Was geschah am 26. und 27. April?

6. Ijjar 5783

Israel Preis 2023

Wie immer wird das Ende des Unabhängigkeitstages markiert von der Auszeichnung mit dem Israel Preis, der höchsten zivilen Auszeichnung des Staates. Die Verleihung fand im International Convention Center in Jerusalem statt. Die Preise wurden in Anwesenheit von PM Netanjahu, Präsident Isaac Herzog, der Präsidentin des Obersten Gerichtshofs, Esther Hayut, Knesset-Sprecher Amir Ohana und Bildungsminister Yoav Kisch vergeben. 

Über die Empfängerin im Bereich Wissenschaft und Forschung, Prof. Michal Schwartz vom Weizmann Institut habe ich gestern schon ausführlich berichtet.

Drei Persönlichkeiten wurden für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Amnon Shashuna, CEO von «Mobileye», einer Technologie, die hilft, mittels künstlicher Intelligenz Unfälle vorherzusehen und zu verhindern; Rachel Haber, Vorsitzende der Organisation für Nierenspenden «Matnat Chaim» und Amal Nasser el-Din, der Vorsitzenden des drusischen Zweigs von Yad Labanim, die Hinterbliebene von Terroropfern betreut.

Yossi Levi, orthodoxer Sänger, wurde im Bereich «Hebrew Music» ausgezeichnet. Der ursprünglich vorgesehene Shlomo Artzi lehnte den Preis aus Protest gegen die dramatischen Änderungen im Justizwesen ab. 

Der Preis für Umwelt- und Nachhaltigkeitswissenschaften erhielt Prof. Avital Gazit für ihre Bemühungen, Israels Flüsse wieder zu renaturieren.

Prof. Emanuel Peled erforschte den rückstandslosen Abbau von Batterien und erhielt dafür den Preis im Bereich Chemie.

Für ihre Arbeit im Bereich Bildung und für die Erforschung einer völlig neuen mathematischen Unterrichtsmethode ging der Preis an Prof. Zamira Mevarach.

Die Preisträgerin im Bereich Bildende Kunst, Michal Rovner, überreichte PM Netanyahu ein Protestschreiben: «Sie bringen oft Ihre Sorge um das Land durch die Bedrohungen um uns herum zum Ausdruck. Die Kluft, die zwischen uns entstanden ist, wird das Land nicht weniger gefährden. Ich hoffe, die Botschaft ist klar … Es ist schwierig, eine Auszeichnung in einem zerrissenen und gespaltenen Land anzunehmen. Dies ist keine einfache Zeit für uns alle.»

Die Auszeichnung für Rechtsforschung ging in diesem Jahr an Prof. Yoram Dinstaein, der «…einer der Gründungsväter des Völkerrechts in Israel, in der Wissenschaft und darüber hinaus ist.»

Für Jüdisches Denken, Philosophie und Kabbala in seinen Essays, die das philosophische Denken im späten Mittelalter in Spanien, der Provence und Byzanz widerspiegelt, erhielt Prof. Dov Schwartz an der Bar Ilan Universität den begehrten Preis. Bei ihm wird auch die Siegerin des gestern durchgeführten Bibel-Wettbewerbs studieren dürfen.

Der letzte Ausgezeichnete ist Prof. Yehoash Hirschberg für seine Forschung an der Jerusalem Academy of Music für seine Forschung in der Musik von der Renaissance bis zur Gegenwart.

Späte Einsicht oder heftiger Druck?

Was auch immer dazu führte, der PM nutzte den Unabhängigkeitstag dazu, die zu Unrecht erhaltenen US$ 270,000 an die Nachlassempfänger seines Cousins, Nathan Milikowsky, zurück zu überweisen.

Das Oberste Gericht hatte bereits im Oktober befunden, dass diese Gelder, die der Deckung der aufgelaufenen privaten Gerichtskosten dienen sollten, sofort zurück zu zahlen seien. Bei dem Geld, so der Bescheid des Gerichts, handele es sich eindeutig um ein für einen Staatsdiener verbotenes Geschenk. Obwohl es sich um eine Überweisung zwischen Verwandten handelte, würden in diesem Fall weniger private Gründe dahinterstehen, sondern geschäftliche Interessen. Noch dazu würde der Betrag weitaus höher sein, als er innerhalb der Familie normalerweise ohne Angabe von Gründen üblich sei.

