26. Cheschwan 5783
Geschichte:
1977 sprach der damalige ägyptische Präsident Anwar as-Sadat (25.12.1918 – 6.10.1981) als erstes Staatsoberhaupt eines islamischen Staates vor der Knesset in Jerusalem. Das gegenseitige Misstrauen war noch gross. Offiziell befanden sich die beiden Staaten nach dem Yom-Kippur-Krieg (6. 10. – 26.10.1973) noch im Kriegszustand. Dieser hatte mit der Resolution 338 mit einem Waffenstillstand geendet. Trotz der Niederlage war der Krieg für den ägyptischen Präsidenten ein Sieg. Er hatte gezeigt, dass Ägypten für Israel ein ernst zu nehmender Kontrahent war. Eine sehr gute Basis für erste zaghafte Verhandlungen, in die er nun selbstbewusst eintreten konnte. Doch nur wenige Jahre später bezahlte er seine Verhandlungen mit seinem Leben.
Mit Präs. Anwar as-Sadat zusammen landete Minister Boutros Boutros-Ghali, der spätere UN-Generalsekretär in Tel Aviv. Zu der Zeit war er Minister im Aussenministerium und galt als einer der Befürworter von Friedensverhandlungen und dem späteren Camp David Abkommen.
Am Vormittag besuchte er die al-Aksa Moschee auf dem Tempelberg, die Grabeskirche und Yad VaShem. Eine Symbolik, die seine Rede am Nachmittag antizipierte, in der er für Juden, Christen und Moslems in Israel sprach. Im Parlament in Kairo hatte er vor seinem Besuch gesagt «Ich bin bereit, bis ans Ende der Welt zu gehen, sogar in die Knesset, wenn ich damit den Tod eines einzigen ägyptischen Soldaten verhindern kann.» Der israelische PM Menachem Begin, s’’l, reagierte prompt. Er wandte sich im Radio an die Ägypter «Es wird mir eine Ehre sein, Ihren Präsidenten willkommen zu heißen mit der traditionellen Gastfreundschaft, die wir von unserem gemeinsamen Stammvater Abraham geerbt haben.»
Ich möchte von der ganzen, beeindruckenden Rede nur einen Absatz zitieren «Meine Damen und Herren, es gibt Momente im Leben von Nationen und Völkern, in denen diejenigen, die für ihre Weisheit und ihren klaren Blick bekannt sind, die Pflicht haben, die Vergangenheit mit all ihren Komplexitäten und schweren Erinnerungen zu übersehen und sich mutig auf neue Horizonte zuzubewegen. Wer wie wir die uns anvertraute Verantwortung trägt, sollte als erster den Mut haben, schicksalsbestimmende Entscheidungen im Einklang mit den Umständen zu treffen. Wir alle müssen uns über alle Formen von Fanatismus, Selbsttäuschung und überholten Überlegenheitstheorien erheben.»
1978 erhielt er gemeinsam mit dem israelischen PM Menachem Begin, s’’l, den Friedensnobelpreis.
1979 wurde der Friedensvertrag zwischen den beiden Staaten geschlossen.
1981 starb Präsident Anwar as-Sadat durch die Kugeln von Chalid Islambuli, einem Moslembruder. Zusammen mit ihm starben weitere sieben Gäste der Militärparade, die an die Überquerung des Suezkanals zu Beginn des Yom-Kippur-Krieges erinnern sollte.
Geschlechtertrennung:
In Schwimmbädern gibt es eigene Öffnungszeiten für Frauen mit Kindern und für Männer, an den Stränden teilen weit ins Wasser hinausragende Trennzäune die Bereiche für weibliche und männliche Besucher. In Synagogen sitzen die Frauen oben auf einer eigens eingerichteten, oft noch mit einem Holzgitter verkleideten Empore. Oder zumindest werden sie im Erdgeschoss in einen strikt abgetrennten Winkel oder hinter einen Vorhang verbannt. In manchen Stadtvierteln in Jerusalem dürfen Frauen nur die hinteren Reihen in den Linienbussen benutzen. Und nicht nur einmal konnte ein Linienflugzeug nicht starten, weil «fromme Männer» sich weigerten, neben Frauen zu sitzen.
Wir schreiben das Jahr 2022!!!
In Israel haben die orthodoxe Partei United Torah Judaism und die nationalistisch-extreme Partei Religious Zionismus einen Antrag eingebracht, bei öffentlichen Veranstaltungen die Geschlechtertrennung einzuführen. Alle diese Geschlechtertrennungen widersprechen den Gesetzen gegen Diskriminierung.
Der noch amtierende PM Yair Lapid verglich den Antrag mit der derzeitigen Situation im Iran. «In einer Zeit, in der mutige Frauen im Iran für ihre Rechte kämpfen, versuchen in Israel [Religiöser Zionismus-Parteiführer Bezalel] Smotrich und seine ultraorthodoxen Nationalisten, Frauen hinter Barrieren zu stellen und die Trennung von Männern und Frauen zu legalisieren. Wo ist Likud? Warum schweigen sie? Das ist nicht der Iran.»
Bereits im Jahr 2019 war ein gleichlautender Antrag von UTJ an den damals ebenfalls designierten PM Benjamin Netanyahu gestellt worden. Damals hatte er den Antrag angenommen, es gelang ihm aber nicht, eine Koalitionsregierung zu bilden.
We will be back!!
Der noch amtierende PM Yair Lapid betonte anlässlich der wahrscheinlich letzten wöchentlichen Ministerratssitzung am heutigen Sonntag «Meine Minister, es war mir eine Ehre, diesem Land und seinen Bürgern zusammen mit Ihnen zu dienen. Wir werden früher als Sie denken wieder in diesem Raum sein.Während ihrer kurzen Amtszeit hat diese Regierung 1.613 Entscheidungen getroffen, die alle Lebensbereiche abdeckten und alle zum Wohle der Bürger Israels waren. Wir haben nicht nur im Namen derer gehandelt, die uns gewählt haben.».
Wir freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen!!
Kategorien:Aus aller Welt, Timeline
Sadat sagte damals: Ich habe den Sinai für ein Stück Papier erhalten. Nach islamischer Lehre bedeutet ein solcher Vertrag nur Waffenstillstand, nicht Frieden.
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Das hat er möglicherweise an anderer Stelle gesagt.
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