Was geschah am 12. bis 14. Mai? 

23. Ijjar 5783

Natur:

Neben allen Dramen, von denen die Rede ist, gibt es auch eine schöne Beobachtung zu erzählen. 

An der Küste von Herzlyia sonnte sich gestern eine Mönchsrobbe. Von dieser seltenen, vom Aussterben bedrohten Robbenart leben weltweit nur mehr etwa 400 erwachsene Tiere. Mönchsrobben lebten früher im gesamten Mittelmeerraum. Heute lebt die grösste Kolonie an den türkischen und griechischen Küsten, kleine Gruppen findet man vor Marokko und der Westsahara, sowie vor dem kroatischen Pula, vor Tunesien und Madeira.

Die Sichtung des offensichtlich gesunden weiblichen Tieres ist die erste seit 2010 an einem israelischen Strand. Das Tier ist, so schätzen es die Veterinäre, zwischen 3 und 5 Jahren jung.

Nachdem ein aufmerksamer Velofahrer das Tier entdeckt hatte, verständigte er sofort die zuständigen Behörden. Natürlich waren schnell Schaulustige zur Stelle, die jedoch von den Park Rangern energisch ferngehalten werden. «Wir werden auf das Tier aufpassen, bis es wieder zurück ins Wasser geht. Dieses seltene und geschützte Tier darf nicht gestört, oder verletzt werden.»

Die Tiere leben vor allem in Höhlen. Einbrüche, wie zuletzt in Netanya, Überflutungen und der angestiegene Meeresspiegel haben das natürliche Vorkommen an geeigneten Rückzugsorten zerstört. Eine Studie der Universität Haifa empfiehlt, künstliche Höhlen anzulegen, die auch für einen dauerhaften Aufenthalt der Tiere geeignet sind.

Vor der Staatsgründung hatte es ab 1920 immer wieder Einzelsichtungen bis zum Jahr 1958 gegeben.

Gestorben:

2022 starb in Kopenhagen der in Chicago am 9. Juli 1926 geborene Ben Roy Mottelson. Seine Eltern boten ihm bereits in jungen Jahren jede sich bietende Chance, sich mit Wissenschaft und Politik auseinanderzusetzen.

Nach dem Besuch der örtlichen Schulen und dem Abschluss der Lyons Township High School in La Grange, Illinois, meldete er sich bei der US-Marine und erhielt eine Offiziersausbildung an der Purdue University in Lafayette, Indiana, an die er nach dem Krieg zurückkehrte. Nach seiner Graduierung zum BA studierte er Physik an der Harvard University, wo er 1948 den Grad eines MA erhielt und 1950 mit einer Arbeit in Nuklearphysik zum PhD promovierte.

Sein Doktorvater war Julian Schwinger (1918-1994), Sohn wohlhabender polnischer Textilfabrikanten, deren Unternehmen jedoch Opfer des Börsen-Crashs von 1929 wurde. Im Jahr 1965 erhielt er den Nobelpreis für seine Forschung im Bereich «Quantenelektrodynamik».

1950, unmittelbar nach dem Abschluss seiner Studien, erhielt Mottelson ein Stipendium, das ihn an die Universität Kopenhagen führte, wo er von 1953-1957 in der Theoriegruppe der Gründungsphase von CERN massgeblich mitarbeitete. CERN, die Europäische Organisation für Kernforschung, war damals noch in Dänemark beheimatet, liegt aber heute in der Nähe von Genf auf schweizer und französischem Gebiet. Neben seinen Verträgen in Kopenhagen hatte er zahlreiche Gastprofessuren in Trient, Berkeley und Massachusetts.

1975 erhielt er den Nobelpreis für Physik für «für die Entdeckung der Verbindung zwischen kollektiver und Teilchen-Bewegung in Atomkernen und die Entwicklung der Theorie von der Struktur der Atomkerne basierend auf dieser Verbindung.»

Operation «Shield and Arrow»:

Nach dem selbstgewählten Tod des bereits mehrfach verurteilten Terroristen Khadner Adnan nach 87 Tagen Hungerstreik in einem israelischen Gefängnis reagierte der Palästinensische Islamische Dijhad mit einem Raketen-Salvo auf Israel. Khadner hatte jegliche medizinische Betreuung der israelischen Behörden abgelehnt. Für seinen Tod Israel eine Schuld zuschieben zu wollen, ist absurd.

Israel reagierte, indem es drei ranghohe Islamisten eliminierte. Leider kamen bei dieser Aktion auch zehn palästinensische Zivilisten, hauptsächlich Frauen und Kinder, ums Leben. Von Israel nicht gewollt, aber von den Palästinensern billigend in Kauf genommen. Insgesamt wurden 18 hohe Angehörige des PIJ neutralisiert. Die Hamas spricht von 33 Toten. Einige von ihnen wurden jedoch innerhalb von Gaza durch eigene Raketen getötet.

Seither eskalierte die Gewalt. In den letzten fünf Tagen wurden mehr als 1.469 Raketen von Gaza auf Israel abgeschossen. Die meisten waren auf die Orte rings um Gaza gerichtet, aber es gab auch Alarm in Jerusalem, Tel Aviv und Jaffo. Laut Militärangaben erreichten mehr als 1.000 der Raketen israelisches Gebiet, die anderen fielen innerhalb des Gebietes von Gaza und töteten dort mindestens vier Personen. Etwa 439 Raketen wurden abgefangen, bevor sie Schaden anrichten konnten. Die IAF führte 422 gezielte Angriffe aus.

