Was geschah vom 23. bis 25.12. 2022?

1.Tevet 5783

Vor allem und zuerst möchte ich euch einen Artikel von Matti Friedman aus dem Tablet Magazin ans Herz legen. Er ist in Englisch, sehr gut zu verstehen und geschrieben. 

https://www.tabletmag.com/sections/israel-middle-east/articles/eight-thoughts-israel-political-crisis

Anti-LGBTQ+ in Israel:

2019 wurde bereits von der nun mit einem MK, Avi Maoz, in der Knesset vertretenen Noam Partei eine Liste erstellt, deren offensichtlichen Sinn man nur ablehnen kann.

In der Liste werden homosexuelle Personen genannt, die in den Nachrichtenmedien, aber auch in der Unterhaltungsbranche tätig sind. Besonders fragwürdig ist die Aufzählung von «linken Frauen», die Teil des Planes sind, die IDF «radikal-feministisch» zu übernehmen.

Warum die Partei bereits im Jahr 2019 diese Listen erstellte, ist unbekannt.

Der Parteiführer und zugleich einzige MK Avi Maoz wird als Minister für «Jüdische Identität» seinen Arbeitsplatz im Büro des PM haben. Seine primäre Aufgabe wird die Kontrolle über externe Schulprogramme sein. Er wird es zu verantworten haben, wenn in Zukunft keine Referenten mehr in den staatlichen Schulen zugelassen werden, die mit den Schülern Themen bearbeiten, die nicht im allgemeinen Lehrplan stehen.

Die Listen wurden von Nadav Eyal, einem Journalisten, veröffentlicht. Der Mann hat Mut, Respekt!

Neben der namentlichen Auflistung wurden auch Fotos der genannten «linken Frauen» und Grafiken veröffentlicht, die belegen sollen, wie die in der Liste genannten Personen und die Gruppen um sie herum das Bildungs- und Justizministerium übernehmen sollen. Unter den genannten Organisationen werden so angesehene wie das «Israel Democratic Institut», die «Association for Civil Rights in Israel» und «The Tali education Fund» das grösste pluralistische jüdische Erziehungsprogramm der Masorti Strömung genannt. 

Zwei MKs der Religious Zionism, Orit Strock und Simcha Rothman gaben im Radio-Sender «Kan» Unglaubliches von sich. Ärzte sollten die Behandlung von Angehörigen der LGBTQ+  Gemeinschaft ebenso verweigern dürfen, wie Hoteliers sie als Gäste ablehnen können. Voraussetzung sei, dass sie sich in ihren religiösen Überzeugungen beeinträchtigt fühlen. Der designierte PM reagierte zwar auf die Aussage von Strock, liess aber die von Rothman unkritisiert. Auch das ist eine Art von Akzeptanz. 

Warum erinnert mich das unglaublich an die Politik der Nationalsozialisten, bei der Homosexuelle in den KZs rosarote Dreiecke an der Kleidung befestigen mussten? Geschätzte 10.000 überlebten nicht. Mehr als 30.000 wurden zwischen 1933 und 1943 verurteilt.

In Deutschland wurde der §175, die Strafbarkeit der Homosexualität im Jahr 1969 aus dem StGB gestrichen, der gesamte § wurde aber erst 1994 gestrichen. Erst 2002 wurden die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus rehabilitiert.

Was kommende Regierungsmitglieder in Israel damit vorschlagen, ist ein Rückfall in die dunkelste Zeit ohne Menschenrechte, wie sie heute noch u.a. im Iran, Chile, Afghanistan, China, Russland, Nordkorea, Syrien praktiziert wird. 

Wenn zwei sich streiten…

Dass es in Israel in der Knesset zwei orthodoxe Fraktionen gibt, ist hinreichend bekannt. Zum einen die Shas Partei mit dem umstrittenen Vorsitzenden und designierten Superminister Aryeh Deri. Diese Partei steht für das sephardische Judentum.  

Dem aschkenasischen Judentum zugeordnet wird die zweite Partei, Vereintes Torah Judentum. Der aktuelle Vorsitzende ist Yitzhak Goldknopf, der Nachfolger von Yaakov Litzman, der wegen der Unterstützung einer australischen Pädophilen und Behinderung der Justiz angeklagt wurde. Goldknopf vertritt die chassidische «Agudat Israel», (Vier MKs),

während die Nummer 2 in der Fraktion, Moshe Gafni, für die nicht chassidische «Degel haTorah» (Drei MKs) steht. 

