2. Kislev 5783
Geboren:
1952 wurde in Ost-Berlin Ilja Richter geboren. Seine jüdische Mutter hatte die Zeit der Nationalsozialisten mit einer gefälschten Identität im Untergrund in Deutschland überlebt. In der damaligen DDR erlebte die Familie andauernde Repressionen und übersiedelte 1953 nach West-Berlin. Die Mutter, eine Schauspielerin, brachte den Sohn im Alter von acht Jahren zum Vorsprechen zum SFB (Sender Freies Berlin), wo er prompt seine erste kleine Sprechrolle erhielt.
Wirklich bekannt wurde er später mit der legendären Sendung «Disco», die im ZDF bald Kultstatus erhielt und vom Nachmittags- ins Abendprogramm verschoben wurde. Der Spruch «Licht aus – Spot an!» wurde zum geflügelten Wort in der Musikszene der 70er-Jahre.
Berlin, seine Heimatstadt liebt er über alles. Er, der sich selbst als «unstet und flüchtig» bezeichnet, beschreibt die Stadt in einem Interview 2016 »In dieser Atmosphäre sollte es doch möglich sein, sich als was auch immer zu bekennen. Auch als Jude. Oder nicht?« Sein Verhältnis zu seinem Judentum ist schwierig, die Mutter warnt ihn, sich nie in der Öffentlichkeit als jüdisch zu erkennen zu geben «Das schadet deiner Karriere!»
Seine Grossmutter hat er nie kennengelernt, er kennt aber die grausame Geschichte ihrer Deportation und weiss, dass sie in Auschwitz ermordet wurde. Eine Überlebende der Shoa wird bei Filmaufnahmen so etwas wie seine jüdische Ersatzgrossmutter. Sie bringt ihm das Judentum in kleinen Schritten nahe. Er lernt die Brachot für den Kiddusch, er holt sogar seine Bar Mitzwa in der Lubawitscher Synagoge in Berlin nach.
Rabbinerin Ederberg von der Synagoge in der Oranienburger Strasse hat es für ihn so formuliert »Das Judentum ist nicht ein ganzes Stück, also «take it or leave it». Man kann die Bücher aufmachen und sagen: »Das ist meins, hier klicke ich mich ein, das gehört zu mir, das spricht mich an, mit dem kann ich überhaupt nichts anfangen – und das ist in Ordnung.»
Richter sieht sich selbst mittlerweile als «kosmopolitischen Menschen mit jüdischen Wurzeln».
Koalitionsgespräche:
Am Donnerstagabend befanden sich nur mehr drei Personen in der Knesset, alle anderen MKs hatten sich bereits ins Wochenende verabschiedet. Wer sass aber gegen 23 Uhr Ortszeit immer noch wahrscheinlich im Fraktionsbüro von Likud? Richtig! MK Itamar Ben-Gvir, der designierte PM Benjamin Netanyahu und der Chefverhandler Yariv Levin. Und nicht sichtbar Chanamel Dorfman, der Verbindungsmann von MK Itamar Ben-Gvir. Er ist kein MK und deshalb nicht auf der Liste. Seine Rolle wurde erst durch Medienberichte bekannt. Weitere Information folgen an anderer Stelle.
Was die Vier dort ausgehandelt hatten, konnte man am Freitagvormittag in der Presse lesen. Netanyahu hatte aus lauter Gier, wieder auf seinem zentralen Sessel im Plenum der Knesset sitzen zu dürfen, nicht nur seine politische Seele endgültig verkauft, sondern auch den absolut ungeeignetsten Mann mit einem wichtigen Portfolio beglückt. MK Itamar Ben-Gvir, der auf Grund von Sicherheitsbedenken von der IDF abgelehnt wurde, erhielt das Portfolio des neu geschaffenen Ministers für Nationale Sicherheit.
Diesem ursprünglichen Ministerium für öffentliche Sicherheit unterstanden bisher die Bereiche
- Polizei
- Brandschutz und Rettung
- Gefängnisse
- Gesellschaft und Verbrechen
- Privater Waffenbesitz
- Coronavirus
- Internationales Forum für innere Sicherheit
Diese Agenden waren dem rechts-extremen Politiker von Otzma Yehudit nicht genug. Mit der Umbenennung des Ministeriums in «Ministerium für nationale Sicherheit» sind ihm nun auch die Grenzschutzpolizei für Judäa und Samaria, die bisher dem Verteidigungsministerium unterstellt war, und die Abteilung für Immobilienbewertungen zugeordnet, die vorher Teil des Justizministeriums war. Es handelt sich hier ausschliesslich um Grundstücke, deren Eigentum bzw. im Interesse der öffentlichen Hand liegt, also auch im Gebiet von Judäa und Samaria.
Mit der Person von MK Itamar Ben-Gvir erhält eine Person Handlungs- und Entscheidungsbefugnisse, die er einerseits gar nicht beurteilen kann und für die er, auf Grund seiner persönlichen Lebensgeschichte, ein hohes Gefahrenpotential darstellt.
Sein Verhandlungsbevollmächtigter, Chanamel Dorfman, ist Rechtsberater für jüdische Terroristen und sammelt Geld für deren Unterstützung. Eine Auflistung kann man hier lesen.
