Was geschah am 10. und 11. Februar?

20. Shevat 5783

Das Beste kommt in diesem Fall nicht zum Schluss, sondern zu Beginn: Die französisch-israelische Soziologin Eva Illouz lebte mit ihren Eltern zunächst in Fès, ihrer Heimatstadt, bevor sie mit zehn Jahren nach Frankreich übersiedelte. Ihre Studien absolvierte sie in Paris und später in Pennsylvania. Neben ihren Professuren an der Hebrew University (Soziologie und Anthropologie) und der Ecole des hautes études en sciences sociales in Paris ist sie regelmässig Gastprofessorin an internationalen Universitäten.

Ihr Forschungsschwerpunkt liegt darin, Schnittstellen zwischen kulturellen Aspekten und Emotionen sowie Kommunikationsverhalten zu erforschen. Ein zweiter Schwerpunkt ist die Frage, wie sich Alltagsmedien, Informationssysteme, Wirtschaft und Emotionen gegenseitig beeinflussen. In einem hervorragenden, wenn auch teils verstörenden Interview mit der Spiegel Journalistin Julia Amalia Heyer gibt Eva Illouz eine kristallklare Analyse der aktuellen Lage in Israel. 

«Wenn man verstehen will, wie radikale Siedler ticken, sollte man sich den Ku-Klux-Klan anschauen.»

Geboren:

1950 wurde in Modesto, Kalifornien Mark Andrew Spitz geboren. Im Alter von zwei Jahren zog er mit seinen Eltern nach Hawaii. Dort entdeckte er das Wasser als sein Element und schwamm täglich am Waikiki Beach. 

Angespornt von seinem Vater nahm er mit 15 Jahren in Tel Aviv an der Maccabiade teil. Dort gewann er vier Goldmedaillen und wurde als junger Ausnahmesportler bekannt. In Tel Aviv legte er den Grundstein für seine Karriere. Bis zum Frühjahr 1972 hielt er 23 Weltrekorde und 25 USA-Rekorde. 

Bei der Sommerolympiade 1968 in Mexiko City gewann er zwei Gold-, eine Silber- und 1 Bronzemedaille. In München erzielte er sieben Goldmedaillen, den grössten Erfolg seiner Karriere. Und er war zugleich sein letzter Erfolg. Nach dem Massaker an der israelischen Mannschaft in München zog er sich vom aktiven Sport zurück. Ein Comeback im Jahr 1992, Spitz war da bereits 41 Jahre, platzte, nachdem er sich nicht für die Olympiade qualifizieren konnte. 

Erdbeben:

Die israelischen Rettungsmannschaften haben bisher 19 Überlebende aus den Trümmern der eingestürzten Häuser in der Türkei retten können. Die Rettungen gestalteten sich teilweise sehr schwierig, die bisher längste dauerte 23 Stunden. 

Mit 450 Teilnehmern stellt Israel die zweitstärkste Rettungsmannschaft nach Aserbeidschan. Insgesamt befinden sich etwa 3.300 Personen aus 36 Staaten im Einsatz.

Während die Schweiz ein Zeltdorf mit Schlafzelten, einer Küche, Aufenthaltsräumen und mobilen WCs aufstellte, nahmen die israelischen Helfer ein Feldlazarett in Betrieb. 

Rund um die besonders vom Erdbeben betroffene Stadt Antakya bilden sich kilometerlange Staus, die auch die Rettungsfahrzeuge am Durchkommen hindern. Gut organisiert sind Flüge nach Istanbul, die grossteils kostenlos angeboten werden. 

Aufgrund der immer prekärer werdenden Sicherheitslage – österreichische Rettungskräfte berichteten von Schusswechseln – wurden die Rettungsmassnahmen vorübergehend eingestellt. «Der erwartbare Erfolg einer Lebendrettung steht in keinem vertretbaren Verhältnis zu dem Sicherheitsrisiko.» betonte der österreichische Einsatzleiter. Sowohl das deutsche als auch das österreichische Team halten sich bereit, sofort jedem konkreten Hinweis auf eine mögliche Lebendrettung nachzugehen, bleiben aber ansonsten im Basislager. 

Das österreichische Team hat am späten Samstag die Suche nach Überlebenden wieder aufgenommen, jetzt unter dem Schutz einer türkischen Militäreinheit.