Die beiden Gruppen innerhalb der VTJ sind nun uneins geworden. Moshe Gafni hat sich mit den anderen Mitgliedern der Gruppe in einem Brief an den designierten PM gewendet, mit der dringenden Aufforderungen, die gesamten Verhandlungen bezüglich eines Koalitionspapiers noch einmal neu aufzurollen. 

Es seien in den Anlagen zu den Vorverträgen Details aufgetaucht, denen sie nicht zugestimmt hätten und die in keiner Weise in Übereinstimmung mit den Anweisungen ihrer Rabbiner erfolgt seien. 

© ToI

Proteste in Haifa:

Die «Quality Government Israel» Bewegung hat in Haifa am Samstagabend tausende Menschen auf die Strasse gebracht, die gegen die designierte Regierung protestierten. Sie bezeichneten die Beteiligung von verurteilten und angeklagten, sowie rechts-extremen MKs als «Staatsstreich».

Dieser Begriff ist natürlich hier völlig fehl am Platz und auch nicht im Sinne der Veranstalter. Diese klagten die designierte Regierung an, dem demokratischen Charakter des Staates langfristig zu schaden.

Unter den Demonstranten befand sich auch der ehemalige Verteidigungsminister Moshe Ya’alon. Ya’alon hatte, damals noch Mitglied des Likud, von 2013 bis 2016 als VM unter der damaligen Regierung von Netanyahu gedient. Ya’alon war von 2002 bis 2005 Generalstabschef der IDF. 

Vor einer Woche hatte die Bewegung bereits eine solche Veranstaltung in Tel Aviv, allerdings mit wesentlich weniger Teilnehmern organisiert. 

Die Kotel gehört allen!

MK Rabbiner Gilad Kariv, Arbeiterpartei, nutzte zum wiederholten Male seine parlamentarische Neutralität. Heute am frühen Morgen brachte er eine Torah in die Frauensektion der Kotel. 

Er wollte damit ein Statement gegen das Verbot der Ultraorthodoxen setzen, das es Frauen verbietet, an dieser Stelle aus der Tora zu lesen. Während von den Frauen Jubelrufe ertönten, kamen aus der Männersektion Pfiffe und Buhrufe. 

Der dem heutigen Besuch zugrunde liegende Anlass war der jeweils Anfang des Monats stattfindende Gottesdienst, den die Gruppe «Women oft the wall» organisiert. Heute beginnt im jüdischen Kalender der neue Monat Tevet. 

Während Rabbiner Kariv sich auf die ausdrückliche Zusage des Knesset-Rechtsberaters berief, die ihm diese Aktion bewilligte, kam seitens der designierten Regierungsparteien scharfer Protest. «Karivs zynischer Missbrauch einer Torah macht wütend, er missbraucht unser heiligstes Symbol für eine sinnlose Provokation.» ereiferte sich ein Mitglied von Otzma Yehudit. MK Goldknopf vom Vereinten Torah Judentum hielt fest «Die Kotel gehört allen Juden, aber nur, falls sie die Tradition und das Gesetz beachten.» Und das Gesetz, so wissen wir, das sind in diesem Falle ausdrücklich nur die Orthodoxen. Eine Überheblichkeit sondergleichen!

Und so ist es eigentlich kein Wunder, aber trotzdem jedes Mal von Neuem ein unwürdiges Spektakel, wenn zwischen den Sicherheitskräften, bezahlt von den Orthodoxen und den Frauen, Rangeleien ausbrechen. Ich finde die Aktionen der «Women of the wall» völlig überflüssig, wissen sie doch a priori, dass es regelmässig zu Auseinandersetzungen kommt. Ich fände es weitaus vernünftiger, wenn sie sich in den eigens vorgesehenen Bereich für Familien und nicht-orthodoxe Beter begeben würden. 

Bevor es zu Handgreiflichkeiten kam, so zeigen es die Videos, haben die Sicherheitsleute die Frauen und deren Anführer gebeten, die Torah Rolle nicht mit in die Frauen Sektion zu bringen. Erst als die beiden nicht nachgaben, kam es zu den gewohnten Rangeleien. 



Kategorien:Israel, Timeline

1 Antwort

  1. Die Frau ist der unteilbaren Menschenwürde.

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