Shmini, Lev 9:1-11:47

ב“ה

23./24. Nissan 5783                                                        14./15. April 2023  

Shabbateingang in Jerusalem:                                                         18:27

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                        19:45

Shabbateingang in Zürich:                                                                 19:55

Shabbatausgang in Zürich:                                                                21:03

Shabbateingang in Wien:                                                                   19:25

Shabbatausgang in Wien:                                                                  20:34

Moses kündigt an, dass Gott sich „in der Herrlichkeit des Herrn“ zeigen wird“. (Lev 9:6). Doch Gott wird sich nicht als Gestalt zeigen, kein Mensch würde das überleben. Selbst Moses hatte nur einmal, nachdem Gott an ihm vorübergeschritten war, seinen Rücken sehen dürfen. Damals hatte  Gott ihn aufgefordert, sich in eine Felsspalte zu stellen und das Gesicht von Moses mit seiner Hand abgedeckt. (Ex 33:19 – 23) «Wenn ich meine Hand wegnehme, dann wirst du meinen Rücken, aber nicht mein Gesicht sehen.» Die Thora verwendet hier statt des eher gebräuchlichen Begriffs «gaf» גב, Rücken das weniger gebrauchte Wort «achori» אֶת-אֲחֹרָי, meine Rückseite.

Im Deutschen kennen wir in diesem Zusammenhang den Begriff «Rücksicht nehmen». Schauen wir uns diesen Begriff genauer an, so erkennen wir, dass Rücksicht auf einen Anderen und auf dessen Bedürfnisse zu nehmen voraussetzt, dass wir uns selbst ein Stück weit zurücknehmen. Gegenseitige Rücksichtnahme ist Zeichen von hoher Sozialkompetenz und deutlicher Empathie. Dieser «Andere», auf den wir Rücksicht nehmen, hat im Hebräischen die gleiche Wurzel wie das Wort Verantwortung, achraijut אַחְרָיוּת.

Zurück zum aktuellen Text. 

Das Weiheopfer ist vollbracht, Aaron segnet das Volk und begibt sich mit Moses in das Innere des Mischkans. Als sie wieder herauskamen, segneten sie nochmals das Volk und die Herrlichkeit Gottes erschien dem gesamten Volk und liess ihre Gesichter strahlen. Genauso, wie das Gesicht Moses jedes Mal von einem Strahlen erleuchtet war, wenn er unmittelbar mit Gott kommuniziert hatte. Hier wird der Begriff «die Ehre Gottes» כְבוֹד-יְהוָה, kavod adonai gewählt. (Lev 9:23) Heute verwendet die moderne rabbinische Literatur zumeist das Wort «schechina», was so viel heisst, wie «Präsenz Gottes». Übrigens, das Strahlen, welches hier beschrieben wird, ist einer der Gründe, warum Moses von den grossen Bildhauern wie Michelangelo oft irrtümlich mit Hörnern dargestellt wird, der Begriff wurde schlicht falsch interpretiert. 

Nach dem positiven Beginn des Wochenabschnittes dann der Schock. 

Die beiden Söhne Aarons, Nadab und Abihu begehen einen fatalen Fehler. Mag es sein, dass sie nicht wussten, was sie damit auslösten, mag sein, dass sie noch ganz im Überschwang des gerade Erlebten waren. Sie brachten ein Opfer dar, dass Gott nicht verlangt hatte und das in seinen Augen einem Götzendienst gleichkam. Sie verbrannten vor den Augen der Gemeinde am göttlichen Feuer. 

Gott scheint ihnen aber nicht gram zu sein, sondern er gibt einen Rat, der nur auf den ersten Blick nichts mit dem schrecklichen Irrtum der jungen Männer zu tun hat. In Lev 10:9 lesen wir «Trinkt keinen Wein und kein stärkeres Getränk, wenn ihr in das Versammlungszelt geht. Sonst müsst ihr sterben.» Zwischen gut und falsch zwischen rein und unrein kann man nur mit einem nüchternen Kopf unterscheiden. 

Jeder von uns hat zu jedem Zeitpunkt die Verantwortung nicht nur für sich und sein eigenes Handeln, sondern auch oftmals für die uns anvertrauten Menschen. Wir sind uns nur leider dessen nicht immer bewusst.

Shabbat Shalom!



Kategorien:Religion

Schlagwörter:

Hinterlasse einen Kommentar