Herzlichen Glückwunsch Theodor!

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1860 wurde in Pest, Ungarn, Theodor Herzl, auch bekannt als Benjamin Ze’ev Herzl, geboren. Zu seinen Vorfahren gehörten auch christliche Konvertiten, zwei Grossonkel traten als Erwachsene zum serbisch-orthodoxen Glauben über. Ihre Namen durften fortan in der Familie nicht mehr genannt werden. Auf der anderen Seite gab es auch Mitglieder der bereits 1881 gegründeten zionistischen Organisation Chowewe Zion. 

Seine Mutter erzog ihn in der ungarisch-österreichischen Kultur, so dass neben Ungarisch Deutsch seine zweite Muttersprache war.

1878 legte er am evangelischen Gymnasium die Matura ab und zog anschliessend mit seiner Familie nach Wien. Dort begann er das Jusstudium, wurde Mitglied der akademischen Burschenschaft Albia, einer schlagenden deutsch-nationalen Verbindung. 

Netzfund

Zu dieser Zeit begann er sich mit dem Thema Antisemitismus auseinanderzusetzen. Nachdem die Burschenschaft sich immer mehr mit antisemitischem Gedankengut identifizierte, trat er aus der Albia aus. 

1884 promovierte er und absolvierte sein Gerichtsjahr in Wien und Salzburg.

Seine Einstellung gegenüber Juden war ambivalent, einerseits konnte er seine Prägung durch den Zeitgeist nicht leugnen, die Juden als geld- und raffgierig charakterisierte, andererseits identifizierte er sich mit dem Juden, der Opfer der Verfolgung ist und trotzdem seinem Judentum treu bleibt. In ihm keimte der Gedanke, für die jüdische Nation einen eigenen Staat zu gründen.

Seine Überlegungen trafen nicht überall in jüdischen Kreisen auf Gegenliebe. 1896 veröffentlichte er den «Judenstaat». Weder der Wiener Oberrabbiner noch Baron Albert Rothschild standen für Gespräche mit ihm bereit. Anton Bettelheim, ein bekannter Literaturwissenschaftler, beschrieb in den Münchner Allgemeinen Nachrichten das Buch als «Faschingstraum eines durch den Judenrausch verkaterten Feuilletonisten.»

Im August 1897 organisierte Herzl, gemeinsam mit zwei Freunden, den ersten Zionistischen Weltkongress in Basel und wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt. Als Folge des Kongresses wurden u.a. mit dem deutschen Kaiser Wilhelm II. und dem türkischen Sultan Abdülhamid II.  Verhandlungen geführt, um in Palästina eine « Heimstätte für das jüdische Volk» zu gründen. 

Auch wenn die Versuche zunächst ohne Erfolg blieben, bildeten sie doch eine wesentliche Grundlage zur Staatsgründung im Jahr 1948.

1902 veröffentlichte er das Buch «Altneuland» unter dem Leitsatz «Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen». Der hochspannende utopische Roman schildert den idealisierten Entwurf der politischen Staatsordnung im neuen Staat, von dem er träumte, die, und da irrte Herzl, auch von der arabischen Bevölkerung völlig akzeptiert wurde.

1904 wurde eine Herzerkrankung bei ihm diagnostiziert, an der er am 3. Juli 1904 in Edlach in Niederösterreich starb.

Die Beisetzung fand auf dem Döblinger Friedhof statt. Im Jahr 1949 wurden die Särge von Herzl und seinen Eltern im Stadttempel aufgebahrt und von dort nach Israel überführt. Er selbst hätte sich gewünscht, in Haifa beigesetzt zu werden. Dieser Wunsch wurde aber nicht respektiert, er fand seine letzte Ruhestätte auf dem nach ihm benannten Herzl-Berg in Jerusalem, wo auch seine Eltern und seit 2006 auch zwei seiner drei Kinder beigesetzt wurden. Seine Tochter Trude wurde Opfer der Shoa. 2007 wurde auch der einzige Enkel dort beigesetzt. Er hatte Selbstmord begangen, nachdem er vom Tod seiner Eltern während der Shoa gehört hatte.

Anlässlich des Geburtstags von Herzl fand heute eine Gedenksitzung in der Knesset statt.  Oppositionsführer Yair Lapid betonte in seiner Rede die reale Gefahr des Extremismus, der die Zukunft des jüdischen Staates untergräbt: «Seit 2.000 Jahren haben Juden eine zentrale Lektion gelernt, nämlich, dass Extremismus zur Zerstörung der jüdischen Heimat führt. Das ist unser nationales Trauma. Es ist unvorstellbar, dass wir das nach 75 Jahren Souveränität schon vergessen haben. Und es ist unvorstellbar, dass wir vergessen haben, dass es Teil des Judentums ist, die Nichtjuden zu akzeptieren, die unter uns leben. In der Bibel kommt das Gebot, „den Fremden zu lieben, weil wir Fremde in Ägypten waren“, 36-mal vor. Wer glaubt, das Judentum sei ein Aufruf zum Hass auf Araber, liest offenbar das falsche Buch.»



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