4. Ijjar 5783
Neue demografische Daten:
Israel bewegt sich langsam, aber sicher weg von einem kleinen zu einem mittelgrossen Staat. Am Vortag der beiden Feiertage veröffentlichte das statistische Zentralamt wie immer die neuesten demografischen Daten.
Derzeit leben im Land 9.727 Millionen Menschen, das sind 221.000 mehr als im Vorjahr. Der Anstieg betrug damit 2.3%. Die Geburtenzahl lag bei 183.000 Babys.
6.814 Millionen, entsprechend 73.5% sind Juden.
2.000 Millionen, entsprechend 21.0% sind Araber.
535.0000 sind andere, also nicht arabische Christen, Baha’i, Drusen, Tscherkessen, Beduinen, und andere, teils nicht zugeordnete Religionsangehörige.
Die jüdische Bevölkerung wird in allen Gebieten des Landes, sowie Judäa und Samaria gezählt, die arabische hingegen nur innerhalb der «Grünen Linie», sowie Ost-Jerusalem und auf dem Golan. Palästinenser in Judäa und Samaria, sowie in Gaza werden hier nicht erfasst.
Ebenfalls nicht erfasst werden etwa 158.000 Gastarbeiter, sowie Asylanten und Flüchtlinge, gleichgültig, ob sie über einen legalen Status verfügen oder nicht.
Die durchschnittliche Lebenserwartung bei Frauen liegt bei 84.6 Jahren, bei Männern bei 80.5 Jahren.
Die durchschnittliche Grösse einer Familie liegt bei 3.7 Personen, die durchschnittliche Zahl der Jugendlichen unter 18 Jahren liegt bei 2.4 Personen je Familie.
Gedenktag:
Mit den Sirenen, die im ganzen Land heulten, wurde gestern Abend der Yom HaZikaron eingeleitet. Präsident Isaac Herzog eröffnete den Gedenktag mit seiner Ansprache vor der IDF-Ehrenwache, die an der Klagemauer aufgezogen war.
In Latrun fand die grösste englischsprachige Gedenkveranstaltung unter dem Titel «Forever connected – Masa Israel Journey Memorial Day» statt. Organisator der Veranstaltung war «Masa», eine aus der Zusammenarbeit zwischen der israelischen Regierung, der Jewish Agency, der Jewish Federation of North America und Keren Hayesod gegründeten NGO, die die Verbindung zwischen jungen Menschen zwischen 18 und 35 und dem Staat Israel fördert.
7.000 Personen nahmen vor Ort an der Veranstaltung teil, einige Hunderttausend, so die
Einschätzung von Masa, waren über die Live-Übertragung zugeschaltet. Teilnehmer waren Masa-Alumni, Hinterbliebene, Politiker, Rabbiner und eingeladene Gäste.
Es wurden Kränze niedergelegt und Erinnerungen an nicht-israelische Juden wiedergegeben, die in Israel, aber auch im Ausland als Opfer des Terrors oder als Soldaten ihr Leben verloren.
Moving????? Schande! Unter der Überschrift «Moving: Hatikvah sung at Memorial Day ceremony in Bnei Brak!» schrieb Arutz Sheva voller Freude über den Gedenktag in Bnei Brak. Arutz Sheva ist gemäss Selbstdefinition religiös-zionistischer Ausrichtung. Die Veranstaltung in der orthodoxen Stadt Bnei Brak ehrte ihre 413 Gefallenen.
Schaut man hingegen das Video genau an, so erkennt man, dass nahezu keiner der Anwesenden mitsang, sondern mit verschränkten Armen den Blick ins Leere sandte. Beschämend!
Heute finden noch weitere offizielle Veranstaltungen statt, bis am Abend um 19:45 Ortszeit der Gedenktag endet und der Unabhängigkeitstag beginnt.
Heute Vormittag heulten nochmals die Sirenen für zwei Minuten und das Land kam zu einem (fast) völligen Stillstand.
Anschliessend fand auf dem Herzl-Berg die offizielle Staatszeremonie statt, an der neben dem Präsidenten mit seiner Gattin, dem Knesset Sprecher, der Präsidentin des Obergerichts, dem PM und seiner Gattin, sowie dem Generalstabschef, auch weitere Honoratioren teilnahmen. Zu Beginn der Zeremonie überflog eine Staffel von Kampfjets das Gelände.
Ministerin Gila Gamliel, Likud, wurde am Betreten des Soldatenfriedhofs in der Drusen-Ortschaft Isfiya gehindert. Sie musste unverrichteter Dinge das Gelände wieder verlassen.
