Was geschah am 16. und 17. Oktober?

22. Tishri 5783

Geboren:

1768 wurde in Halberstadt Isrel ben Jacob, später bekannt als Israel Jacobson, geboren. Nach dem Abschluss seiner traditionellen jüdischen Erziehung sollte er entsprechend dem Wunsch seines Vaters Rabbiner werden. Als Nachfolger seines Schwiegervaters übernahm er sowohl dessen Bankgeschäfte als auch die Funktion des Landrabbiners. In dieser Funktion konnte er auch dank seines Reichtums die Lebenssituation anderer Juden verbessern.

Seine Freundschaft zum Herzog von Braunschweig und Lüneburg und die diesem gewährten Kredite steigerten seinen gesellschaftlichen Aufstieg. 1807 wurde unter dem neuen König Jérôme Bonaparte die rechtliche Gleichstellung der Juden festgeschrieben. Israel Jacobson erhielt für die nicht zurückgezahlten Kredite Klöster und Niederlassungen des Deutschen Ordens.

Seine privaten Studien der Schriften von Moses Mendelsohn konfrontierten ihn mit dem nicht mehr zeitgemässen und desolaten jüdischen Schulsystem. 1801 gründete er die Jacobsonsschule. Die Schule, welche zunächst von der christlichen Bevölkerung abgelehnt wurde, nahm wenige Jahre später auch christliche Kinder auf. 

1810 erbaute Jacobson die erste Reform Synagoge, die über eine Orgel verfügte und neben den hebräischen auch deutschsprachige Gebete einführte.

Jacobson verstarb am 14. September 1828 in Berlin.

1886 David Ben Gurion, der spätere erste PM des jungen Staates Israel, wird in Plońs, in Kongresspolen, Russisches Kaiserreich, als David Josef Grün geboren. 

Schon früh wandte er sich dem Zionismus und Sozialismus zu. Unterstützt wurde er dabei von seinem Vater Avigdor, der Vorsitzender einer zionistischen Organisation war.

Während der zweiten grossen Auswanderungswelle aus Polen machte er 1906 Aliya nach Palästina und siedelte sich zunächst in Jaffo an. Dort beteiligte er sich als Journalist am Aufbau des HaShomer, einer militärischen Organisation, die bereits zur Zeit des osmanisches Reiches in Palästina entstand und sich ab 1914 zu einer Untergrundorganisation wandelte. 

Als Folge seiner militärischen Tätigkeit im ersten Weltkrieg wurde er von Osmanen ausgewiesen und zog in die USA. 1918 trat er als Freiwilliger in die Jüdische Legion der britischen Armee ein. Unmittelbar nach dem Ende des Krieges kehrte er zurück nach Palästina. 

In den folgenden Jahren wurde er Gewerkschaftsvorsitzender der neu gegründeten Gewerkschaft Histadrut und arbeitete am Aufbau der Hagana. Die Hagana war der militärische Arm des Zionismus und arbeitete oft im Untergrund.

1935 wurde er zum Vorsitzenden der Jewish Agency gewählt und erwarb sich bald einen Namen als moderater Politiker, der mit den Briten intensiv zusammenarbeitete, nahm aber auch an Aktionen des militanteren Irgun unter Menachem Begin zusammen. So war er an der Planung des Bombenanschlages auf das King David Hotel zwar beteiligt, lehnte aber die Durchführung schlussendlich aus moralischen Gründen ab. 

Am 14. Mai 1948 verlas Ben Gurion die Unabhängigkeitserklärung Israels und wurde am 25. Februar 1949 als erster PM vereidigt. Mit einer Unterbrechung von 1953 bis 1955 hatte er diese Position bis 1963 inne. 

1970 übersiedelte er nach Sde Boker in der Negevwüste, wo er am 1. Dezember 1973 verstarb und neben seiner Frau Paula beigesetzt wurde.

