2. Shevet 5783
Gestorben:
2021 starb der am 4. Januar 1929 in Wien geborene Arik Brauer in seiner Heimatstadt.
Seine Eltern waren begeisterte Anhänger des «Roten Wien». Das war der Name der «Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschösterreichs», die von 1919 bis 1934 das Land regierte. Besonderes Merkmal dieser Zeit war der ausgeprägte soziale Wohnungsbau. Das wohl bekannteste Projekt aus dieser Zeit ist der Karl-Marx-Hof. Die gewaltsamen «Februarkämpfe» von 1934 waren, nach eigenen Angaben, die Grundlage zu seinem lebenslang praktizierten Antifaschismus.
Seine sprachlichen Wurzeln im Jiddischen verleugnete er bis zum Schluss nicht, wie er in seinem letzten Buch «Wienerisch für Fortgeschrittene» noch schrieb. Im Dialekt sah er die Sprache der Arbeiterklasse und ihre besondere Poesie. So schrieb er in den 79er Jahren die Texte zu seinen Chansons im ur-wienerischen Dialekt. Seine eigentliche Kunst sah er jedoch in der Malerei, er galt als einer der wesentlichen Vertreter der «Wiener Schule des Phantastischen Realismus», deren Mitbegründer er war.
Eine Zeit lang lebte er in Israel im nur von Künstlern bewohnten Dorf «Ein Hod», 15 km südöstlich von Haifa im Carmel Gebirge. 2010 wurden durch den Grossbrand im Carmel Gebirge einige Gebäude des Dorfes völlig zerstört.
Von 1986 bis 1997 war er Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien. In dieser Zeit wurde auch das von ihm gestaltete Arik-Brauer-Haus im 6. Wiener Gemeindebezirk fertiggestellt.
Ehrung :
Margot Friedländer, am 5. November 1921 in Berlin als Margot Bendheim geboren, erhielt vom Bundespräsidenten das Verdienstkreuz 1. Klasse verliehen.
Mit ihrem jüngeren Bruder Ralph lebte sie in Berlin bei ihrer Mutter in Berlin-Kreuzberg und versuchte mehrfach, in die USA auszuwandern. 1938 wurde dieser Antrag endgültig abgelehnt.
Ihre Eltern sowie der Bruder wurden in einem KZ ermordet. Die Mutter hinterliess ihr vor der Deportation eine Handtasche mit ihrem Adressbuch und einer Bernsteinkette, die sie bei Nachbarn deponierte. Margot überlebte, indem sie mehrfach ihr Aussehen veränderte. Dennoch wurde sie aufgegriffen, verhaftet und in das KZ Theresienstadt deportiert. Dort traf sie ihren zukünftigen Mann, Adolf Friedländer, wieder, den sie nach ihrer Freilassung heiratete. 1946 reisten beide nach New York.
Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1997 begann Margot zu schreiben. Einladungen in die alte Heimat folgten und seit 2010 lebt sie wieder in Berlin. Sie nahm wieder die deutsche Staatsangehörigkeit an. Seit ihrer Rückkehr besucht sie regelmässig Schulen, um aus ihrem Leben als verfolgte Jüdin zu berichten.
In den letzten Jahren wurden ihr zahlreiche Ehrentitel, u.a. der Dr. h.c. der Kultur- und Geschichtswissenschaft verliehen.
Seit 2014 gibt es den Margot-Friedländer-Preis, der an Schüler und Lehrer verliehen wird, die sich um die Erinnerungskultur besonders verdient gemacht haben.

Das Norwegische Gesetz:
«Mein Geld ist es ja nicht», scheinen sich die 64 Koalitionsmitglieder gesagt zu haben, als sie das «Norwegische Gesetz» aufblähten. Dieses Gesetz ermöglicht es einem Minister, solange er im Amt ist, aus der Knesset auszuscheiden und einem auf der parteiinternen Wählerliste nachfolgenden Parteikollegen den Sessel freizumachen. Die Änderung wurde gestern Abend mit 65:18 und 1 Enthaltung angenommen. Und wo waren die restlichen 36 MKs zur Zeit der Abstimmung? Eine gute Frage!
Was ist der Vorteil? Auch wenn ein Minister dienstbedingt nicht an den Plenarsitzungen oder den Regierungssitzungen teilnehmen kann, sind theoretisch doch immer alle 120 Parlamentarier im Raum. Aber eben, wie das aktuelle Beispiel zeigt, nur theoretisch!
Die Knesset soll damit gestärkt werden, verteidigt MK Simcha Rothman die neue Version. Viel offensichtlicher scheint es zu sein, was der PM nicht sagte. Wenn nämlich die amtierenden Minister, die schon sehr oft ihre eigenen Meinungen haben, nicht mehr am Tagesgeschehen teilnehmen und statt ihrer jüngeren, noch formbaren Parlamentarier im Gremium sitzen, dann kann er damit rechnen, manche Abstimmung leichter in seinem Sinne entscheiden zu lassen. Warum sonst hätte er 17 von seinen 32 Kollegen aus dem Likud zu Ministern gemacht????
