Was geschah vom 3. bis zum 5. Februar?

14. Shevat 5783

Gestorben: 

2023 starb der am 21. April 1925 in Peine geborene Sally Perel in Zichron Ya’acov in Israel. Bekannt wurde er als «Der Hitlerjunge Salomon», dem es während der Zeit der Nationalsozialisten gelang, seine Identität zu verbergen und so zu überleben. 

Nach dem Überfall Deutschlands auf Polen floh er in den sowjetischen Teil Polens. Die Worte seiner Mutter «Du sollst leben» begleiteten ihn während der folgenden Jahre. Seine perfekten Deutschkenntnisse retteten ihm das Leben in der Gefangenschaft der Wehrmacht. Er hatte immer wieder Glück im Unglück. Nach zwei Jahren in der Wehrmacht wurde er zurück ins «Deutsche Reich» geholt, wo er an verschiedenen Schulen der Nationalsozialisten immer wieder einer Gehirnwäsche unterzogen wurde und sich mehr und mehr mit den Gedankengängen der Nazis identifizierte.

Eine Szene im Film beschreibt ein authentisches Erlebnis, als er zwar nicht als lupenreiner Arier, aber immerhin als Angehöriger der fast so beliebten «baltischen Rasse» identifiziert wurde. 

Gegen Ende des Krieges wurde er von US-amerikanischen Truppen gefangen genommen, aber schnell entlassen, als klar wurde, dass er ein Jude war.

Neben ihm überlebten zwei Brüder die Shoa. 

Aus dem jüdischen Knaben wurde der Volksdeutsche Jupp Perjell, der die Shoa überlebte. In Israel, wohin er nach dem Krieg auswanderte, wurde er zum Zeitzeugen, der zweimal im Jahr nach Europa reiste, um seine Geschichte zu erzählen. 

Bei der Bar Mizwa seines Enkels vor etwa zehn Jahren erzählte er sie in meiner Gemeinde in Zichron Ya’akov. 

Nun ist er im Alter von 97 Jahren gestorben. 

High Tech:

Der Kibbuz Misgav scheint am Ende der Welt zu liegen. Wenn es neblig ist, so wie bei meinem letzten Besuch, dann wirkt das Land jenseits des dünnen Maschendrahtzauns irgendwie irreal. 

Moderne Häuser stehen dort, doch wenn man genau hinschaut, dann gibt es keine Fensterscheiben. Auf den Strässchen bewegt sich nichts, kein Auto, kein Tier, geschweige denn ein Mensch. Auf der anderen Seite des Zaunes ist bereits libanesisches Gebiet. Ein potemkinsches Dorf, gebaut nur aus militärischen Gründen. Von dort kann man den nördlichsten Kibbuz Israels perfekt unter Feuer nehmen. So wie 1980, als fünf Kibbutzmitglieder getötet und 11 Kinder und Soldaten verletzt wurden. 

Einer der jungen Kibbuzniks, Adi Nir, fand seinen Weg in der High-Tech-Branche und gründete 2017 ein Start-up Unternehmen mit Namen «Meto Motions». Der Kibbuz baut u.a. Tomaten an. Tausende von Pflanzen in endlos langen Reihen. Das Ernten war eine langwierige Angelegenheit, und ausländische Pflücker fanden immer weniger den Weg nach Israel.

Adi Nir machte aus der Not eine Tugend und erfand eine robotergesteuerte Pflückmaschine, die die Tomaten nicht nur pflückt, sondern auch versandfertig packt. Seit der Unternehmensgründung wurden US$ 10 Millionen von privaten Investoren und in den Niederlanden ansässigen Unternehmen in die Erforschung des Roboters gesteckt. 

Heute arbeitet er effizient und spart mehr als 50% der Erntekosten. Das Unternehmen sucht jetzt weitere Investoren, um eine grössere Produktion der Erntemaschinen produzieren zu können. 

Diplomatie I:

Dass PM Netanyahu kein Staatsmann, sondern bestenfalls ein Politiker ist, das ist schon seit Jahren ein offenes Geheimnis. 

Die israelische Botschafterin in Frankreich, Yael German, hatte aus Protest gegen die Regierungszusammenstellung von PM Netanyahu und seiner extrem rechten Politik unmittelbar nach der Angelobung der Politiker ihr Amt zur Verfügung gestellt. Ihr Abschied aus Paris wird erst in zwei Wochen erfolgen, bis dahin ist sie weiterhin im Amt. 

Üblicherweise begrüsst der Botschafter den PM und/oder Staatspräsidenten bei der Ankunft im Ausland am Flughafen. In diesem Fall verbat sich der PM, dass seine Chefdiplomatin ihn am Flughafen traf. 

Das ist weder der Akt eines Staatsmannes noch ein diplomatisches Feingefühl. Es ist ein  unverzeihlicher Affront.

Diplomatie II:

Dass sich PM Netanyahu mit seiner Frau ein nettes Wochenende in Paris, natürlich auf Staatskosten leistet, ist ja noch verständlich. Um sich mit dem Kollegen über den Iran auszutauschen und Vertreter der Wirtschaft zu treffen, könnte man heutzutage auch auf ZOOM zurückgreifen. Das Treffen mit Vertretern der jüdischen Gemeinschaft, welches im gleichen Raum wie das Meeting mit den Wirtschaftlern stattfand, bezeichne ich als reinen Lückenfüller. Er wiederholte dabei die Inhalte des Treffens mit Präs. Macron und den Wirtschaftlern und betonte nochmals, wie willkommen alle jüdischen Einwanderer aus Frankreich in Israel seien. 

Aber eine Frage drängt sich bei mir auf: Was hat Frau Netanyahu dort am Tisch zu suchen? In welcher Funktion? Wird diese Teilnahme zum Feigenblatt dafür, dass sie wieder einmal mitgereist ist?