Das Volk hat zwar gewählt, aber ist es auch zufrieden?
Jeder bekommt das, was er verdient. Schaut man die Ergebnisse der letzten Wahl an, so hat das israelische Wahlvolk genau das verdient, was sich jetzt am politischen Himmel abzuzeichnen beginnt. Eine rechts-extreme Regierung. Hat man das nicht vorher gewusst? Standen die Zeichen nicht deutlich zu lesen an der Wand? Eine Befragung vom vergangenen Freitag bei Kanal 12 brachte erstaunlich Ergebnisse.
49 % sind mit der Bestellung von MK Ben-Gvir zum Superminister zufrieden
46 % sind es nicht
55 % bevorzugen die Ernennung von MK Yoav Galant, einem erfahrenen Generalmajor der IDF, zum Verteidigungsminister
32 % bevorzugen einen anderen Kandidaten
61 % sind nicht mit der Ernennung von MK Bezalel Smotrich zum Finanzminister zufrieden
28 % sind zufrieden
61 % sind gegen die Ernennung von MK Aryeh Deri zum Innenminister
33 % sind dafür
59 % sind dagegen, dass das Gesetz so geändert werden kann, dass rechtmässig Verurteilte, wie zB MK Aryeh Deri, einen Ministerposten erhalten können
22 % unterstützen den Vorschlag
Selbst im «Koalitionsblock» sind nur 29 % dafür und 43 % dagegen!
62 % sind nicht einverstanden mit der Wahl von MK Miri Regev zur Erziehungsministerin
23 % sind einverstanden
49 % sind dagegen, dass das Gesetz, welches Entscheidungen des Obergerichtes durch die Knesset kippen kann, entsprechend geändert wird
32% stimmen der Abänderung zu
Im «Koalitionsblock» sind 58 % dafür, kein Wunder, es kommt dem designierten PM Benjamin Netanyahu direkt zugute, und 20 % sind dagegen.
52 % sind nicht der Ansicht, dass eine Doppelspitze Netanyahu – Ben-Gvir eine Lösung gegen den Terrorismus haben
31 % trauen ihnen eine solche Lösung zu
55 % sind es im «Koalitionsblock», die der Doppelspitze Erfolg zubilligen
Grobes Fehlverhalten zweier IDF-Soldaten:
Am Freitag wurden, leider schon zum wiederholten Male, Soldaten der Golani Eliteeinheit aus dem Dienst suspendiert. Aktivisten der antizionistischen NGO «Breaking the silcence» beobachteten und filmten Soldaten bei einem Einsatz in Hebron.
«Breaking the silcence» ist dafür bekannt, dass sie immer wieder, zumeist anonyme Berichte veröffentlichen, die Soldaten bei ihren Aktionen gegen Palästinenser oder gegen Terroristen filmen und auf ihrer Webseite oder auch bei Ausstellungen präsentieren. Das mag dem einen oder anderen Soldaten unangenehm sein, ist aber kein Grund, aggressiv gegen die Aktivisten vorzugehen.
Die IDF-Soldaten wollten einen Aktivisten festnehmen, der versuchte zu fliehen. Sie stiessen ihn zu Boden und schlugen ihn mehrfach ins Gesicht. Auf einem anderen Film ist folgendes Gespräch zu hören:
«Ben-Gvir wird hier schon für Ordnung sorgen, das war’s Jungs, der Spass ist vorbei, ihr habt verloren.»«Breaking the Silcence «gab kurz darauf folgendes Statement ab «Wir können schon die Auswirkungen sehen, die die Folge von der Ernennung von Ben-Gvir sind.»
Erschütternd ist, was der Golani auf dem Rücken seiner Schutzweste trug. Neben der israelischen Fahne ein Totenkopf der eingerahmt ist von den Worten «One Shot – One Kill – No remorse – I decide». Ein klarer Verstoss gegen die Bekleidungsvorschriften der IDF.
Tragisch, wenn auch nicht ganz unerwartet, das ist genau das, was mit Billigung des neuen Superministers Ben-Gvir tagtäglich zu sehen sein wird.
Religiös-zionistischer Rufmord:
Lihi Lapid, Ehefrau des amtierenden PM Yair Lapid hat Anklage gegen jenen Mann erhoben, der das Gerücht in Umlauf gebracht hatte, dass sie Anhängerin der jüdischen Sekte «Messianische Juden» sei.
Sie erklärte, dass sie die Urgossenkelin von Rabbi Amiel, s’’l, ehemaligem Chef Rabbiner von Tel Aviv sei. Rabbi Amiel habe zunächst in Antwerpen amtiert, bevor er 1936 nach Tel Aviv auswanderte. Er sei ein glühender Zionist gewesen.
«Mein Judentum und mein Zionismus sind das, was meine Identität ausmacht als lebendiger und aktiver Teil meines Lebens» hielt sie fest. «Ich habe ihn angezeigt, weil ich es nicht akzeptiere, dass der die Erinnerung an meinen geliebten Vater, s’’l, und an seine stolze jüdische Familie in den Schmutz zieht. «
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