In Rehovot kam eine 82 Jahre alte Frau ums Leben, als sie ihrem im Rollstuhl sitzenden Ehemann helfen wollte, in den Bunker zu gelangen. Während sie von einer eingestürzten Decke tödlich getroffen wurde, überlebte er leicht verletzt. 

Ein Kindergarten sowie ein Privathaus erhielten jeweils einen Volltreffer, jedoch gab es keine Personenschäden, weil beide Gebäude zum Zeitpunkt des Beschusses leer waren. 

Die Bewohner des Umlandes vom Gaza Streifen wurden in Hotels am Toten Meer sowie im Negev untergebracht.

Gestern wurden zwei Arbeiter aus Gaza, die in Israel in der Landwirtschaft arbeiteten, durch den Raketenbeschuss getroffen. Einer der beiden verstarb kurz darauf im Spital, ein dritter Mann wurde bei dem Angriff mittelschwer verletzt. In Israel gab es insgesamt 77 Verletzte.

Die IAF setzte ihren gezielten Beschuss auf Gaza fort. Zwischendurch wurden Verhandlungen zu einem bilateralen Waffenstillstand begonnen, aber unterbrochen nachdem sich der Palästinensische Islamische Jihad geweigert hatte, ohne Vorbedingungen darauf einzugehen und den Beschuss fortsetzte. 

Der Waffenstillstand ist dann doch gestern, wie geplant, um 22 Uhr in Kraft getreten. Aber, wie immer in vergleichbaren Fällen, ging der Beschuss noch mehr als eine Stunde weiter.

Beide Übergänge zwischen Israel und Gaza sind wieder geöffnet. Die Strassen in der Nähe des Gazastreifens wurden wieder für den privaten Verkehr freigegeben und die evakuierten Bewohner der Region können wieder nach Hause zurückkehren. 

Während es bei der palästinensischen Zivilbevölkerung nur Verlierer gibt, freut sich in Israel ein Mann über den «Erfolg der IAF» – der PM Benjamin Netanyahu. Zumindest kurzfristig darf er sich über höhere Beliebtheitszahlen freuen. «Seht her, ich bin’s, der euch bekannte und von euch geliebte Landesvater, der für eure Sicherheit sorgt!» so ähnlich jubilierte er.

Ich hoffe, dass der Alltag ihn bald wieder einholt, die Werte werden dann ganz schnell wieder sinken!

Der Alltag ist schon wieder da. Um 18:33 Ortszeit flog schon wieder die erste Rakete Richtung Israel…….

Stimme des Volkes:

Auf Grund der Operation «Shield and Arrow» wurden die seit 19 Wochen stattfindenden Samstagabend-Demonstrationen abgesagt. 

Ungeachtet des Aufrufes der Organisatoren gab es kleinere Demos in Tel Aviv. Dort nahmen etwa 500 Personen an einer Demonstration teil, in Haifa waren es 5.000 Demonstranten.

Kultur?

Am Samstagabend fand in Liverpool der European Song Contest 2023 statt. Israel wurde vertreten durch Noa Kirel und ihr Lied «Unicorn»

Im Gegensatz zu den Veranstaltungen in den 60er und 70er Jahren, die für uns jeweils ein Highlight der Frühlingsevents im Fernsehen waren, habe ich keinen Blick auf die Übertragung geworfen.

Dafür ist mir einfach meine Zeit zu schade.

Heute konnte ich die Ergebnisse auch nachlesen und mich ärgern. Sie hat es auf den dritten Platz geschafft. Medienberichten zur Folge hatte der ganze Anlass weniger mit der Musik, als mit deren Präsentation zu tun. Songs waren es kaum, die zur Aufführung kamen, sondern eine Aneinanderreihung von mehr oder weniger gelungenen Tonfolgen.

Die Schreihälsin Tally Gottlieb wieder mal:

Wenn sie nicht weiter weiss, dann schreit sie. Die Rede ist von MK Tally Gottlieb, Likud. Am späten Samstagabend forderte sie lautstark von Kommunikationsminister Shlomo Karhi, ebenfalls Likud, die Sender 11, 12 und 13 vom Netz zu nehmen. Ihre Begründung. «Der Kommunikationsminister hat die Befugnis, Medienübertragungen in einer besonderen Situation und während eines von der Regierung angekündigten Notfalls an der Heimatfront zu stoppen. Herr Minister, jetzt ist es an der Zeit sie in Ihrem Zuständigkeitsbereich laut §13 des Bezeq-Gesetzes zum Schweigen zu bringen.»

Sie bezieht sich dabei auf das oben genannte Gesetz von 1982, in dem das Recht für den Verteidigungsminister und den Minister für innere Sicherheit das Recht zugestanden wird, temporär in den oben genannten Fällen die Übertragungskapazitäten an die Sicherheitsorgane zu übertragen. So weit so gut, aber sie interpretiert das Gesetz nach ihren Vorstellungen. Diese Sender sind regierungskritisch. Sender 12 stand schon vor einigen Monaten auf der Abschussliste des PM.

Der Kommunikationsminister reagierte souverän: «Liebe Tally, ich bin auch verärgert, aber ich möchte nicht in einem Land leben, in dem der Kommunikationsminister oder die Regierung Sender abschalten, die sie kritisieren, auch wenn sie die Grenze überschreiten und manchmal Freund und Feind verwechseln. Die Lösung ist eine Kommunikationsreform, bei der die einzige Macht in den Händen der Zuschauer liegt. Sie entscheiden. Sie heben oder senken den Wert von Sendungen. Nur sie.»



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