Noach, Gen 6:9 – 11:32

ב“ה

3./4. Cheshwan 5783                                                          28./29.10. 2022  

Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)                                17:13

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                           18:30

Shabbateingang in Zürich:                                                                  17:57

Shabbatausgang in Zürich:                                                                 19:01

Shabbateingang in Wien:                                                                   17:24

Shabbatausgang in Wien:                                                                  18:28

Zehn Generationen sind vergangen, seit Adam und Eva von Gott aus dem Garten Eden vertrieben worden sind. Noch einmal so lange wird es dauern, bis Abraham sich, von Gott aufgefordert, auf den Weg nach Kanaan macht.

Zu Beginn dieses Wochenabschnittes hören wir von Noach, jenem Mann, der als Einziger Gnade in den Augen Gottes fand. Was machte ihn so besonders unter den Menschen? Als Noach geboren wurde, war sein Vater Lamech 182 Jahre alt. Bei der Geburt seines Sohnes sagte er Er wird uns aufatmen lassen von unserer Arbeit und von der Mühe unserer Hände um den Ackerboden, den der Herr verflucht hat.“ Er gab ihm den Namen Noach, abgeleitet vom Verb ruhen לנוח lanuach. Es scheint, als ob auf Noach schon bei seiner Geburt ein klares Schicksal wartete, die Erlösung vom göttlichen Fluch, der seit den ersten Menschen auf uns lastete. 

Nun, zumindest, was die Familienplanung angeht, liess sich Noach tatsächlich Zeit. Er war ein alter Vater, der im Alter von 500 Jahren seine drei Söhne Sem, Ham und Jafet zeugte. Interessant ist, dass in Gen 6:2 stand „Die Söhne der Götter sahen, dass die Töchter Adams attraktiv waren, und sie nahmen sie zu ihren Frauen, wann immer sich die Möglichkeit ergab.“ Es muss ein zügelloses Treiben auf der Erde gewesen sein, kein Wunder, dass Gott, der Inbegriff von Moral und Ordnung, damit nicht zufrieden war!

Und so kündigt er an, die Welt mit allen Wesen aus Fleisch und Blut zerstören zu wollen. War das das Ende des göttlichen Projektes? Zunächst scheint es so. Doch dann besinnt er sich, es wäre ja auch zu schade gewesen, alles Leben in Bausch und Bogen zu beenden, das er so liebevoll und mit Bedacht geschaffen hatte. 

Wir kennen die Geschichte von der Arche, die Noach strikt nach den Plänen Gottes baute und auf die er anschliessend jeweils paarweise die Tiere einlud. Von den reinen Tieren jeweils sieben Paare und von den unreinen jeweils nur eines. Auch seine Familie quartierte sich auf dem Riesenboot ein. Nahrung für Mensch und Tier war mit an Bord, bevor sich die Tore schlossen. Gott kündigte an, dass er in den kommenden vierzig Tagen alles Leben auf der Erde vernichten würde. 

Hier hören wir erstmals von der Zahl vierzig, die immer wieder bei bedeutenden Ereignissen in der Torah auftaucht: 40 Tage dauert die Sintflut, 40 Tage wird Moses auf dem Berg Sinai verbringen, 40 Jahren wandern die Kinder Israels durch die Wüste, 40 Tage ist die Frau nach der Geburt eines Knaben „unrein“, bei der Geburt einer Tochter sind es 2x 40 Tage. So kann die Zahl 40 als Zahl für eine Prüfung gesehen werden, für eine Bewährung, aber auch als Initiation. Diese Zuschreibung finden wir auch im Leben von Moses, dem grössten aller Propheten. Vierzig Jahre dauert sein Leben, bis Gott ihn als seinen Sprecher bestellte. Vierzig Jahre wurde er auf in verantwortungsvolles Amt eingeführt und vierzig Jahre dauerte die Wanderung aus Ägypten bis zum Erreichen des versprochenen Landes. Moses lebte 120 Jahre und das ist das Alter, das Gott für den Menschen festsetzt (Gen. 6:3).

Nachdem die Wasser verlaufen waren und Noach mit seiner Familie und allen Tieren die Ache verlassen konnte, brachte er als erstes ein Brandopfer dar. Es war ein gottgefälliges Werk und Noach, der alle Vorschriften eingehalten hatte, war der Garant dafür, dass Gott den Menschen nicht mehr zürnte. „Solange die Erde besteht, sollen Aussaat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht sich abwechseln.“ Gott ist vorausschauend genug, nicht zu bestimmen, wie lange die Erde bestehen wird. Er tut gut daran, denn wüssten wir, dass das Ende des Erdzeitalters nahe ist, wäre es durchaus möglich, dass wir dieses grossartige Geschenk vernachlässigen würden. 

Gott besiegelt den Bund mit Noach, und verspricht, fortan die Menschen zu schützen. Wenn sie sich an seine Vorgaben halten. Auch wenn es hier noch nicht ausdrücklich ausgesprochen wird, aber wir erkennen das Verbot des Mordens. „Wer Menschenblut vergiesst, dessen Blut wird durch Menschen vergossen. Denn: Als Abbild Gottes hat er den Menschen gemacht.“ (Gen 9:6) 

Als Sinnbild des Bundes verspricht er, uns den Regenbogen zu schicken. Welches Kind versucht nicht, zum Ende des Regenbogens zu laufen und dort nach dem verborgenen Schatz zu graben? Der Bogen, der in den Spektralfarben schimmert, begeistert jeden, der ihn sieht. Zeigt er doch in der Regel an, dass das Gewitter und der Regen vorbei sind und die Sonne wieder scheinen wird. 

Gott hätte kein schöneres Symbol für den Bund wählen können, den er mit uns geschlossen hat. 

Shabbat Shalom



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