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17./18. Adar 5783 10./11. März 2023
Shabbateingang in Jerusalem: 17:03
Shabbatausgang in Jerusalem: 18:20
Shabbateingang in Zürich: 18:06
Shabbatausgang in Zürich: 19:10
Shabbateingang in Wien: 17:34
Shabbatausgang in Wien: 18:39

Moses ist wieder einmal auf dem Berg Sinai. In Ex 24:18 haben wir gelesen, dass er sich für eine lange Zeit, während 40 Tagen und Nächten von den Kindern Israel entfernte. Nur sein Diener Joshua war bei ihm. Die Ältesten hatte er zusammen mit seinem Bruder Aaron am Fusse des Berges zurückgelassen.
Wieder einmal wird Moses aufgefordert, die Zahl der Kinder Israels zu erfassen. Dieses Mal nicht nur aus rein statistischen Gründen, sondern weil Gott von ihnen eine Art Abgabe verlangt, die „für den Dienst im Mishkan verwendet werden soll“.
Ist das der Vorläufer dessen, was wir heute als Mitgliedsgebühr für unsere Gemeinden zahlen müssen? Ich bin geneigt, es so zu verstehen. In Ex 30:15 steht allerdings ein interessanter Satz: „Der Reiche soll nicht mehr und der Arme nicht weniger als einen halben Schekel geben.“ Jeder, der älter als 20 Jahre ist, muss diesen Betrag abliefern.
Schauen wir doch einmal, wie das heutzutage gehandhabt wird. In der Schweiz muss jedes Gemeindemitglied die Steuererklärung vorlegen und wird entsprechend eingeschätzt. In Österreich zahlt man unabhängig vom Einkommen einen bestimmten fixen Betrag. Das gilt auch für die Gemeinden in Israel. In den Augen Gottes ist jeder Mensch gleich viel Wert, unabhängig von seinem Einkommen oder seinem Vermögen. Ein wichtiger Hinweis, der heute leider immer mehr an Bedeutung verloren hat.
Im Folgenden regt Gott an, wie das Geld verwendet werden soll. Alles, was er verlangt, ist nur für den Dienst im Mishkan vorgesehen. Wer sich privat an den Wohlgerüchen bedient, der wird ein ernstes Problem mit Gott bekommen.
Moses wähnt seine ihm Anvertrauten in bester Betreuung. So nimmt er die beiden Gesetzestafeln, die Gott ihm übergibt, in Empfang und macht sich auf den mühsamen Abstieg. Auf den Tafeln hatte Gott selbst das Gesetz, die zehn Gebote des göttlichen Vertrages geschrieben. Moses war sich bewusst, dass es ein unglaubliches Geschenk war, das er in seinen Händen hielt.
Doch was musste er sehen, als er den Lagerplatz der Kinder Israel erreichte? Ein goldenes Kalb, eingeschmolzen aus dem Gold, das die Frauen den Ägypterinnen vor der Flucht abgenommen hatten. In Ex 11:2 haben wir gelesen: „Jeder Mann und jede Frau soll sich von dem Nachbarn Geräte aus Silber und Gold erbitten.“ Auch das ist wieder ein Beweis, dass Gott nie etwas ohne Grund, ohne lang angelegten Plan tut. Er wusste, dass sie vom noch jungen und nicht gefestigten Glauben abfallen würden, gerade in dem Moment, in dem er ihnen ein grossartiges Geschenk machte. Er wusste, dass er sie hart würde strafen müssen, um ihnen ihre Schuld gegen ihn vor Augen zu führen. Aber er wusste auch, dass er sie, nachdem Moses sich für sie einsetzte, ent-schuldigen würde.
Gott ist fair, auch wenn er für den Moment seine virtuelle Gegenwart im Mishkan abzog. Statt von ihm selbst wurden sie auf ihrer Wanderung nun von einem Engel begleitet. Zu gross war sein Ärger und seine Enttäuschung. Er nennt sie „das halsstarrige Volk“, ein Vorwurf, den er im Laufe der zukünftigen Wanderung noch mehrfach aussprechen wird. Halsstarrig sind wir bis heute…..
Moses aber baute den Mishkan ab und stellte ihn in einiger Entfernung vom allgemeinen Lager wieder auf. Immer wieder ging er dorthin. Sobald sich die Wolkensäule senkte, wusste er, Gott war dort und erwartete ihn. Moses war besorgt, dass Gott seine Hand völlig von ihnen abziehen wird, doch Gott beruhigt ihn, er könne ihn zwar nie von Angesicht zu Angesicht sehen, nur seinen Rücken dürfe er anschauen. Und er sagte dem verzagten Moses etwas sehr Tröstliches: „Ich gewähre Gnade, wem ich will, und ich schenke Erbarmen, wem ich will.“
Die unmittelbare Gnade war, dass er den Bund zwischen sich und den Kindern Israel erneuerte. Aber dieses Mal war es nicht der göttliche Finger, der die Tafeln beschrieb, die Moses zugeschnitten hatte. Es war die Hand Moses‘. Das Geschenk des Bundes war deshalb nicht weniger wert. Wieder blieb Moses vierzig Tage und Nächte auf dem Berg, bevor er wieder zurückkehrte. Erst jetzt, nachdem Gott ihnen vergeben hatte, durften sie die Worte erfahren, die er Moses diktiert hatte und die den erneuerten Vertrag enthielten.
Erst jetzt, nach Tagen der Ungewissheit, Angst und Hoffnungslosigkeit, waren sie bereit, sich auf das Abenteuer Gott einzulassen.
Auch in dieser modernen Zeit, in der wir glauben, alles analysieren, hinterfragen und interpretieren zu müssen, ist es ein Abenteuer. Es braucht Mut und Hoffnung, dass wir uns darauf einlassen können.
Shabbat Shalom
Kategorien:Religion
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