Was geschah am 6. November?

12. Cheschwan 5783

Null Toleranz für Antisemitismus:

2000 organisierten einige Mitglieder der marokkanischen Regierung verschiedene Veranstaltungen. Das Ziel war es, mit Lesungen und Diskussionen für den Respekt gegenüber allen Religionen im Land zu werben.

Juden leben in Marokko seit vielen Jahrhunderten, vor dem Zweiten Weltkrieg lag die Zahl bei etwa 225.000. Der damalige König, Mohammed V, traf mit Vertretern von Nazideutschland und Vichy Frankreich zusammen und hielt dort fest, dass es in seinem Land keine Juden und keine Moslems gäbe, sondern nur Marokkaner. So konnte er die Juden vor der Deportation schützen, nicht aber vor der ständigen Herabwürdigung durch die Franzosen. Es gab kleinere Pogrome und wirtschaftliche Boykottmassnamen. 

1956 erklärte Marokko seine Unabhängigkeit und die Auswanderung der Juden nach Israel wurde bis zum Jahr 1963 gestoppt. Halb im Verborgenen blühte der nicht-politische Antisemitismus. 

Noch vor seinem Tod im Jahr 1999 tat König Hassan alles, um «seine Juden» zu schützen, so dass man sagen kann, dass bis heute Marokko eines der tolerantesten Länder gegenüber Juden in der moslemischen Welt ist. Die jüdische Gemeinschaft ist in der Verfassung als Teil der Gesellschaft angeführt. 

Trotzdem gab es im Jahr 2003 einige Terroranschläge gegen die jüdische Gemeinde in Casablanca.

Marokko ist unbestritten der zuverlässigste Freund Israels. Die aktuellen Verträge zwischen Israel und verschiedenen arabischen Staaten wurden, wenn auch nicht offen, massgeblich vom derzeitigen König mit ausgehandelt. 

1986 begrüsste er den damaligen PM Shimon Peres, s’’l, und 1993 PM Jitzchak Rabin, s’’l, in seinem Land. 

Die hässliche Fratze der Rechten:

1995/2022 Die meisten Israelis zeigen immer noch Zeichen von Traumatisierung, wenn es um das Gedenken an den am 4. November 1995 ermordetet damaligen PM Jitzchak Rabin, s’’l, geht.

Für sie ist das Datum ein Tag des stillen Gedenkens an einen Mann, unter dessen Regierungszeit der Frieden mit den Palästinensern möglich gewesen wäre. An den Mann, der es sogar schaffte, mit PA Präs. Jassir Arafat eine Gesprächsbasis zu finden, der nach seinem gewaltsamen Tod zu einem Beileidsbesuch bei seiner Witwe, Lea Rabin, nach Tel Aviv kam. 

Ein Tod, der von rechten Politikern, Fanatikern und Extremisten gefordert und herbeigeführt wurde. Beteiligt an diesen Aufrufen waren auch «ehrbare» Politiker, wie MK Benjamin Netanyahu und MK Itamar Ben-Gvir. Ihre Rollen im Vorfeld der Ermordung sind belegt und können nicht weggewischt werden. 

Anhänger dieser extremistischen Politiker haben am gestrigen Gedenktag an einer Brücke bei Netanya ein Transparent aufgehängt, auf dem zu lesen stand «Happy Rabin murder day!».

Hier zeigt sich die hässliche Fratze der rechten Extremisten, die in wenigen Wochen die Regierung des Staates Israel übernehmen werden. Keiner wehrt sich dagegen, keiner nimmt Stellung. Das wäre das Mindeste gewesen, was sofort von MK Netanyahu zu erwarten gewesen wäre. Doch der schweigt. Um 15 Uhr fand eine Gedenkveranstaltung am Herzl Berg statt, eine Sondersitzung der Knesset ist für 17 Uhr geplant. 

An der offiziellen Gedenkstunde heute Nachmittag werden Präsident Isaac Herzog, PM Yair Lapid, Knesset-Sprecher Mickey Levy, die Chefin des Obergerichtes Esther Hayut teilnehmen. Mitglieder der Familie Rabin habe beschlossen, zwar an der Veranstaltung teilzunehmen, aber erstmals keine Rede zu halten. Sie möchten nicht in die peinliche Situation gebracht werden, in die Diskussionen zum Wahlausgang hineingezogen werden. 

Die heutigen Reden hatten alle einen gemeinsamen Grundtenor. Hass und Gewalt sind einer Demokratie nicht zuträglich. «Gewalt schafft Gewalt», sowie der zweite Tempel auf Grund von Hass und Gewalt zerstört wurde und es scheint sich seither nicht viel geändert zu haben. Präsident Isaac Herzog zeigte sich besorgt auf Grund der wieder aufgeflammten Zeichen für Aufruhr, Hass und Gewalt, die das Fundament jeder Demokratie untergraben. 

«Der Staat Israel», so sagte er, «ist verpflichtet, weiterhin im Sinne der Unabhängigkeitsdeklaration zu handeln.»

27 Jahre nach dem gewaltsamen Tod dieses wunderbaren, grossen Staatsmannes, der die Vision vom Frieden noch wenige Minuten vor seiner Ermordung formulierte, hat sich Israel zu einem Staat gewandelt, in dem wieder Hass und Gewalt herrschen. Beides wird ab sofort wieder Teil der Politik sein,

Das ist nicht nur gefährlich, sondern es tut auch weh, dies erleben zu müssen. 

Amtsübergabe:

PM Yair Lapid hat zugesichert, die Übergabe des Amtes an den neuen PM reibungslos zu gestalten, wenn dieser die Regierung gebildet hat und vereidigt werden kann. 

Bei seiner Rede auf dem Herzl Berg betonte er nochmals, dass er unter keinen Umständen in einer Regierung mit MK Netanyahu sitzen wird. 

«Yitzhak Rabin, s’’l, war ein Krieger für den Frieden, ich bin ein Soldat für die Demokratie. Wir werden von der Oppositionsbank aus weiterkämpfen, bis wir wieder an der Macht sein werden. Wir werden die Demokratie Israels um jeden Preis verteidigen»



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