Die Vorsitzenden der drusischen Gemeinden protestierten zu Recht gegen das Nationalitätengesetz, welches sie, ihrem Empfinden nach, zu Bürgern zweiter Klasse gemacht hat. Die protestierenden Männer trugen Shirts mit der Aufschrift: «Das Kanitz Gesetz hat uns zu Feinden gemacht.» Das Gesetz ist gegenüber der drusischen Bevölkerung besonders ungerecht, weil ausgerechnet diese Minderheitengruppe sich seit der Staatsgründung immer loyal gegenüber dem Staats Israel verhalten und auch regelmässig den Dienst in der IDF absolviert.
Minister Itamar Ben-Gvir wurde ebenfalls am Vortrag seiner Rede gehindert. Zwar kam es leider nicht dazu, dass, wie befürchtet, Eier flogen, aber es kam zu lautstarken Schreiduellen und physischen Auseinandersetzungen. «Er darf nicht hier sein, er ist kein Kämpfer, er ist ein Faschist!»
Im Vorfeld seiner Rede waren einige Bereiche des Friedhofs aus Sicherheitsgründen abgeriegelt worden und daher nicht erreichbar. Als ein Gast sich beschwerte, nicht an das Grab seines Bruders gelangen zu können, kam es zu Rangeleien. Es gelang der Polizei jedoch, die Seiten zu trennen.
Nachdem der Minister den Friedhof wieder verlassen hatte, kam er erneut zu Rangeleien zwischen den Seiten. Eine Frau wurde von einer Wasserflasche leicht verletzt.
Minister Ofir Akunis, Likud, reichte das Mikrophon auf dem Friedhof in Tel Aviv unmittelbar nach seiner Ankunft an Ninet Mundschein weiter, die ihren Sohn im Jahr 2014 im Kampf verloren hatte.
Ministerin Miri Regev, Likud, wurde bei ihrer Rede in Holon immer wieder unterbrochen. «Schande, sie beleidigt die gefallenen Soldaten, sie hätte nicht herkommen sollen!» war zu hören, zwei Frauen sangen während der Rede lautstark die HaTikwa.
Ähnlich erging es MK Michal Woldiger, einer Hinterbänklerin von Religious Zionism. Während sie sprach, drehten ihr einige Trauernde den Rücken zu. Später wurde auch hier die Nationalhymne gesungen.
Auch der neu ernannte Minister Moshe Arbel, Shas, der zwar in der IDF gedient hat, war nicht willkommen. In Rehovot kam es ebenfalls zu Rangeleien, Schreiduellen und dem Absingen der HaTikwa.
Minister Yitzhak Goldknopf, UTJ, besuchte gemeinsam mit Rabbiner, Shmuel Rabinovic die Klagemauer. Seinen Besuch und seine Ansprache in Kiryat Gat hatte er auf dringenden Wunsch der betroffenen Familie abgesagt.
Die Taktlosigkeit der UN:
Dass Israel immer wieder vom UN-Sicherheitsrat gerügt wird, an das haben wir uns leider schon fast gewöhnen müssen.
Eine selten taktlose Entscheidung traf aber nun der Vorsitzende des derzeitigen Sicherheitsrates, Russland. Trotz mehrfacher Bitten des israelischen Botschafters bei der UN, Gilad Erdan, die heutige Sitzung, wenn schon nicht zu verschieben, aber mit einer anderen Agenda zu versehen, wurde einfach ignoriert.
Erdan hatte darauf hingewiesen, welche Bedeutung der heutige Gedenktag für alle Israelis hat. Eine Änderung der Tagesordnung sei daher angebracht. Nachdem aber keinerlei Verständnis für diesen Antrag gezeigt wurde, verlas der Botschafter die Namen der im vergangenen Jahr Gefallenen und Ermordeten und zündete eine Gedenkkerze an, bevor er den Sitzungssaal verliess. «Die heutige Debatte hat alle Grenzen überschritten. Während die Israelis trauern, wird dieser Rat wie üblich weitere dreiste Lügen hören, die den Staat Israel verurteilen und ihn fälschlicherweise als Wurzel aller Probleme der Region darstellen. Ich weigere mich, diesen heiligen Tag damit zu verbringen, Lügen und Verurteilungen zu hören. Diese Debatte beschämt die Gefallenen und Israel wird sich nicht daran beteiligen.»
In diesen Minuten beginnen die Feierlichkeiten zum 75. Geburtstag Israels mit dem ZIchkor, gelesen von Rabbi Dee, dem Vater und Ehemann der drei Opfer des Terrors vor wenigen Wochen. Die Live-Übertragung gibt es hier. Photos gibt es morgen!
Happy birthday Israel!
Kategorien:Israel
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