27. Cheschwan 5783
Koalitionsverhandlungen:
Ein Sonntagnachmittag Spaziergang, wie es der designierte PM Benjamin Netanyahu wohl gehofft und auch vollmundig verkündet hatte, werden die Verhandlungen nach den Wahlen vom 1. November nicht werden.
Nach problematischen Gesprächen mit dem Vorsitzenden der Shas Partei, MK Aryeh Deri, der unbedingt Finanzminister werden will, aber dazu erst einmal einen Dispens vom Wahlkomitee haben muss, tun sich immer neue Gräben auf. Am Wochenende verkündete MK Itamar Ben-Gvir, dass er sich mit seiner Partei Otzma Yehudit wieder vom Wahlbündnispartner Religious Zionism und dem Mini Anhängsel Noam getrennt hat.
Der Vorsitzende von Noam, MK Dror Aryeh muss bei den Verhandlungen nur für sich selbst sprechen, seine Partei wird nur durch ihn selbst in der Knesset vertreten.
Für viel Kopfweh sorgt aber MK Bezalel Smotrich, der jeden Tag mit neuen Forderungen kommt und die Verhandlungen dadurch immer wieder blockiert. Neben dem Verteidigungsministerium, auf dem er besteht, das er aber vom designierten PM Benjamin Netanyahu nicht bekommen wird, liebäugelt er mit dem Finanzministerium. Auch das will der designierte PM ihm lieber nicht anvertrauen.
Am heutigen Montag hat MK Bezalel Smotrich dem Likud Chef mitteilen lassen, dass er unter bestimmten Bedingungen gewillt wäre, auf das Verteidigungsministerium zu verzichten. Er bietet an, zusätzlich zum Finanzministerium alle Agenden des Verteidigungsministeriums zu erhalten, die mit dem Gebiet von Judäa und Samaria verbunden sind. Was die beiden Ministerien miteinander zu tun haben, ist nicht erklärbar. Ausser, dass diese Kombination, die ihm vorschwebt, zu einer Machtkumulation sondergleich führen würde. Unglaublich! So bekäme er beides, das Finanzministerium und durch die Hintertür auch einen wesentlichen Teil des Verteidigungsministeriums.
MK Itamar Ben-Gvir hat nun das Ministerium für die Entwicklung des Negev und Galiläas ins Auge gefasst. Auch das ist schon für einen anderen Kandidaten vorgesehen, sodass er sich jetzt zunächst einmal vom Verhandlungstisch verabschiedet hat. Vorher hat er sich noch mit der Aufforderung an den designierten PM gewandt, um des lieben Friedens willen das Amt des Verteidigungsministers an seinen ehemaligen Plattformpartner zu geben.
Am heutigen späten Nachmittag gab es widersprüchliche Aussagen. Einerseits wurde berichtet, dass eine Einigung zwischen dem designierten PM Benjamin Netanyahu und den MK Itamar Ben-Gvir, Bezalel Smotrich und Aryeh Deri erzielt wurde und die Portfolios verteilt worden seien. Kurz darauf betonte der designierte PM in seiner ersten Rede vor der neuen Knesset, dass jede Regierungsbildung das Ergebnis eines Mehrheitsbeschlusses sei.
Vielleicht gibt es im Laufe des Abends oder morgen weitere Informationen.
Diplomatie:
Das Internationale Rote Kreuz übt, gemeinsam mit anderen nicht genannten Gruppierungen, Druck auf Israel aus, die Grenze zu Syrien auf dem Golan endlich wieder zu öffnen.
Der geistige Führer der Drusen in Israel, Sheikh Mowafaq Tarif erklärte, schon seit geraumer Zeit mit den russischen und israelischen Behörden in Kontakt zu sein, um dieses Problem zu lösen.
Betroffen von der Schliessung sind hauptsächlich Studenten, die aus den drusischen Dörfern auf dem Golan regelmässig an die Universitäten nach Damaskus reisen und dazu den Grenzübergang Quneitra nutzen möchten. Der Ort wurde 1974 fast vollständig zerstört und wird heute von der UNDOF gemeinsam mit syrischen Polizisten kontrolliert.