Terror:

1986 wurde der IDF-Pilot Ron Arad, damals 28 Jahre alt, vom Libanesischen Militär nach einem Flugzeugabsturz im Südlibanon verschleppt. Er gilt zwar als offiziell als verschollen, es wird aber allgemein angenommen, dass er zwischen 1988 und 1997 verstorben ist. 

Wahrscheinlich wurde der Absturz seines F-4 Phantom Kampfjets durch eine zu früh explodierte Bombe ausgelöst. Während sich sein Pilot in einer dramatischen Selbstrettungsaktion in Sicherheit bringen konnten, wurde er von einer schiitischen Patrouille gefangen genommen. Die sich über Jahre hinwegziehenden Verhandlungen zwischen Israel und der Hisbollah, die zu seiner Freilassung hätten führen sollen, verliefen erfolglos. 

Ein von den Israelis festgenommener Mittelsmann gab an, dass Arad 1988 an iranische Revolutionsgarden übergeben und von denen wahrscheinlich in den Iran verschleppt worden sei.

Hassan Nasrallah, erklärte 2006, dass Arad wahrscheinlich verstorben, und seine Leiche verschollen sei. An Israel übergebene Knochen ergaben bei der DNA-Analyse, dass es sich nicht um sterbliche Überreste des vermissten Soldaten handelte. 2007 wurde ein von ihm geschriebener Brief aus dem Jahr 1986 an seine Familie übergeben.  

Wahlkampf 2022:

Der Vorsitzende der Partei «Religiöser Zionismus», MK Bezalel Smotrich ist vielleicht derzeit noch nicht ganz so intensiv medienwirksam populistisch unterwegs, wie sein Kollege MK Itamar Ben Gvir. Weniger gefährlich ist er aber deshalb nicht. Im Gegenteil!

Seine politische Kompetenz beläuft sich auf wenige Monate als interimistischer Verkehrsminister in der letzten geschäftsführenden Regierung von MK Netanyahu. 

2017 stellte er einen «Unterwerfungsplan» vor, der den Palästinensern zwei Optionen vorschlägt. Sie können das Land verlassen oder als politisch rechtlose «Ausländer» in Israel leben. Jedem Widerstand sollte das Militär auf das Allerschärfste begegnen. Sich auf das Buch Joshua berufend, der nach dem Tod von Moses das Volk Israel in das Land Kanaan führte und die dort lebenden Stämme verdrängte, bezeichnet er die Palästinenser als minderwertig. Seine Aussagen zu ethnischer Säuberung, Apartheid und Völkermord, sowie zur Todesstrafe von Terroristen sind politisch, moralisch und ethisch dermassen unhaltbar, dass er aus der Politik ausgeschlossen werden müsste. Bei seinem Beliebtheitsgrad im rechtsextremen Block, kein einfaches Unterfangen!

Nach den Wahlen rechnet er fest damit, dass seine Partei in der Regierung von MK Netanyahu zwischen drei und fünf Portfolios erhalten wird. Seine Vorstellung ist, dass seine politischen Nobodys die Ressorts Verteidigung, Finanzen, Transport und Justiz beanspruchen werden. Leider ist es so, dass ohne die Regierungsbeteiligung dieser im Prinzip nicht wählbaren Partei keinerlei Chance für MK Netanyahu besteht, eine Regierungsmehrheit zu bekommen. Und für die, das wissen wir aus der Vergangenheit, tut er alles und macht sich erpressbar. 

Der palästinensische PM, Mohammed Shtayyeh hat bei einem Treffen mit dem neuen ägyptischen Gesandten Kairo dringend aufgefordert, «israelische Gewalt und Kriminalität gegen Palästinenser zu stoppen». Diese würden derzeit verstärkt ausgeübt, weil sich die israelischen Politiker davon eine verbesserte Position im Wahlkampf erhofften. «Palästinensisches Blut befeuert den Wahlkampf!» Dies ist zwar eine enorm emotionelle Rede, aber von vornherein falsch und gelogen. 

