2. Ijjar 5783
Generalversammlung der Jüdischen Föderation in Washington DC.:
Die diesjährige Versammlung findet unter dem Arbeitstitel «Israel at 75» von heute bis Mittwoch in Tel Aviv statt. Im Programm sind Workshops, eine Zeremonie zum morgigen Gedenktag für die Opfer des Terrors und gefallene Soldaten und, ganz amerikanisch, ein Barbecue am Unabhängigkeitstag. 3.000 Teilnehmer aus den USA werden erwartet und sind grossteils schon in Israel angekommen. In den grossen Hotels sind bereits seit Freitag Gruppen von Organisatoren der Proteste anwesend, um zwar nicht offiziell, aber doch faktisch auf die Gäste aus den USA einzuwirken, sich klar und deutlich gegen die geplanten Zerstörung der Gewaltenteilung zu äussern. Erkennbar sind sie an einheitlichen Shirts mit der Aufschrift «Ask me about Israel’s democracy!»
Einer der Hauptredner sollte heute Abend PM Netanyahu sein, der sich dringend um eine Verbesserung der Stimmung mit den jüdischen Gruppen in den USA bemühen muss. Seine Politik, oder besser, seine Nicht-Politik in den ersten Monaten seines immer extremer und faschistischer werdenden Regimes hat das frühere Wohlwollen für ihn völlig zum Erliegen gebracht.
Mit der fadenscheinigen Behauptung mit «Planungsüberlegungen und Vorbereitungen für die Feierlichkeiten zum Memorial Day und zum Unabhängigkeitstag» ausgelastet zu sein, hat das Büro des PM heute Vormittag die Rede abgesagt. Tatsächlich liegt der Grund wohl eher in den geplanten Protesten gegen die Justizumwälzung, die die Veranstaltung stören sollen. Die Organisatoren glauben allerdings an einen der typischen Shticks und Tricks des PM und werden die Störaktion trotzdem wie geplant durchführen.
Seitens der Veranstalter trauert man nicht allzu sehr wegen der Absage. «Uns ist eine peinliche und herzzerreissende Situation erspart geblieben.» und «Netanjahu ist verantwortlich für die derzeitige tiefe Kluft in den Beziehungen zwischen Israel und der Diaspora. Er hätte gar nicht eingeladen werden sollen, um zu sprechen.» «Er hat gut daran getan, heute nicht zu kommen. Nicht heute und nicht in der Zukunft.»
Und noch eine Ablehnung:
Die «stolze Rassistin», wie sie sich selbst nennt, Ministerin May Golan, legt wirklich eine beachtliche Karriere in der derzeitigen Nicht-Regierung hin.
Von der völlig unbedeutenden Hinterbänklerin des Likud zauberte sie noch am Tag der Angelobung ein stolz grinsender PM als «Ministerin ohne Portfolio im Büro des PM» aus seinem Zauberhut. Wahrscheinlich hat Sarah ein Haar in der Suppe gefunden, dass diese attraktive junge Frau tagtäglich mit ihrem Mann in einem Büro sitzt. Und das muss ihr besonders übel aufstossen, weil sie ja derzeit nicht in der Residenz wohnt und ihren Mann nicht engmaschig überprüfen kann. Arme Sarah!
Also musste die Ministerin aus dem Büro entfernt werden. Der PM schuf eigens ein neues Ministerium. Fortan sollte sie sich um die Besserstellung der Frauen kümmern. Aber, auch damit war Sarah nicht zufrieden.
Deshalb bot der PM ihr die prestigeträchtige Stellung als «Generalkonsulin» in New York an. Wahrscheinlich hätte sie ihre Mutter, die pflegebedürftig ist, mitnehmen müssen, aber das wäre sicher kein Problem gewesen. Mitarbeiter wird es ja genug im Konsulat geben.
Die Administration von US-Präsident Joe Biden und jüdische liberale Organisationen betonten, sie sei in den USA nicht willkommen. Auch israelische Diplomaten zeigten sich von der Auswahl einer «unwürdigen» Kandidatin empört.
Asaf Zamir, der ehemalige Generalkonsul, war im vergangenen Monat aus Protest gegen die Nicht-Regierung zurückgetreten.
Der Gedenktag darf nicht politisiert werden!