Der Grenzübergang wurde zu Beginn des syrischen Krieges geschlossen, nachdem syrische Rebellen den Übergang im Jahr 2014 besetzten. Ein philippinischer UNO-Soldat wurde im Zuge der Kämpfe verletzt. In der Folge zogen die österreichischen Blauhelme von ihrem Stützpunkt ab. Im Juli 2018 eroberte die syrische Armee den Stützpunkt erneut.
Seit Oktober 2018 ist der Übergang für UNO-Mitarbeiter wieder geöffnet.
In den vergangenen Jahren wurden auch immer wieder verletzte Syrer zur Grenze gebracht, dort von israelischen Soldaten entweder im zeitweise bestehenden Feldlazarett behandelt oder in ein nordisraelisches Krankenhaus zur weiteren Behandlung gebracht.
Chanukka:
In diesem Jahr fällt Chanukka, das Fest, das an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem erinnert, wieder einmal mit Weihnachten zusammen. Es beginnt am Abend des 18. Dezembers und endet am Abend des 26. Dezembers.
Christliche Kinder verderben sich in der Weihnachtszeit oft den Bauch, weil sie zu viele der wunderbaren hausgemachten Weihnachtskekse verspeist oder zu viel vom kalorienreichen Weihnachtsstollen genascht haben. Jüdische Kinder haben an Chanukka sehr oft das gleiche Problem.
Was in Europa unter dem Namen «Berliner» oder «Krapfen» bekannt ist, nennt sich in Israel «Sufgania». Die mit Konfitüre, Schoko- oder Vanillecrème gefüllten Köstlichkeiten kosten in Österreich zwischen € 0.59 und € 3.20 pro Stück, ganz ähnlich sind die Preise in der Schweiz.
In Israel wurden die Preise in diesem Jahr kurz vor den Feiertagen um fast 17 % angehoben. Einfache, nur mit Erdbeerkonfi gefüllte Sufganiot, kosten nun durchschnittlich € 1.75, alle anderen werden zwischen € 3.00 und € 4.00 angeboten.
Für kinderreiche Familien stellen die begehrten Leckereien eine ziemliche finanzielle Belastung dar.
Fussball WM:
Jüdische Fussballfans, die anlässlich der Fussball WM nach Qatar geflogen sind, müssen sich auf eine eingeschränkte Verpflegungsmöglichkeit einstellen.
Am Ende der vergangenen Woche kündigte Rabbi Marc Schneier, einer der einflussreichsten Rabbiner in der moslemischen Welt, an, pünktlich zur Eröffnung der Fussball WM in Qatar eine koschere Küche zu eröffnen. Rabbi Schneier, Präsident der «Foundation for Ethnic Understanding», hat sich dafür eingesetzt, die Teilnahme von jüdischen Gästen an diesem Event zu ermöglichen.
«Die Führung des Staates Katar führt eine ‚Mizwa‘ durch, indem sie koscheres Essen für Mitglieder der weltweiten jüdischen Gemeinde verfügbar macht, einschliesslich derjenigen, die aus Israel anreisen. Darüber hinaus haben die Katarer zu jeder Zusage gestanden und sie eingehalten, um jüdische Fans zu dieser prestigeträchtigen Veranstaltung willkommen zu heissen.»
Unmittelbar vor Beginn der Fussball WM hat Qatar diese Zusage zurückgezogen.
Es wird für die in etwa zu erwartenden 10.000 jüdischen Touristen keine gekochten koscheren Speisen geben, sondern nur kalte Bagel Sandwiches. Die Spiele dauern noch bis zum 18. Dezember, so dass auch einige Shabbatot verpflegungsmässig abgedeckt werden müssten.
Eine zweite Zusage, spezielle Räume für gemeinsame öffentliche Gebete, die zur Verfügung gestellt werden sollten, gibt nun auch nicht. Die offizielle Begründung für den Rückzieher, war, dass die Behörden nicht für die Sicherheit der Touristen garantieren könnten.
Eine Gruppe aus den USA hat daraufhin alle bereits getroffenen Reisevorbereitungen storniert.
Kategorien:Aus aller Welt, Timeline
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