Geschichte:

Es war der Traum vom ersten PM David Ben Gurion, «die Wüste zum Blühen zu bringen» doch tatsächlich haben bereits die Nabatäer in der Zeit von 312 BCE bis 328 CE jeden Flecken in der staubtrockenen Wüste ausgenutzt, um dort zu siedeln. Um 500 BCE haben sie sich, wahrscheinlich aus Arabien kommend, in Edom und Petra, auf heute jordanischem Gebiet in der Nähe des Toten Meeres gelegen, niedergelassen. Zweimal versuchten die ursprünglich dort lebenden Menschen, die Nabatäer zu vertreiben, zweimal wurden sie vernichtend geschlagen. Der sizilianische Historiker Dioderus beschreibt sie als Volk, das nicht sesshaft ist, keine Landwirtschaft betreibt, keine festen Siedlungen baut, und trotzdem wirtschaftlich grossen Erfolg hat.

Um 150 BCE wurde aus den Stämmen ein Königreich, mit der Hauptstadt Petra. Das Geheimnis ihres Erfolges und ihre Überlebenschance in diesem unwirtlichen Gebiet liegt in der Erfindung einer speziellen Bewässerungsform, der Sturzwasserbewässerung.  Ausführlich beschreibe ich die Nabatäer in der Negev Wüste in meinem oben verlinkten Blog. 

Seit Millionen Jahren war der Negev die Wanderroute für Hominiden, unseren vorgeschichtlichen Vorfahren. Lange Zeit war man überzeugt, dass es ganz sicher die Nabatäer waren, die dort siedelten, heute ist man eher der Meinung, dass es christliche Byzantiner waren. 

Man ging davon aus, dass die Städte der Nabatäer immer genau so weit voneinander entfernt lagen, dass man sie innerhalb einer Tagesreise erreichen konnte und, dass sie die Städte im Negev mit dem Hafen in Gaza verbanden. Sorgfältige Vermessungen und Grabungen haben nun ergeben, dass es ein ganzes Strassennetz war, das die Siedlungen miteinander verband. Was nach wie vor unangetastet bleibt, ist die Erkenntnis, dass es das Sturzwassersystem war, das die Landwirtschaft erst ermöglichte. 

Im sechsten Jahrhundert begannen die Siedlungen und Städte im Negev zu verfallen. Den Grund hierzu kennt man bis heute nicht. Es kann sein, dass der römische Kaiser aufgehört hat, die Truppen zu finanzieren, so dass sie der Armut anheimfielen und von den Almosen der Nachbarn abhängig wurden. 

Es kann sein, dass Epidemien nun anschliessende Eroberungen der Grund waren. Tatsache ist, dass eine erfolgreiche und hochstehende Kultur in der Wüste damit ihr Ende fand.

Kriegsmaschinerie:

Der Iran plant, Russland mit Boden-Boden-Raketen zu beliefern. Sie sollen eingesetzt werden, um das russische Waffenarsenal wieder aufzufüllen, welches gegen zivile Ziele in der Ukraine abgeschossen werden sollen. 

Aus dem Pentagon wurde bestätigt, dass bereits Dronen an iranischen Luftschlägen gegen die Ukraine beteiligt sind. 

Die nun zur Verfügung gestellten Fateh-110 und Zolfaghar Raketen haben eine Reichweite zwischen 300 und 700 km. Einige der Raketen tragen neben der iranischen aufgemalten Flagge auch die Aufschrift in Hebräisch«Israel muss von der Erde getilgt werden».

Politische Hybris:

Donald Trump zeigt sich einmal mehr beleidigt, dass von den in den USA lebenden Juden nicht genug gewürdigt worden sei, was er alles für das Land Israel getan hätte. Er forderte die Juden auf, sich endlich zusammenzureissen und zu schauen, dass er die entsprechende Würdigung erhalten würde «bevor es zu spät sei».

Was er mit dieser Drohung zum Ausdruck bringen wollte, verbirgt sich hinter seinen weiteren Worten. «In Israel geniesse ich eine derartig hohe Zustimmung, dass ich leicht zum PM gemacht werden könnte.»

Mir fällt dazu nur ein, Gott schütze Israel!



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