Was geschah am 9. März?

16. Adar 5783

Die Blockade der Zufahrtsstrasse zum Terminal 3 vom Flughafen Ben Gurion hat sich aufgelöst, nachdem das Ehepaar Netanyahu sich mit einigen Stunden Verspätung auf den Flug nach Rom begeben hat. Zuvor hatte noch ein Treffen mit dem US-Amerikanischen Verteidigungsminister Lloyd Austin im Ausstellungs- und Kongresszentrum in der Nähe des Flughafens stattgefunden. Der Gast aus den USA hätte schon gestern aus Ägypten kommend anreisen sollen, hatte dann aber seine Pläne auf Grund der zu erwartenden Verkehrsbehinderungen geändert. Keine zwingende Begründung, wahrscheinlich hatte sich der PM nur vorgenommen, selbst Gastgeber dieses Treffens zu sein und dies nicht seinem Verteidigungsminister Yoav Gallant zu überlassen. Der sass zur Linken des PM am Besprechungstisch. Das ist der GröPaZ in Reinkultur. Wann immer er kann, schaltet er seine Minister aus und übernimmt deren Arbeit. Immerhin durfte Minister Gallant die abschliessende Pressekonferenz leiten. Minister Austin zeigte sich verstört über die Zunahme der Spannungen in Judäa und Samaria, sowie über die Angriffe von Siedlern auf Palästinenser. «Wir rufen die palästinensische Führung auf, den Terrorismus zu bekämpfen, die israelische-palästinensischen Kooperationen wieder aufzunehmen und eine klare Haltung gegen Unruhestiftung zu beziehen.» Minister Gallant hatte zuvor betont: «Israel sucht Stabilität und Sicherheit. Und ist um das Wohlergehen der Palästinenser besorgt. Aber dieses darf nie auf Kosten des Lebens von einem unserer Bürger gehen. «

Das Reiseprogramm für Rom wurde mittlerweile bekanntgegeben. Heute Abend steht ein Treffen mit Vertretern der Jüdischen Gemeinde im Jüdischen Museum auf dem Plan. Am morgigen Freitag trifft er sich mit Wirtschaftsvertretern, um anschliessend ein genau auf 45 Minuten getaktetes Arbeitsessen mit seiner Kollegin PM Giorgia Meloni zu absolvieren. Danach ist nichts mehr geplant ausser Freizeit. Das Ziel des Besuches ist es, die rechte PM Italiens mit sanftem Druck zu überzeugen, Israel als Hauptstadt anzuerkennen und die Botschaft dorthin zu verlegen. Die Hoffnungen sind hoch, dass dies gelingt. Immerhin hatte Italien im Dezember bei der UN-Generalversammlung gegen eine Verurteilung Israel abgestimmt. Als Gegenleistung wird ein Gas-Deal vorgeschlagen. Legitimiert dies Kosten von Hunderttausenden von Schekeln? Und rechtfertigt das die Abwesenheit des GröPaZ aus Israel, wo gerade Hunderttausende gegen seien Regierung demonstrieren? Was ist das nur für ein Mensch?

Bei einer Flugzeit von 3 ½ Stunden und einer anschliessenden Flugzeit mit dem Helikopter nach Jerusalem von ½ Stunde wäre bei guter Planung ein Rückflug nach Hause noch vor dem Eingang von Shabbat möglich gewesen. Aber nein, der Flug zurück nach Israel hebt erst wieder am Sonntagvormittag ab. Zwei Zusatznächte in Rom, allerdings mit nicht so gutem Wetter. Ein für den Steuerzahler teurer Wochenendtrip!

Eine charakterfeste junge Dame wird der PM in Roma leider nicht treffen, die Dolmetscherin Olga Dalia PadoaSie hatte die Anfrage erhalten, den PM bei seinem Aufenthalt zu begleiten und zu übersetzen. «Wenn ich zustimme, werden meine Kinder mir das nicht verzeihen. Sie sagten mir ganz klar: ’Nicht mit denen kooperieren, die faschistische Prinzipien fördern und die Freiheit unterdrücken.’ Ich habe mich daran gehalten.»

Viel Glück dürfte Finanzminister Smotrich bei seiner immer noch geplanten USA-Reise nicht erwarten. Mittlerweile haben 73 jüdische Gruppen festgehalten, dass sie dringend dazu raten, ihn nicht zur Generalversammlung on Israel Bonds zuzulassen. «… wäre dies das erste Mal, dass ein israelischer Minister ‘vor verschlossener Türe’ stehen wird. Der überwiegende Teil der US-Amerikanischen Juden wird ihn auffordern, heimzugehen.»

MK Rothman, Religious Zionism, blieb heute, einem dringenden Rat der Polizei folgend, daheim. Gemeinsam mit MK Gilad Kariv, Awoda, wollte er an einem Treffen der israelischen Rechtsanwaltskammer in Tel Aviv teilnehmen. Rothman gilt als der geistige Vater der Abschaffungspläne der Gewaltenteilung und der völligen Umwälzung des Justizwesens, von dem auch Anwälte unmittelbar betroffen sind. Sicherheitskräfte rieten ihm dringend von der Fahrt nach Tel Aviv ab. Das Treffen fand via Zoom statt. 

Neben den wichtigen Strassen im ganzen Land, wurde auch die Hafeneinfahrt in Haifa blockiert. Mit mehr oder weniger seetüchtigen Booten und Surfbrettern segelten Mitglieder der Gruppe «Sailors to save Democracy» vor der Hafeneinfahrt hin und her.

“If I were a rich man”, der am 9. September 1935 in Tel Aviv geborene Chajim Topol ist heute in den frühen Morgenstunden in seinem Haus in Tel Aviv gestorben. Bekannt wurde der Schauspieler vor allem durch seine Paraderolle als Tevye der Milchmann im Musical Anatevka. Er wurde für den gleichnamigen Film als erster israelischer Schauspieler für einen Oscar vorgeschlagen. Topol gastierte mit dieser Rolle weltweit. In Deutschland trat er allerdings auf Grund der Shoa nie auf. Seit seiner Diagnose, an Alzheimer erkrankt zu sein, lebte er sehr zurückgezogen. 



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