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19./20. Tischri 5783 14./15.10.2022
Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden) 17:28
Shabbatausgang in Jerusalem: 18:44
Shabbateingang in Zürich: 18:22
Shabbatausgang in Zürich: 19:24
Shabbateingang in Wien: 17:50
Shabbatausgang in Wien: 18:52

Mit dem heutigen Shabbat nähert sich die Zeit der Hohen Feiertage im jüdischen Jahreszyklus seinem Ende. Am Sonntag 16.10. abends beginnt in der Diaspora das zweitägige Schlussfest, welches Shemini Azeret und darauffolgend Simchat Torah umfasst.
Heute wird kein spezieller Wochenabschnitt gelesen. Erst am kommenden Montag in Israel und am Dienstag in der Diaspora beenden wir die fünf Bücher Moses mit der Lesung von Deut 33:1 – 34:12 und beginnen wieder mit der Lesung von Gen 1:1 – 2:3.
Fünf Tage haben wir bisher in der Sukka verbracht. In Israel können die Menschen diese Erfahrung viel intensiver erleben. Die Regenzeit hat in der Regel noch nicht begonnen, so dass man in der geöffneten Sukka in den Sternenhimmel schauen kann. Überall dort, wo jetzt schon jederzeit ein heftiger Regenschauer niedergehen kann, muss man froh sein, dass die liebevoll geschmückte Sukka über ein mehr oder minder wasserabweisendes Dach verfügt, das im Bedarfsfall geschlossen werden kann. Nur eben, dass man dann die Mitzwa nicht vollständig erfüllen kann.
Welchen Sinn haben die Sukkot eigentlich? Sind sie nicht ein etwas aus der Zeit gefallenes archaisches Relikt? Bis vor wenigen Jahren boten sie den Landwirten Schutz, wenn sie auf den Feldern übernachten mussten, um das Feld vor diebischen Nachbarn zu schützen, die ihnen die Ernte streitig machen wollten. Es waren einfache Hütten, die nur minimale Sicherheit boten. Ich kenne das Gegenstück aus den Weinbergen an der Mosel, wo um die Zeit der Weinlese Feldwachen für die Sicherheit der liebevoll und mühsam gepflegten steilen Weinberge sorgten. Dort wie im Land Israel sorgten sie dafür, dass die ersehnte Ernte beendet werden konnte. Es war eine Zeit der Ungewissheit, der sich Jahr für Jahr die Menschen voller Vorfreude auf die Erfüllung stellten. Würde noch in den letzten Tagen vor der Ernte ein Unwetter alles vernichten, oder durfte man sich über eine gelungene Ernte freuen?
Shavuot und Sukkot sind in Israel Feiertage, die auch aus dem landwirtschaftlichen Kontext entstanden sind. Es sind die Feste, mit denen wir die zwei Ernten feiern, und Gott dafür danken, dass er sie für uns ermöglicht hat. In der Amida des Minchagebetes bitten wir deshalb zwischen Pessach und Shemini Azeret/Simchat Torah um den für das Gedeihen der Pflanzen notwendigen Tau, bevor kurz nach Sonnenaufgang die Hitze oftmals unerträglich wird. Im Winterhalbjahr bitten wir um eine ausreichende Menge an Wind und Regen.
משיב הרוח ומוריד הגשם מוריד הטל
Der zweite Feiertag gehört ganz und gar der Torah. Natürlich sind wir bei jedem Gebet, bei jedem Gottesdient mit der Torah psychisch und emotional verbunden. An diesem Tag aber dürfen wir unsere Freude über diese Grundlage des jüdischen Lebens auch physisch feiern. Bereits beim Abendgebet und nochmals beim Morgengottesdienst werden alle in der Gemeinde vorhandenen Rollen aus dem Torahschrein genommen. Jeder, der will und kann, darf eine der Rollen tragen und mit ihr zu den Hakafot durch die Synagoge schreiten oder tanzen. Weil dies der Tag ist, an dem die Torah zu uns kommt, haben wir in Israel die Bewohner des benachbarten Altersheimes besucht, die sich in jedem Jahr ganz besonders auf diesen Teil des Festes gefreut haben. Viele Gemeinden sind seit Beginn der Pandemie dazu übergegangen, die Gottesdienste in benachbarte kleine Parks zu verlegen. Der Kreis der Teilnehmer an der Hakafot ist damit um einiges grösser geworden. Immerhin das ist ein positiver Aspekt der Pandemie!
Simchat Torah, das Freudenfest der Torah, soll wirklich ein Freudenfest für alle sein. Während des Morgengottesdienstes werden alle Anwesenden mindestens einmal zur Torah aufgerufen. Es ist eine besondere Ehre für ein Gemeindemitglied, die „Bedingungen“ zu formulieren. Ob man ein Studium abgeschlossen hat, geheiratet hat, ein Kind bekam, oder, ob man, wie es bei unserer Gemeinde einmal formuliert wurde „während der Predigt des Rabbiners eingeschlafen ist“, der Phantasie sind fast keine Grenzen gesetzt. Niemand wird ausgelassen! Und so kann es denn sein, dass es beim Vorlesepult recht eng wird, wenn sich alle dort versammeln, die leider zu keiner der ausgesuchten Gruppen gehört haben. Ausnahmsweise werden auch alle Kinder, die noch nicht Bar/Bat Mitzwa sind, gemeinsam mit ihren Eltern aufgerufen, in kinderreichen Gemeinden eine ganz besondere Herausforderung an die Vorlesenden!
Viele Gemeinden verkaufen die Ehre, das fünfte Buch Moses zu beenden an den Chatan Torah, den Bräutigam der Torah und an Chatan Bereshit, der mit der Lesung des ersten Buches beginnt. Heute ist es zeitgemässer, diese Ehre nicht mehr zu verkaufen, sondern besonders zu ehrenden Gemeindemitgliedern zuteil werden zu lassen. Selbstverständlich als Calla und Chatan, Braut und Bräutigam.
Das Ende von Sukkot stellt die Erfüllung des Jahreszyklus dar, sofern wir zu jenen Gemeinden gehören, die im Laufe eines Kalenderjahres alle fünf Bücher Moses lesen und nicht, wie in anderen Gemeinden, dafür einen dreijährigen Zyklus wählen.
Jerusalem Sonntag Kerzenzünden 17:26 Ende des Feiertages Montag 18:41
Zürich Sonntag 18:19 Montag 19:21 Ende des Feiertages Dienstag 19:19
Wien Sonntag 17:46 Montag 18:49 Ende des Feiertages Dienstag 18:47
Shabbat Shalom, Chag Sukkot sameach und Chag Simchat Torah sameach!
Kategorien:Religion
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