Die Chance, Überlebende zu finden, sinkt mit jedem Tag. Trotzdem gibt es immer wieder grosse Wunder, am Freitag konnten in der ganzen Türkei 67 Menschen lebend geborgen werden. 

Das israelische Team konnte am Freitagvormittag einen 10 Jahre alten Jungen und später am Tag einen 9 Jahre alten Jungen bergen, dessen Vater und Bruder sie schon zu Beginn der Wochen retten konnten. 

Terror:

Bei einem erneuten Terroranschlag in Jerusalem kamen am Freitag drei Personen, ein 6 Jahre altes Kind, sein 8 Jahre alter Bruder und ein 20 Jahre alter junger Mann ums Leben. Vier weitere Personen, darunter auch der ältere Bruder des Ermordeten, wurden teilweise schwerverletzt. Der Anschlag erfolgte an einer Bushaltestelle zwischen Jerusalem und Ramallah im Ostteil der Stadt. 

Der Attentäter war erst vor wenigen Tagen aus einer psychiatrischen Klinik entlassen worden. Dennoch muss sein mentaler Zustand so stabil gewesen sein, dass der Anschlag klar als Terrorakt gewertet wird. Er wurde von einem Polizeioffizier neutralisiert.

PM Netanyahu ordnete die sofortige Versiegelung des Hauses an, in dem der Terrorist gelebt hatte. Die Zerstörung wird erfolgen, sobald der Gerichtsbeschluss vorliegt. 

Der Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, möchte schon wieder völlig eigene Wege gehen. Es ist ihm nicht genug, das Haus zu versiegeln, sondern er möchte das gesamte Stadtviertel Issawiya zur Abschreckung komplett abriegeln. Das allerdings funktioniert nur bei Gefahr im Verzug und nach richterlicher Bewilligung.

Für Sonntag hat er eine zweite Operation «Verteidigungs-Schild» angekündigt, ohne zu konkretisieren, wie er sich diese Massnahme vorstellt. Mit der ihm eigenen Hybris erteilte er der Polizei den Auftrag, sich auf diese Operation vorzubereiten. 

Allerdings wurde er sofort von einem besonnenen Politiker aus dem Verteidigungsministerium, der nicht genannt werden möchte, gerügt: «Solche Entscheidungen werden nicht auf dem Gehsteig vor einer Bushaltestelle getroffen, wo gerade ein tödlicher Terrorakt stattfand. Darüber muss mit dem gesamten Verteidigungsapparat beraten werden, möglicherweise auch mit dem gesamten Parlament.»

Seine Beziehung zur Polizei, die ihm gänzlich unterstellt ist, ist alles andere als gut. Für jede Entscheidung mit dieser Reichweite sind die Sicherheitsbehörden zuständig. Da kann sich auch der Polit-Rambo Ben-Gvir nicht darüber hinwegsetzen. 

Mene, mene tekel upharsim! © Marc Chagall

Meinungsfreiheit I:

Es ist wichtig, dass Menschen, die in einem demokratischen Staat leben, ihre Meinung offen sagen dürfen. Mehr als das, sogar müssen. Denn nur so kann eine objektiv falsche Meinung korrigiert und bestenfalls von dem, der sie verbreitet hat, verinnerlicht werden. 

Ein Lehrstück über die wissentliche Verbreitung von Falschmeldungen lieferte die Ministerin für öffentliche Diplomatie, Galit Distel Atbaryan, Likud. In einem Interview mit Radio Galgalaz sagte sie: «Gelder von ausländischen Nationen und Akteuren, die meisten von ihnen antisemitisch, finanzieren die Menschen und bringen sie auf die Strasse. Die wenigsten von ihnen wissen, dass das Geld hinter den Protesten letztendlich aus Ländern wie Deutschland oder dem Iran kommt. Das ist die politische Linke.»

Der Satz ist es wert, genauer angeschaut zu werden: Iran = Deutschland. Wenn, wie wir wissen, der Iran antisemitisch ist, dann ist für sie auch Deutschland antisemitisch. Zugegeben, nicht alle Iraner sind antisemitisch, ebenso nicht alle Deutschen. Aber die iranische Regierung darf sehr wohl als solches angesehen werden, also wird von der hysterischen Schreihälsin auch die deutsche Regierung so gebrandmarkt. 

