6. Tischri 5783
Geburtstag:
1928 wurde in Sighetu Marmajtiei, Rumänien, Elie Wiesel geboren. Er wuchs in einem streng orthodoxen Milieu auf. 1944 wurde er mit seiner ganzen Familie nach Auschwitz deportiert. Von den Amerikanern wurde er am 11. April 1945 aus dem KZ Buchenwald befreit.
Er wanderte nach Frankreich aus, lernte Französisch und studierte an der Sorbonne in Paris. Sein Denken war zeitlebens stark von seinem talmudischen Studium geprägt.
1948 reiste er zur Staatsgründung nach Israel und berichtete darüber in der französischen Zeitung L’Arche. Ab 1952 war er Korrespondent für die in Tele Aviv erscheinende Zeitung Jedi’ot Acharonot, in deren Auftrag er 1956 nach New York zog und von dort berichtete. 1963 erhielt er die US-amerikanische Staatsbürgerschaft und zog dauerhaft nach New York.
Sein schriftstellerisches Werk setzt sich stark mit seinen Erlebnissen während der Shoa auseinander. Kritik übte er auch stets an der deutschen Öffentlichkeit, die, so seine Meinung, mit Protesten gegen die politische Führung hätte agieren müssen.
Während seine Bücher überwiegend auf Französisch geschrieben wurden, erschien sein Buch «La Nuit» in jiddischer Sprache. Es war der erste Band einer Trilogie, in der der Protagonist «Elisha» als sein literarisches Alter Ego fungierte. Elisha überlebt das KZ. Der zweite und dritte Teil ist nicht mehr autobiografisch, zeigt Elisha zunächst als Terrorist in Palästina und anschliessend bei seiner Wiedereingliederung in die Gesellschaft.
Seine späteren Werke setzen sich mit seinem Leben während des Sechs-Tage-Krieges und dem jüdischen Leben unter der Regierung Stalins auseinander. Aber auch nicht jüdische Themen fanden sich immer wieder bei ihm. So die permanenten Hungersnöte in Afrika und das Leben in Flüchtlingslagern in Kambodscha.
1969 heiratete er die Überlebende der Shoa Marion Esther Rose, eine österreichische Autorin. Ihr gemeinsamer Sohn Shlomo Elisha wurde 1972 geboren.
1972 erhielt er eine Professur an der City University of New York, 1978 folgte eine weitere Professur in Boston. Von 1979 bis 1986 war er Vorsitzender von verschiedenen Holocaust Gedenkstätten in den USA. Über die Frage, welcher Opfer hier gedacht werden sollte, kam es zum Streit mit Simon Wiesenthal. Während Wiesel für eine strikte Konzentration auf die jüdischen Opfer der Shoa plädierte, wollte Wiesenthal auch nicht-jüdischen Opfern einen entsprechenden Raum geben. Historiker wie Howard Zinn und der nicht unumstrittene Norman Finkelstein warfen ihm immer wieder vor, «den Holocaust zu mystifizieren».
1986 erhielt er den Friedensnobelpreis. Im Jahr 2000 sprach er im Deutschen Bundestag am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Im November 2013 wurde er mit der «Präsidenten Medaille» des Staates Israel für sein Lebenswerk geehrt.
Eine Anfrage seitens der israelischen Regierung, ob er die Nachfolge des damaligen Präsidenten Moshe Katzavs antreten wolle, lehnte er im Jahr 2006 mit dem Kommentar «Es ist sehr schmeichelhaft von Ihrer Seite, aber ich bin bloss ein Schriftsteller» ab. Einen zweiten Versuch im Jahr 2014, den der damalige PM Netanyahu lanciert, lehnte er erneut ab und «verbat sich weitere Versuche».
Elie Wiesel verstarb am 2. Juli 2016 in New York.
Diplomatie:
«Präsident» Dr. Mahmoud Abbas, der seit vielen Jahren nicht mehr legitim gewählter und damit in keiner Weiser mehr autorisierter Vertreter der Palästinenser ist, hat sich das Recht herausgenommen, den gewählten und durchaus legitimierten US-Aussenminister Antony Blinken zu beschimpfen.
Bei einem Treffen mit amerikanischen Palästinensern, betonte er die Legitimität der palästinensischen Sache und sagte: «Wir sind gegen Raketen und wir sind gegen Artillerie … Wir sind ein friedliches Volk. Wir wollen unser Recht durch Friedensgespräche erreichen, aber [die USA] wollen [diesen Weg nicht einschlagen].» und betonte «…, dass die palästinensischen Amerikaner die „einzige Hoffnung“ für eine palästinensische Eigenstaatlichkeit seien.»
