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20./21. Tevet 5783 13./14. Nov 2023
Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden) 16:16
Shabbatausgang in Jerusalem: 17:36
Shabbateingang in Zürich: 16:41
Shabbatausgang in Zürich: 17:51
Shabbateingang in Wien: 16:07
Shabbatausgang in Wien: 17:18

Heute beginnen wir mit dem Lesen des zweiten Buches Moses.
Mit 70 Personen war die Familie Jakobs ins Land gekommen. Sie hatten Aufnahme durch den Pharao gefunden, der Josef, den zweitjüngsten Sohn Jakobs hoch schätzte und ihm vertraute. Das beste Land hatten sie erhalten, um dort zu siedeln, Viehzucht und Ackerbau zu treiben. Es waren gute Zeiten gewesen und der Familienclan war gross geworden, so wie Gott es den Vorvätern wiederholt versprochen hatte.
Doch nun hatten sich die Zeiten geändert, Jakob war schon lange tot; seine Kinder hatten ihn in der Höhle Machpela beigesetzt. In Vers 1:6 erfahren wir fast beiläufig, dass Josef und alle seine Brüder auch nicht mehr lebten.
Natürlich war auch der Pharao ein anderer als der, den wir kennengelernt haben. Sein Nachfolger fürchtete sich wohl vor den Kindern Israel. Um sie moralisch klein zu halten und zu schwächen, mussten sie Sklavenarbeit leisten.
Doch das Gegenteil geschah, sie wurden grösser und stärker. Pharao verlangte von den beiden Hebammen, alle neugeborenen Knaben gleich nach der Geburt zu töten. Die beiden widersetzten sich der Anweisung. So wandte sich Pharao an sein eigenes Volk mit dem Befehl, alle Knaben, derer man habhaft werden konnte, in den Nil zu werfen. Die Frauen waren erfinderisch und es gelang ihnen, die neugeborenen Söhne vor den Schergen des Pharaos zu verbergen.
Nur deshalb kann an dieser Stelle die lange Geschichte unseres grössten Propheten Moses beginnen!
Von seiner Familie ist nicht viel bekannt. Sein Vater Amram war zugleich der Onkel und der Ehemann von Jocheved aus dem Stamme Levi. Neben Moses hatten sie noch eine ältere Tochter Miriam und einen älteren Sohn Aaron. Die beiden Hebammen werden in alten Texten als die zwei Hebammen Pua und Shofra genannt.
Miriam rettete den Knaben, indem sie ihn wohlversorgt in den Nil setzte, wo er von der Tochter des Pharaos entdeckt und aufgenommen wurde. Der Plan der Schwester ging auf, der Knabe war gerettet und sie konnte ihn sogar zurück zu seiner Mutter bringen, die, dem Wunsch der Prinzessin entsprechend, als seine Amme dienen sollte. Später lebte er als Sohn der Prinzessin am Hof des Pharaos und wuchs dort mit seinen Adoptivgeschwistern auf.
Ob er sich jemals an seine Herkunft erinnert hat, wissen wir nicht. Sozialisiert wurde er als ägyptischer Prinz und doch muss er tief in sich das Bewusstsein gehabt haben, anders zu sein. Warum sonst hätte er sich so nachdrücklich für einen Israeliten eingesetzt, dass er, um den Mord an ihm zu rächen, sogar einen Mord an seinem Mörder verübte, der vermeidlich aus seinem Volk, nämlich den ägyptischen stammte? Er wurde jedoch von seinen eigenen Leuten, die in ihm allerdings den Ägypter sahen, denunziert. Mit der Folge, dass der Pharao ihn suchen liess und ihn töten lassen wollte. War er jetzt ein Vogelfreier, ein Mann ohne Wurzeln?
Es scheint so, denn seinen ersten Sohn, den er gemeinsam mit seiner midianitischen Frau Zippora hatte, nannte er „Gerschom“. Die Bedeutung dieses Namens entspricht wohl seinen Gefühlen gegenüber seinem Heimatland „Gast bin ich in einem fremden Land“.
