Toldot, Deut 25:19 – 28:9

ב“ה

1./2. Kislew 5783                                                            25./26.  Nov 2022 

Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)                               15:56

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                          17:15

Shabbateingang in Zürich:                                                                  16:23

Shabbatausgang in Zürich:                                                                 17:31

Shabbateingang in Wien:                                                                    15:49

Shabbatausgang in Wien:                                                                   16:57

In diesem Wochenabschnitt lesen wir über das Drama des nächsten Geschwisterpaares. 

Isaaks Vater Abraham, der ihn aus Treue zu und Furcht vor Gott fast geopfert hätte, hätte Gott dies nicht gerade noch rechtzeitig verhindert, hinterliess ihn schwerst traumatisiert. Er hatte in kindlicher Naivität gefragt „Vater, wo ist denn das Opfertier, das wir darbringen sollen?“ 

Und hatte dann erkennen müssen, dass er das eigentliche Opfer war. Hat er das seinem Vater jemals verziehen? Seine geliebte Mutter Sara ist an dieser Forderung Gottes zerbrochen. Als Isaak mit seinem Vater wieder zu Hause ankommt, ist sie bereits verstorben. Er hat sich nicht von ihr verabschieden können. Liegt in Saras Leid vielleicht der Grund, dass Abraham mit seinem Sohn nicht zu ihr heimgegangen ist, sondern weiterzog nach Be’er Sheva?

Dieser zutiefst traumatisiert Mann heiratete die Frau, die sein Vater für ihn durch seinen Knecht in seiner alten Heimat aussuchen liess. Psychologisch sind diese Verstrickungen hochinteressant. Der Vater musste auf Befehl Gottes seine Heimat verlassen. Offensichtlich hat er sich aber emotional nie ganz gelöst. Sein Sohn musste statt ihm die Beziehungen fortsetzen, die er nie hat ausleben können. 

Abraham war nicht mehr selbst in der Lage war, die Reise in die alte Heimat zu unternehmen. So beauftragte er einen Diener damit, die Wahl der Braut für den Sohn zu übernehmen. Er wollte, dass sich sein Sohn mit einer Frau aus seinem alten Gebiet verheiraten würde.

Die Geschichte des neuen Paares ähnelt der Geschichte der Eltern. Auch Rebekka, die Frau, die sich Isaak freiwillig anschloss, galt als unfruchtbar. Ganz so, wie ihre Schwiegermutter Sara. Später, im Exil in Gerar gab auch Isaak seine Frau Rebekka als seine Schwester aus, ganz wie Abraham Sarah zweimal es getan hatte, weil beide Angst hatten, dass die Schönheit ihrer Frauen ihn zum Verhängnis werden könnten.

Gott hatte aber auch mit diesem Paar andere Pläne. Er hatte doch Abraham versprochen, er werde ihn und seine Nachfahren zu einem grossen Volk machen. Und Gott, das wissen wir, hält sich an seine Versprechen!

Rebekka wurde schwanger und brachte ein Zwillingspaar, Esau und Jakob, auf die Welt. Bereits vor der Geburt schienen die beiden Knaben ihren Kampf um das Vorrecht des Erstgeborenen austragen zu wollen. Rebekka litt unter den unruhigen Kindern. Gott sprach zu ihr „Zwei Völker sind in deinem Leib, zwei Stämme trennen sich schon in deinem Schoss. Ein Stamm ist dem andern überlegen, der ältere muss dem jüngeren dienen.“ Diese Prophezeiung muss Rebekka verwirrt haben, damals war es noch kaum möglich, vor der Geburt festzustellen, dass eine Zwillingsgeburt bevorstand. 

Wir kennen die Besonderheit bei der Geburt: Jakob hielt sich an der Ferse des zuvor geborenen Esau fest, als wolle er zumindest gleichzeitig mit ihm geboren werden. Was natürlich eine medizinische Unmöglichkeit ist. 

Natürlich ist die elterliche Beziehung in der Regel zu allen Kindern gleich gut. Aber ist es nicht oft so, dass es im alltäglichen Leben eben doch Unterschiede gib? So auch in diesem Fall. Isaak fand sich eher zu Esau hingezogen, der seine Freiheit liebte; wohingegen Rebekka den häuslicheren Jakob ein wenig zu bevorzugen schien.  

Körperliche Arbeit macht müde, das erlebte auch Esau und erbat von seinem Bruder eine extra grosse Portion seines Leibgerichtes, eines Linseneintopfes. Jakob erkannte seine Chance. Er wollte ihm das Gericht nur im Austausch gegen die Abtretung des Erstgeburtsrechtes geben, an das er sich bereits bei der Geburt geklammert hatte. Esau erkannte die Bedeutung dieses Rechtes nicht und gab es, ohne nachzudenken an seinen jüngeren Bruder. Damit erfüllte sich bereits ein Teil der göttlichen Vorhersage. 

Die Tage Isaaks näherten sich ihrem Ende und er wollte seinem Erstgeborenen, Esau, den Segen geben, der ihm in dieser Position zustand. Er wusste nicht, dass dieser sein Recht an den jüngeren Bruder abgegeben hatte. Rebekka wollte, dass ihr Liebling Jakob den Segen empfing und griff zu einer unfairen List, die die Sehschwäche des Vaters ausnutzte. Jakob scheint in dieser Situation ein zweites Mal so zu handeln, dass es nicht gottgefällig ist, er greift zu einer Täuschung. Es ist kein guter Eindruck, den wir von ihm erhalten. Wir können eigentlich nicht verstehen, warum Gott ihn zu unserem dritten Stammvater auserkoren hat, und nicht Esau, der ein zweites Mal zum Opfer wird. Doch nein, es ist genau das, was Gott prophezeit hat: „Der Ältere muss dem Jüngeren dienen.“ Wird die Täuschung deswegen weniger verwerflich? Nach heutigen Massstäben sicher nicht. Doch bei den ersten Generationen des Volkes Israel wurde das Wort Gottes nicht diskutiert!

Isaak erkennt wenig später voller Schrecken, dass er Opfer einer List wurde. Doch er kann es nicht mehr ändern. In der Tradition gab es nur einen Segen. Unfair, wo doch jedes Kind den Anspruch darauf haben sollte. So konnte er seinem betrogenen Sohn nur Glück wünschen, mehr blieb ihm nicht.

Welches ist die Rolle, die Isaak in der Geschichte spielt? Als Sohn seines übermächtigen Vaters Abraham und als Vater von Jakob, der mit seinen dreizehn Kindern der eigentliche Gründer des Volkes Israel werden wird? Isaak bleibt als Figur der Torah im Nebel, es ist nicht viel, was wir von ihm wissen. 

Doch auch dieser nicht besonders erkennbare Mensch hat seinen Stellenwert in der Torah. Das ist das, was wir aus diesem Wochenabschnitt lernen können. Jeder hat den gleichen Anspruch, als der wahrgenommen und respektiert zu werden, der er ist. 

Shabbat Shalom!



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