Abbas selbst berichtete bei diesem Treffen, dass er FM Antony Blinken mit seiner Haltung zur Siedlungstätigkeit Israels in Judäa und Samaria konfrontiert hätte und dringend gefordert habe, den Ansprüchen Israels nicht nachzugeben. Er zitierte sich selbst «Du kleiner Knabe, wirst das nicht tun», wobei er sicher gemeint hat «du Rotzbube, halt dich zurück» [You little boy, don’t do that].
Details über das Treffen wurden zunächst in der Haya Washington Arabic Seite publiziert. Das ist es, was Dr. Abbas am besten kann, sein Gegenüber ad hominem beleidigen und mit dem hoch erhobenen Zeigefinger bedrohen.
PM Yair Lapid wird sich am 3. Oktober mit dem EU-Aussenminister Joseph Borrell treffen. Die beiden Politiker wollen versuchen, die durch die Regierungszeit der rechten Regierung unter dem damaligen PM Netanyahu belasteten Beziehungen wieder aufzufrischen. Die Bemühungen zu diesem Treffen gingen von der EU aus, die einen «Neuanfang» mit Israel machen wollen.
Im Vorfeld wurden die Themen bekanntgegeben, die bei diesem Treffen besprochen werden sollen. «Handel, Klimawandel, Energie, Wissenschaft und Technologie sowie Kultur, stehen auf der Agenda, vor dem Hintergrund globaler Herausforderungen wie der militärischen Aggression Russlands gegen die Ukraine.»
Auch «.. die Achtung der Menschenrechte und demokratischen Prinzipien, der Religionsfreiheit sowie der Kampf gegen Antisemitismus» werden thematisiert werden.
Die Haltung der 27 EU-Staaten gegenüber Israel ist unterschiedlich. Zu erkennen ist dies immer wieder bei Abstimmungen in der UNO, die regelmässig nicht einheitlich von den EU-Staaten erfolgen.
Die neue PM von Grossbritannien Liz Truss kündigte in der vergangenen Woche anlässlich eines Treffens mit PM Yair Lapid in New York an, GB erwäge, die Botschaft von Tel Aviv an Jerusalem zu verlegen. Mit dieser Ankündigung, die ja bereits Teil ihres Wahlkampfes war, stösst sie nicht auf ungeteilte Gegenliebe.
Botschafter der arabischen Staaten, allen voran der VAE und Bahrein kritisierten diesen geplanten Schritt in einem gemeinsamen Brief nach London. Dies ist besonders bemerkenswert, da diese beiden Staaten die Abraham Verträge unterschrieben haben, die eine neue, freundschaftliche Basis zwischen ihnen uns Israel sichern sollten.
Die Araber nannten den Schritt «illegal und unüberlegt». Harsche Kritik kam, wie zu erwarten, auch seitens der Palästinenser. «Jeder Botschaftswechsel wäre ein eklatanter Verstoss gegen das Völkerrecht und die historische Verantwortung des Vereinigten Königreichs. Er untergräbt die Zwei-Staaten-Lösung und entzündet eine bereits instabile Situation in Jerusalem, den übrigen besetzten Gebieten und unter den Gemeinden im Vereinigten Königreich und weltweit. Es wäre katastrophal.»
Kibbuzbewegung:
Nahe der Wüstenstadt Arad, unweit des Toten Meeres soll nach 30 Jahren erstmals wieder ein Kibbuz gegründet werden.
Etwa 100 Familien, die nicht ein «kurzfristiges Abenteuer suchen», sondern an diese alte Lebensform glauben, sollen sich in der nördlichen Negev-Wüste niederlassen, um «den Wüstensand in Ackerland umzuwandeln». Dieser Satz erinnert an die Vision des ersten israelischen PM David Ben Gurion, der davon sprach, die Wüste zu Blühen bringen zu wollen.
Die Entscheidung für die Neugründung fiel in der Dachorganisation der säkularen Kibbuzim, von denen es noch etwa 230 in Israel gibt. Allerdings sollen in der neuen Gemeinschaftssiedlung einige traditionelle Elemente fehlen. So wird es keine Kinderhäuser mehr geben, in denen die Kinder während der Woche übernachteten. Damit sollte zur Frühzeit des Staates Israel gewährleistet werden, dass beide Elternteile sich dem Aufbau des Staates in ihren Arbeitsfeldern widmen konnten. Auch einen gemeinschaftlichen Speisesaal wird man dort vergebens suchen.
Die Stadt Arad hatte sich zunächst den Plänen entgegengesetzt und forderte stattdessen mehr staatliche Unterstützung zur Expansion der städtischen Infrastruktur. Bewilligt wurden sie schliesslich, als es Zusagen gab, auch Wohnraum für Beduinen und ultraorthodoxe Juden zu schaffen.
Im Jahr 2024 sollen die ersten Kibbuzniks einziehen.
Kategorien:Aus aller Welt, Timeline
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