Interessant ist an dieser Stelle, dass Moses seine zukünftige Frau an einem Brunnen auf dem Land ihres Vaters kennenlernt und ihr beim Tränken der Herden behilflich ist. Diesem Arrangement sind wir in der früheren Geschichte schon mehrfach begegnet. Am Brunnen lernte Rebekka, die Frau von Isaak, den Brautwerber ihres Schwiegervaters Abraham kennen. Auch der Sohn Isaaks, Jakob, lernte in einer ähnlichen Situation seine Frau Rachel kennen. Das gerettete Leben von Moses begann auf dem Wasser. Welche Bedeutung kann man dem Wasser zuschreiben? Ohne Wasser kein Leben, ohne Wasser keine Fortpflanzung und keine Evolution. Das sich teilende Wasser des Schilfmeeres wird später eine bedeutende Rolle spielen.
In den nächsten Versen treffen wir auf Feuer. Feuer vernichtet, wenn es nicht bekämpft wird. Feuer ist bedrohlich und löst in allen Lebewesen Angst aus. Wenn das Feuer nicht gelöscht wird, bleibt nur Asche zurück. Moses aber trifft bei seiner Wanderung mit dem Vieh auf einen Dornbusch, der brennt, ohne zu verbrennen. Es ist weniger die Angst, die ihn näher gehen lässt, es ist Neugierde. Gott gibt sich ihm hier, mitten in der Einöde der Wüste, erstmals zu erkennen. Es ist das erste Mal, dass Gott mit ihm kommuniziert und das ist der Beweis, dass Gott Moses ausgewählt hat, die Kinder Israels zu retten. Der brennende Dornbusch ist ein deutliches Zeichen an Moses, dass seine Brüder und er nicht zerstört werden können und nicht untergehen werden. Doch kann Moses das hier schon erkennen?
Gott erneuert an dieser Stelle seinen Bund, den er mit den Vorvätern Abraham, Isaak und Jakob geschlossen hat und verspricht, die Kinder Israels unter der Führung von Moses in das verheissene Land zu führen. Moses ist zwar gewillt, den Auftrag, der ihm Hoffnung auf Befreiung gibt, anzunehmen, weiss aber nicht, wie er ihn seinen Brüdern und Schwestern kommunizieren soll. Wer ist der, der da mit ihm spricht? Den er nicht sehen kann und der trotzdem so präsent ist? Gott gibt ihm die für uns kryptische Antwort „Ich werde sein, der ich sein werde“. Ja klar, möchte man rufen, logisch bist du der, der du bist! Aber was bedeutet das? Ebenfalls in den alten Schriften gibt es eine noch spannendere Interpretation der Worte «Ich bin der, der ist und der sein wird.» Gott lässt die Antwort offen. Und wir finden bis heute keine Antwort darauf.
Moses ist nicht sofort überzeugt von der ungeheuer grossen Aufgabe, vor die Gott ihn stellt, aber Gott weiss auf jeden Einwand eine Lösung und stellt ihm seinen Bruder Aaron als Sprachrohr zur Seite, um den Sprachfehler von Moses nicht zum Problem werden zu lassen. Zusätzlich gibt er ihm den Stab in die Hand, der jede Kommunikation mit dem Pharao non-verbal unterstützt. So ausgestattet kehrt Moses zu seiner Familie zurück.
Zurück in Ägypten musste er erkennen, dass auch der neue Pharao, denn der alte, der Vater seiner Ziehmutter war gestorben, es nicht gut mit den Kindern Israel meinte. Er weigert sich, sie ziehen zu lassen. Kein Wunder, waren sie doch billige Arbeitskräfte! Statt sie ziehen zu lassen, lud er ihnen noch mehr Arbeit auf.
Der Wochenabschnitt endet mit dem ersten Aufstand der Kinder Israel. Behalten wir das in Erinnerung, denn in den folgenden 40 Jahren wird es noch mehr Aufstände geben, die nicht immer alle gut ausgehen.
Shabbat Shalom!
Kategorien:Israel
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