Innerhalb der Regierung gab es Bestrebungen, den Fall zu Gunsten von Netanyahu zu akzeptieren. Allerdings wurde die Entscheidung auf die nächste Sitzungsperiode, die am 30. April beginnt, verschoben. 

Eine Quittung über die erfolgte Bezahlung wurde an den Staatskontroller, Matanyahu Englman übergeben. 

Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus in der Schweiz:

2021 brachten Daniel Jositsch, SP, und Alfred Heer, SVP, jeweils einen Antrag im Ständerat und im Nationalrat ein, eine nationale Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus in der Schweiz zu errichten. Wohl gibt es derzeit etwa 60 kleinere Denkmäler, die an die Opfer der Shoa erinnern, aber eine nationale Gedenkstätte fehlt.

Das soll jetzt anders werden. «Die Schweiz und ihre Hauptstadt werden ein starkes Symbol gegen Völkermord, Antisemitismus und Rassismus und für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Freiheit und individuelle Grundrechte schaffen», so die offizielle Begründung. 

Vor allem die unrühmliche Rolle, die die Schweiz mit der Abweisung von jüdischen Flüchtlingen an ihren Grenz zu Nazideutschland spielte, soll thematisiert werden. Obwohl das Land offiziell neutral war, war es doch an einem Grossteil der Goldtransaktionen zwischen Nazideutschland und der Schweiz beteiligt, sowohl als Käufer, als auch als Vermittler. 

Wunderrabbi:

Das Grab von Rabbi Nachman aus Uman, Ukraine, 1772 – 1810, wird von seinen Anhängern, den Breslauer Chassiden, immer wieder an Rosh Hashana besucht. Diesem Besuch werden spirituell heilsame Kräfte zugesprochen. Na ja…

In der vergangenen Woche reisten 50.000 Orthodoxe nach Bodrogkeresztúr in Ungarn, um das Grab von Rabbi Yeshaya Steiner, 1851 – 1925, zu besuchen. 

Seine Anhänger tragen sein Bild, was im Judentum völlig verpönt ist, als Amulett. Es soll Mäuse und falsche Informationen abwehren. Was das miteinander zu tun hat, versteht niemand, der nicht dran glaubt. Reb Shayele, wie er auch genannt wurde, gilt in manchen chassidischen Kreisen als „Wunderrabbiner“, der übernatürliche Heilkräfte hatte. Er gab auch bekanntlich einem Anhänger Ratschläge, wie er seinen Getreidespeicher von Mäusen befreien könnte, was zu der Praxis führte, ein Bild des „Mouser Rabbi“ in seinem Haus anzubringen, um Mäuse fernzuhalten.

Der Besuch der «schwarzen Männer» löste in der kleinen Stadt, wie Bürgermeister Istvan Rozgonyi feststellte, einen «Kulturschock» aus. Im Gegensatz zu Rabi Nachman, der keine Nachkommen hat, trommeln die Nachfahren von Rabbi Steiner kräftig die Werbetrommeln, um immer mehr Pilger anzulocken. Sie kauften das ehemalige Haus der Familie und errichteten ein wetterfestes Zelt über einem Grab. 

Das Haus neben dem Friedhof wird als Gästehaus genutzt. Nachdem die Zahl der Pilger aber weit über die Kapazität dieses Hauses hinausgeht, wird während der Pilgerzeit eine Zeltstadt aufgebaut. Shuttlebusse verbinden den Flughafen und die kleine Stadt, in der nur 1.100 Menschen dauernd leben. 

Um auch eine medizinische Notversorgung vor Ort anbieten zu können, reiste ein Team mit 100 Helfern von United Hatzalah aus Israel an. 

