Wajelech, Deut 31:1 – 30

ב“ה

5./6. Tischri 5783                                                               30.9./1.10. 2022  

Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)                                17:46

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                           19:01

Shabbateingang in Zürich:                                                                  18:50

Shabbatausgang in Zürich:                                                                 19:51

Shabbateingang in Wien:                                                                   18:18

Shabbatausgang in Wien:                                                                  19:20

Der heutige Shabbat, der zwischen Rosh Hashana und Yom Kippur liegt, wird auch als „Shabbat Shuva“ bezeichnet. Der Name geht zurück auf den Beginn der heutigen Haftara Hosea 14:2 – 10, die mit den Worten שׁוּבָה יִשְׂרָאֵ֔ל – shuva Israel, kehre zurück Israel, beginnt. Früher gab es nur an zwei Shabbatot Lehrvorträge der Rabbiner. An Shabbat Shuva und an Shabbat Gadol, dem Shabbat vor dem Pessachfest. 

Die Tage zwischen Rosh Hashana und Yom Kippur sind dem grossen Thema Umkehr, Reue und Vergebung gewidmet. Vergebung durch Gott, die im Neu- oder Wiedereintrag in das Buch des Lebens gipfelt. Hosea beschreibt seinem Text wie wundervoll die Vergebung durch Gott ist, grösser umfassender und nachhaltiger als die, die uns durch einen Menschen gewährt werden kann. 

Die überbordende und gleichzeitig stille Freude des Neujahrsfestes weicht in diesen Tagen vor Yom Kippur einer besinnlichen Stille, in der jeder aufgefordert ist, mit sich selbst ins Reine zu kommen und einen Neuanfang zu wagen. 

Den wagt auch Moses, wenn nicht für sich, weil er weiss, dass sein Ende nahe ist, sondern für das Volk Israel.

Heute erleben wir Moses, den grössten aller Propheten, in dem Moment, in dem er quasi den Staffelstab an seinen Nachfolger weitergibt. 120 Jahre alt ist er geworden. 

Es wirkt befremdlich, dass wir schon seit Langem nichts mehr von seinen beiden Söhnen, Gershom und Eliëser gehört haben. Beide Söhne sind Kinder von Moses und seiner Frau Zippora und wurden noch in Ägypten geboren. 

Noch einmal sind wir der ganzen Familie des Moses begegnet, im Ex 18:1 – 27 haben wir von einem Besuch am Mosesberg im Sinai gehört. Jitro, sein Schwiegervater hatte ihm eine Lektion in Sachen Delegieren von Managementaufgaben erteilt und Moses hatte die ersten Richter eingesetzt. Diese sollten ihn bei der Rechtsprechung entlasten. 

Ganz so, als ob Gott Jitro nur mit dieser Absicht zu Moses geschickt hatte, verabschiedete er sich nach der erfolgreichen Mission wieder und kehrte nach Midian in seine Heimat zurück. Ob seine Ehefrau und seine Söhne mit ihm zogen, erfahren wir nicht. Aber wir müssen davon ausgehen, denn sie bleiben während der gesamten weiteren Wüstenwanderung unsichtbar. 

Am Ende seines Lebens ist Moses allein, seine Schwester, sein Bruder, seine zweite Frau, alle sind bereits lange vor ihm verstorben. Mit dem Wissen und dem Vertrauen auf Gottes Güte und Zuverlässigkeit beruhigt er sein Volk, das sicher angesichts dieses Generationswechsels etwas nervös ist. Der Herr, dein Gott, zieht selbst vor dir hinüber, er selbst vernichtet diese Völker bei deinem Angriff, sodass du ihren Besitz übernehmen kannst. Joshua zieht vor dir hinüber, wie es der Herr zugesagt hat.“ Und etwas später stimmt er sie nochmals darauf ein, dass sie nie Angst haben müssen, wenn sie die Gebote einhalten. „Empfangt Macht und Stärke: Fürchtet euch nicht und weicht nicht erschreckt zurück, wenn sie angreifen; denn der Herr, dein Gott, zieht mit dir. Er lässt dich nicht fallen und verlässt dich nicht.“

Mit den gleichen Worten „Empfange Macht und Stärke“ übergibt er Joshua das, was ihn während der Zeit in Ägypten und auf dem Weg durch das Schilfmeer und auf der langen Wüstenwanderung über alle Probleme getragen hat: Den Glauben und das Ur-Vertrauen an Gott. Und wie der wohlmeinende Vater seinen noch unsicheren Nachfolger tröstet und zugleich stärkt, beendet er seine Amtsübergabe „Du sollst dich nicht fürchten und keine Angst haben.“

Interessant ist es, dass erst jetzt, nachdem das ganze Volk Zeuge des Generationenwechsels war, Gott sich noch einmal direkt an Moses wendet. Noch einmal erscheint er ihm als Wolkensäule vor dem Allerheiligsten. Er diktiert Moses das letzte Lied, das wir in der kommenden Woche lesen werden und setzt nun auch selbst Joshua als Nachfolger ein. Ein drittes Mal lesen wir die Worte „Empfange Macht und Stärke.“

Damit ist der vierte und letzte Bund zwischen Gott und dem Volk Israel geschlossen. Die Menschen werden nicht immer alles verstehen, sie werden, und das ahnt Moses kurz vor seinem Tod, sich immer wieder von Gott abwenden. Es wird Höhen und Tiefen geben, so wie in jeder lebendigen Beziehung. 

Diese Tage zwischen Rosh Hashana und Yom Kippur sind dazu geeignet, unsere Haltung, unsere Position gegenüber Gott zu überprüfen und neu zu verinnerlichen. 

Shabbat Shuva, der Shabbat der Umkehr. Er beinhaltet für uns so viel Hoffnung auf Gottes Vergebung. 

Wir dürfen uns ihrer sicher sein, aber wir müssen, um sie zu erhalten, intensiv an uns arbeiten. 

Shabbat Shalom, Shana tova ve chatima tova!



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