprochen hatte. Wir sind angekommen.
Hinter dieser Erinnerung verblasst die zweite Aufforderung. Gott bittet darum, ihm die ersten Früchte, die sie im Land ernten werden zu widmen. Er erinnert sie nochmals an alle Verpflichtungen, die er ihnen auferlegt hat. Und er verpflichte sie nochmals, kurz vor dem Ende der langen Reise, jederzeit alle Vorschriften einzuhalten, die er ihnen im Laufe der letzten Jahre gegeben hat.
In Deut 26:18 + 19 lesen wir „Du wirst auf alle seine Gebote achte; er soll dich als Volk auswählen, das er geschaffen hat – zum Lob, zum Ruhm, zur Zierde. Und du wirst ein Volk werden, das ihm, dem Herren, deinem Gott heilig ist, wie er es zugesagt hat.“
Doch etwas fehlt noch. Es scheint, als würde das Volk Israel, in der Situation brav versuchen, alle Gebote einzuhalten, um das gute Leben, das Gott ihnen versprochen hat, nicht aufs Spiel zu setzen. Aber, es scheint noch etwas zu fehlen. Wir Juden nennen es die „neschama“, die Seele. Noch fehlt die Seele.
Es scheint, als hätte das Volk Israel es noch gar nicht so recht verinnerlicht, was ihm bisher an Wundern geschehen ist: Die Errettung aus der Sklaverei, die Teilung des Schilfmeeres, die Offenbarung am Berg Sinai, die regelmässige Verpflegung mit Manna, Wasser das aus Felsen quoll, wann immer sie kurz vor dem Verdursten waren. Sie über Völker siegten, die grösser waren als sie …. Gott hat sie immer sicher geführt und beschützt.
Heute, gegen Ende seiner ergreifenden Rede zum Abschluss seines Lebens, darf uns Moses noch ein wunderbares Geschenk im Namen Gottes machen. In Deut 29:2 + 3 lesen wir: „Mit eigenen Augen hast du jene schweren Prüfungen, die großen Zeichen und Wunder gesehen. Aber einen Verstand, der wirklich erkennt, Augen, die wirklich sehen, und Ohren, die wirklich hören, hat der Herr euch bis zum heutigen Tag nicht gegeben.“
Seit diesem Tag verfügen wir über einen von Gott gegeben wachen und kritischen Verstand. Wir müssen dieses unglaubliche Geschenk nur zu nutzen und zu unserem Wohl und zu dem unserer Mitmenschen einzusetzen wissen.
Dank diesem Verstand, der uns in jeder Situation hilft, zu entscheiden. Freie Menschen, die über viele Geschenke verfügen, diese Freiheit zu nutzen.
Shabbat Shalom!
Kategorien:Religion
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