© Twitter Büro des PM, Das Treffen mit der jüdischen Gemeinde in Paris

Diplomatie III:

Wer mag der unsympathisch aussehende Mann sein, der bei beiden Veranstaltungen in Paris neben PM Netanyahu sass? Wer kein Kenner der französischen Politik ist, konnte es nicht wissen. Der Ungustl war der ehemalige französische Abgeordnete Meyer Habib, mit französisch-israelischer Staatsbürgerschaft.

Just am Freitag, als er an prominenter Stelle neben unserem PM sass, war seine Wahl vom Juni 22 für ungültig erklärt worden und er hatte seinen Stuhl im Abgeordnetenhaus räumen müssen. Der Grund: unmoralisches Wahlverhalten am Wahltag und Manipulation der Wähler in den sozialen Medien zu seinen Gunsten. So habe er u.a. die Transporte seiner Anhänger zu den Wahllokalen privat finanziert.

Die Wahl im 8. Arrondissement hatte er mit nur 193 Stimmen Mehrheit gewonnen. 

Seine Gegnerin zeigte sich glücklich, dass die «Jahre illegaler Manöver von Meyer Habib nun ein Ende gefunden haben.»

Netanyahu sucht sein politisches Glück darin, sich mit Verbrechern zu umgeben. Neben dem ehemaligen Gesundheitsminister Ya’akov Litzman, der wegen Behinderung der Justiz und Amtsmissbrauch verurteilt wurde, seinem Nachfolger MK Aryeh Deri, der gerade vom Gericht aufgrund seiner Strafen aus dem Amt entfernt wurde, den Ministern Itamar Ben-Gvir und Bezalel Smotrich, die ebenfalls über ein recht ansehnliches Strafregister verfügen und dem Wohnbauminister Yitzhak Goldknopf, dem ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung droht, darf man seine eigenen Fälle nicht vergessen!

Der Wunschkandidat als Chefdiplomat in Frankreich befindet sich in bester Gesellschaft. Seit September 2021 ermittelt die Polizei wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder gegen ihn. 

Habib gilt als sehr guter Freund von Netanyahu, der in den 20-er Jahren auch die eine oder andere Ferienreise der Netanyahus finanziert haben soll.

Als kleiner Dank oder aus welchen Gründen auch immer, PM Netanyahu überlegt nun, ob er den umstrittenen Meyer Habib zum neuen Botschafter Israels in Frankreich ernennen soll. Dass er in dem Fall seine französische Staatsbürgerschaft ablegen muss, ist nur ein kleines Detail am Rande. 

Das würde zumindest die andauernde Präsenz an der Seite des PM während seines Besuches in Paris erklären. Und auch, warum Sarah mit am Tisch sass. Sie ist es doch, die das letzte Wort bei der Ernennung von Ministern und Diplomaten hat. 

Demonstrationen gegen die Regierung:

Bei Demonstrationen in der fünften Woche in Folge gegen die Regierung waren schnell wieder mehr als 100.000 Demonstranten auf den Strassen Israel unterwegs. Nicht nur in Tel Aviv, sondern auch in Haifa, Be’er Sheva, Jerusalem und erstmals in Kfar Saba und Modi’in gingen die Menschenmassen auf die Strassen. Sogar in Paris, vor dem Hotel, in dem das Ehepaar Netanyahu logierte, und in London kam es zu Demonstrationen. 

Oppositionsführer MK Yair Lapid sagte bei seiner Rede in Haifa: «Die Menschen kamen, um zu sagen, dass sie nicht in einem Land leben wollen, in dem Menschen, die arbeiten, weniger wert sind als die, die nichts tun. Und dass Menschen, die ihren Armeedienst ableisten, weniger wert sind als die, die ihn verweigern. Und dass Menschen, die das Gesetz einhalten, weniger wert sind als die, dies es verleugnen. Wir werden unser Land retten, weil wir nicht gewillt sind, in einem undemokratischen Staat zu leben.»

Innenpolitik:

Der rechtsextreme Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, hat seiner Politik in einem Gespräch mit Kanal 12 am Samstagabend drei Monate Zeit gegeben, um von der Regierung umgesetzt zu werden. Andere Zeitungen berichten von sechs, bzw. neun Monaten, ich hoffe, die erste Zahl stimmt!

Zu seinen im Wahlkampf angedeuteten und unmittelbar nach seiner Wahl explizit geforderten Zielen gehört die Einrichtung einer zivilen Einsatztruppe und die Todesstrafe für Terroristen. Ob die Todesstrafe auch für jüdische Terroristen gilt, liess er bisher immer unbeantwortet, bei seinem obsessiven Hass auf Araber muss man aber davon ausgehen, dass sie nur für arabische Terroristen gelten soll. Die von ihm geplante Einsatztruppe soll vor allem bei Unruhen zwischen jüdischen und arabischen Israelis für Ordnung sorgen.

Desweiteren sind Verschärfungen im Strafvollzug von arabischen Häftlingen geplant, Häuser von Terroristen sollen vor der Zerstörung sofort versiegelt und für die Familien nicht mehr zugänglich gemacht werden. Auch das ist eine klare Verschärfung der drakonischen Massnahmen. Bisher vergingen zwischen dem Identifizieren und Aufgreifen des Terroristen und der Zerstörung seines Hauses Wochen bis Monate. 

Seine Partei Otzma Yehudit verfügt über sechs Sitze in der Koalition. Falls Minister Ben-Gvir tatsächlich aufgeben sollte, bedeutet das das Ende der Regierung Netanyahu VI. Auch hier wird wieder klar: Der PM hat seine politische Seele verkauft und ist erpressbar geworden.



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