Diese unglaubliche Falschmeldung veranlasste den deutschen Botschafter in Tel Aviv, Steffen Seibert, deutliche Worte zu finden. «Es ist mehr als bedauerlich, dass Ministerin Galit Distel in diesem Zusammenhang Deutschland, einen Freund und demokratischen Partner Israels, im gleichen Atemzug nennt, wie den totalitären Iran. Ich bin sicher, dass in diesem freiheitsliebenden Land, die Israelis generell keine Anweisungen von aussen brauchen, um für das, an das sie glauben, auf die Strasse zu gehen.»

Doch das waren noch nicht alle Lügen, die sie verbreitete: «So sehr wir uns auch bemühen, uns mit ihnen an einen Tisch zu setzen, um eine respektvolle, sachbezogene Diskussion zu führen, sie lehnen es grundsätzlich ab.»

Auch mit dieser Aussage zeigt sie, dass sie die einfachsten Hausaufgaben einer «Diplomatin» nicht gemacht hat. Die Bitte von Oppositionspolitikern, von der Präsidentin des Obersten Gerichtshofes und sogar vom israelischen Präsidenten, sich doch bitte hinzusetzen und in Ruhe über die geplanten Umwälzungen in der Justiz nachzudenken und nichts überhastet zu verabschieden, wischte JM Yariv Levin vom Tisch: «Ich werde das Projekt nicht für eine Minute stoppen.»

Meinungsfreiheit II:

Am Freitag demonstrierten einige Hundert Personen in der Nähe der Azza Street in Jerusalem, in der PM Netanyahu sein Privathaus hat. Wahrscheinlich wird er sich mit seiner Familie eher in der Villa in Caesarea aufgehalten haben, dort ist das Wochenende deutlich entspannter. Dort kann er frische Seeluft atmen und lange Spaziergänge am Strand machen.

Das ist allemal besser, als sich dem Gestank von verbrannten Reifen aussetzen zu müssen. Die brannten gestern in Jerusalem, nur 300 m vom Haus des PM entfernt. Die Demonstranten begaben sich anschliessend zum Pariser Platz, dem Zentrum von Rehavia. Dort kam es zu Handgreiflichkeiten zwischen den regierungskritischen Demonstranten und Anhängern der Koalition. Die Polizei musste eingreifen, um die Gruppen zu trennen, hielt sich aber mit schärferen Reaktionen zurück.

Das wiederum machte Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir wütend. Er riskierte es mit rüpelhaften und ungerechtfertigten Vorwürfen an die Polizei, ein zweites Mal an diesem Tag abgekanzelt zu werden. Ben-Gvir ging so weit, den Polizeikommandanten von Jerusalem vorzuladen und zu tadeln, weil er «die Kontrolle über die Polizei in der Hauptstadt an eine Gruppe von Anarchisten verloren» habe. «Polizei und Sicherheitskräfte waren vor Ort, wurden aber ausdrücklich angewiesen, das Gesetz nicht durchzusetzen und die Randalierer nicht zu konfrontieren.»

Polizeikommissar Kobi Shabtai stellte sich voll und ganz hinter seine Mitarbeiter. Er bedauerte, dass die Untersuchung der Angelegenheit auf öffentliche Weise durchgeführt wird, während die Polizeikräfte vor Ort tätig waren, und nicht durch eine operative Untersuchung, nach dem Ende der Tätigkeit.

MK Mickey Levy, Yesh Atid, fand passende Worte: «Die Vorladung des Jerusalemer Distriktkommandanten in das Büro von Minister Ben-Gvir zeigt ein völliges Unverständnis für die Rolle des Ministers gegenüber der operativen Ebene und ist ein eklatanter und hässlicher Versuch, politische Erwägungen in die Arbeit der Polizei einzubringen. Es ist nicht die Aufgabe des Ministers, den Beamten vor Ort unter Neonlicht Einsatzanweisungen zu erteilen und hochrangige Beamte zu Ermittlungen einzuladen, als wäre er der Polizeikommissar. Immer wieder hat der TikTok-Minister, der schnell Waffen zückt, bewiesen, dass er keine Ahnung von der Anwendung von Gewalt und der Bedeutung von Einsatzführung im Feld hat.»



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