Es wird nun erwartet, dass bis zu 27 neue MKs auf diesem Weg nachrücken. Die Kosten für diesen Trick schlagen mit sagenhaften US$ 11 Millionen zu Buche. Aber eben, das ist kein Geld, was die MKs persönlich aufbringen müssen. So lässt es sich gut ausgeben.
Wie der Staatssäckel zu Geld kommt:
Israel ist kein billiges Reiseland! Bisher war es so, dass Auslandstouristen, die trotzdem ins Land kamen, weder bei der Miete eines Autos, noch bei Übernachtungen Umsatzsteuer bezahlen mussten. Immerhin ein kleines Zuckerl von 7%.
Jetzt hat Finanzminister Smotrich ins Auge gefasst, diese Vergünstigung für Touristen zugunsten der Staatskasse zu streichen. Innerhalb eines Jahres könnten so bis zu US$ 210 Millionen den völlig überlasteten Staatshaushalt aufpeppen.
Langfristig keine gute Entscheidung, es gibt genügend preiswerte Länder ringsum, wo auch der Service in den Hotels teilweise deutlich besser ist, ganz zu schweigen von der Bauqualität und der Pflege des Inventars.
Gleiches gilt auch für die beiden steuerbefreiten Gebiete im Land, Eilat und Ein Bokek. Die dort arbeitenden Unternehmen sind traditionell von der VAT befreit, sofern die Touristen für den Eigenbedarf einkaufen. Allerdings dürfen Beamte des Finanzministeriums bei abreisenden Gästen Stichproben vornehmen, ob kein gewerblicher Schmuggel ins Inland erfolgt.
Verbesserung für Menschen mit besonderen Bedürfnissen:
Der Davids Tower, eines der eindrücklichsten Freiluftmuseen Israels, in der Nähe des Jaffa Gates in der Altstadt von Jerusalem gelegen, wurde für Menschen mit einer Gehbehinderung zugänglich gemacht.
Die steilen, engen und unebenen Treppen, Stufen und Verbindungsgänge hatten allesamt einen militärischen Grund: Sie sollten die Verteidigung der Anlage einfacher gestalten. Erbaut von Herodes, erweitert von den frühen muslimischen Herrschern und von den Kreuzfahrern nochmals erneuert, war die Festung über Jahrhunderte hinweg der grösste Garant für den Schutz der Stadt.
Jetzt wurden zwei Lifte eingebaut, um den Zugang in die oberen Bereiche zu ermöglichen, ohne sich mühsam durch die engen und steilen Aufgänge zu quälen. Obwohl das Gesetz im Land die historischen Gebäude von der Pflicht, allgemein zugänglich zu sein, explizit ausnimmt, hat die Antiquitätenverwaltung freiwillig die notwendigen Schritte unternommen.
Die Erneuerung wurde so durchgeführt, dass kein einziger Stein weichen musste und die Optik so wenig wie möglich beeinflusst wurde.
Nachdem ich leider mittlerweile (und hoffentlich nur temporär) auch zu den Menschen gehöre, für die «normales Gehen» nur eingeschränkt möglich ist, freue ich mich auf den nächsten Besuch an diesem spannenden Ort und dem sagenhaften Rundumblick über die Stadt bis zu den Bergen von Moab.
Jetzt geht es aber wirklich zu weit!
Drei MKs der UTJ, Moshe Gafni, Uri Maklev und Yakov Ahser haben sich einen wahnwitzigen Plan ausgedacht. Dümmer goht’s nümmer!
Damit, Gott behüte, nicht Männer und Frauen, und wir sprechen hier bereits von Jugendlichen ab 13, bzw. 12 Jahren, nicht Gefahr laufen, gemeinsam ein erfrischendes Bad nehmen zu «müssen», sollen mindestens 15% der gesamten Parköffnungszeiten nur mehr nach Geschlechtern getrennt geöffnet sein. Also keine Familienausflüge mit Picknick im Park mehr, kein gemeinsames BBQ mit Freunden.
Was heisst das konkret? Wenn es nicht möglich ist, die wunderbaren Naturteiche komplett abzuschotten, so dass absolut kein Sichtkontakt möglich ist, muss wohl der gesamte Park entsprechend reguliert werden.
Die zuständige Israelische Park Behörde wird den Fall anschauen und entsprechend handeln.
2020 wurde bereits am Toten Meer ein kurzfristiger Versuch in diese Richtung gestartet, scheiterte aber schnell am Veto des Justizministeriums.
Merav Michaeli, die Vorsitzende der Arbeiterpartei sagte dazu: «Das ist ein weiterer Schritt in Richtung halachischer Revolution, die von den verrückten Freunden von Netanyahu ausgedacht wird. Die interessieren sich nicht für die Folgen. Das passiert, wenn man einen eigenen Pool hat.»
Kategorien:Israel
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