Nicht nur von Oppositionspolitikern, auch von hohen Militärs, insbesondere vom Generalstabschef Herzi Halevi, wird eindringlich davor gewarnt, die am morgigen Abend beginnenden Erinnerungsveranstaltungen zu politischen Bühnen zu machen.
An den Gräbern der gefallenen Soldaten werden während des gesamten Gedenktages Ehrenwachen aufziehen. Sie reinigen die Grabsteine und schmücken sie anschliessend mit Israelfahnen und unterstützen, falls notwendig, die trauernden Familienangehörigen und Freunde der Gefallenen. Insgesamt gibt es in Israel 52 Militärfriedhöfe.
Seit 1860 sind in Israel 24.213 Soldaten gefallen, im vergangenen Jahr kamen 59 hinzu, weitere 86 starben an den Folgen ihrer in Kämpfen oder bei Terrorattacken erlittenen Verletzungen.
Als Folge von Terrorattacken starben im vergangenen Jahr 33 Zivilisten, insgesamt gab es seit 1851 bereits 4.255 Opfer des Terrors.
Es ist ein Tag, der die persönliche Trauer mit der nationalen Trauer verbindet, ein stiller Tag, der keinen politischen Dialog verträgt. Dennoch sind in diesem Jahr Reden von Regierungspolitikern auf den Friedhöfen geplant. Sehr zum Unmut der betroffenen Familien. Sogar der extreme und rassistische Minister Ben-Gvir wird in Be’er Sheva sprechen. Und das, obwohl er nicht einen einzigen Tag bei der IDF gedient hat und von ihr sogar abgelehnt wurde! Eine Entscheidung, wie sie dümmer nicht sein kann.
In seltener Einigkeit haben der PM, sowie sein VM Gallant, und die Oppositionsführer Lapid und Gantz dazu aufgerufen, für diesen einen Tag die Uneinigkeiten zur Seite zu schieben.
Illegale Budgetzuteilungen:
Bei seiner immer am Samstagabend stattfindenden Lehrstunde hat der sephardische Oberrabbiner Yitzhak Yosef den neuen Innen- und Gesundheitsminister Moshe Arbel, Shas, aufgefordert, Budgetgelder ausschliesslich an die Dörfer, Orte und Städte zu geben, die über Synagogen und Jeshiwot verfügen. Wohl wissend, dass dies eine Aufforderung zu einer illegalen Tat ist, sagte er: «Ich werde nicht im Detail darauf eingehen, es ist nicht legal. Machen Sie es auf intelligente Weise.» Arbel grinste als Antwort auf die Kommentare. Gemeint sind damit ganz klar alle nicht jüdischen Gemeinden, arabische, christliche, drusische, muslimische und beduinische. Ein krasser Fall von Rassismus!
Der ehemalige Finanzminister Avigdor Lieberman forderte heute, dass der Oberrabbiner sofort aus dem Amt entfernt werden muss. «Die Zeit ist gekommen, den grenzenlosen Raub aus öffentlichen Kassen durch zwielichtige Geschäfte durch ultra-orthodoxe Geschäftsleute in der Knesset und staatlichen Institutionen zu stoppen.»
Sollte Arbel der Aufforderung des Oberrabbiners nachkommen, so macht er sich des Amtsmissbrauchs schuldig und wird hoffentlich nur eine sehr kurze Karriere als Minister haben und eine lange als Gefängnisinsasse haben.
Ein israelischer Krawallmacher versucht sinnlose Kosten:
Ein Flug der United Airways von New York nach Tel Aviv musste drei Stunden nach dem Start wieder umkehren. Ein israelischer Reisender hatte an Bord randaliert und die Besatzung wüst beschimpft. Unmittelbar nach der Landung wurde er von der Polizei festgenommen.
Für die anderen Reisenden endete der Flug zunächst. Sie wurden aus dem Flugzeug begleitet, nachdem kein neuer Zeitpunkt für den Start gefunden wurde. Sie mussten die restlichen Nachtstunden entweder auf dem Flughafen oder in einem Hotel verbringen. Der Flug wurde abgesagt. Die Passagiere werden morgen um 16:20 in Ben Gurion landen.
Ein teurer «Spass» für den Krawallo!
Kategorien:Aus aller Welt, Timeline
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