Halacha und Selbstüberschätzung:

Rabbi Dr. Yitzhak Ben David, Rabbiner des Bei Midrasch für das Studium der Torah in Shaarei Zion gab schrieb heute auf seiner Facebook Seite, Aviv Geffen, der Sohn des am 19. April verstorbenen Sängers Yehonatan Geffen habe ihn gebeten, anlässlich des Unabhängigkeitstages auftreten zu dürfen.

Dies habe er aus halachischen Gründen ablehnen müssen, weil dieser Tag noch innerhalb der siebentägigen ersten Trauerzeit für seinen Vater lag. Innerhalb dieser sieben Tage ist die Teilnahme an Musikveranstaltungen absolut verboten. «Ich war sehr berührt von seinem Willen, diese Frage halachisch von mir untersuchen zu lassen. Aber neben meiner Freude war da auch Verlegenheit. Und das liegt daran, dass diese Frage sofort und eindeutig auf eine halachische (sowie eine moralische, prinzipielle) Barriere stiess, die mir unüberwindbar schien. (…) Aber dann, spät in der Nacht, passierte etwas. Die Antwort kam zu mir. Plötzlich wurde mir das ganze Thema wieder vor Augen geführt, und mir eröffnete sich eine völlig neue Perspektive. Ich erinnerte mich plötzlich an die alten Vorschriften meiner Vorfahren – Lehrer und Rabbiner des libyschen Judentums.» Schön, wenn es nächtliche Erkenntnisse gibt! Und man diese dann auch noch ernst nimmt. 

«Genau wie Purim. Es ist nur so, dass das Buch der Unabhängigkeit in diesem Fall das Buch Esther ersetzt. Und dieser Punkt wurde zum Schlüssel des gesamten Urteils. Denn in Bezug auf Purim wurde die Meinung als Halacha akzeptiert, dass überhaupt keine Trauerbräuche praktiziert werden.»

Pro-Regierungs Demonstration:

Heute Abend hoffen die Veranstalter auf einige Hunderttausend Teilnehmer an der pro Regierungsdemonstration in Jerusalem. Weniger optimistische Beobachter sprechen von einigen Zehntausend, die auf dem Weg in die Hauptstadt sind.

Die Veranstaltung wird von Likud, Religious Zionism und Otzma Yehudit unterstützt. JM Levin ist als einer der Hauptredner geplant. MK Tzvi Succot, Religious Zionism, hat angekündigt: «Wir werden vollständig erscheinen. Erstmals sind wir in der ungewöhnlichen Situation, einer Stimmung ausgesetzt zu sein, dass unsere Gegner ein Bild malen möchten, das besagt, dass die Regierung nicht die Menschen des Landes, die sie gewählt haben, repräsentiert. Wir werden heute das Gegenteil beweisen. Wir demonstrieren nicht gegen etwas, wir demonstrieren für etwas.» 

In einer Zeitung, die die Koalitionsmitglieder von United Torah Judaism anspricht, wurde aufgerufen, dass die ultra-orthodoxe Bevölkerung sich von der Demonstration fernhalten soll. Israel Friedman, einer der Herausgeber betonte: «Es ist verboten da zu sein, es gibt nichts zu sehen. Haredisches Judentum ist weder rechts noch links. Es richtet sich ausschliesslich nach den Vorgaben der Rabbiner.» 

Ob die abschliessende Erklärung die Koalitionspartner freuen wird, bezweifle ich: «Wir haben zwar einen politischen Pakt mit dem rechten Block geschlossen haben, der traditionelle und konservative Werte vertritt, was aber nicht bedeutet, dass wir in jeder Frage einer Meinung sein sollten. Ein tiefer ideologischer Abgrund trennt uns von ihnen. Parallele Linien, die sich niemals treffen werden. Wir sind so weit von ihnen entfernt, wie der frühere Oberste Richter des Obersten Gerichtshofs, Aharon Barak, weit davon entfernt ist, das ‚Shema Yisrael‘-Gebet zu rezitieren.»

Dieser Satz ist natürlich eine grobe Beleidigung des hochgeehrten und angesehenen ehemaligen Gerichtspräsidenten. Schämen sollen sie sich!!!



Kategorien:Israel, Timeline

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